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Schlägerei bei C-Liga-Spiel in Kemminghausen: Video entlastet Kevin Großkreutz als Auslöser

rnFußball

Beim Spitzenspiel in der Kreisliga C zwischen dem VfL Kemminghausen III und dem FC Brambauer II fliegen plötzlich die Fäuste. Kevin Großkreutz ist mittendrin - aber nicht der Auslöser.

von Daniel Otto, Christian Bentrup

Dortmund

, 12.05.2019 / Lesedauer: 4 min

In Zeiten von Videotechnik auf den Dortmunder Fußballplätzen bleibt kaum noch etwas unbeobachtet. Durch Zufall wird diese Redaktion am Sonntagvormittag auf hitzige Szenen bei einem Kreisliga-C-Spiel in Kemminghausen aufmerksam. Der Uerdinger Fußball-Profi und Trainer der ersten Kemminghauser Mannschaft, Kevin Großkreutz, ist - wie jeden Sonntag - auch auf dem Platz. Und plötzlich mittendrin in einer Schlägerei, die in einem Polizeieinsatz mit Strafanzeige endet.

Ein Spitzenspiel mit klarem Sieger

Was war passiert? Das Spiel zwischen dem VfL Kemminghausen III und dem FC Brambauer II ist ein wichtiges für beide. Sowohl Kemminghausen als auch Brambauer weisen 55 Punkte auf und haben noch Chancen auf den Aufstieg. Im Spiel selbst gibt es keine Zweifel darüber, wer die bessere Mannschaft ist, nach 82 Minuten steht es verdient 2:0 für Kemminghausen: „Wir hatten nicht eine Torchance“, sagt Ahmet Elikalfa, der als Vorsitzender von Brambauer meistens mit dabei ist.

Allerdings glauben die Gäste schnell an einen Betrug, weil Schiedsrichter Jörg Vollenberg keine Passkontrolle durchführte - was in der Dortmunder Kreisliga allerdings seit einiger Zeit nicht mehr regelmäßig gemacht wird - und auf den Kemminghauser Pässen laut Aussagen der Lüner keine Fotos gewesen seien. Zudem wird bei der Google-Suche nach dessen Namen Vollenbergs Vergangenheit an einer Schule in Kemminghausen angezeigt. „Die haben deshalb behauptet, der Schiedsrichter wäre gekauft“, sagt Kemminghausen-Coach Marcel Brüning.

Zwei Gelb-Rote Karten, und dann schwappen die Emotionen über

„Wir haben den Schiri dann nochmal auf die Passkontrolle hingewiesen“, sagt Elikalfa. Doch Vollenberg verneinte nicht nur (regelkonform, denn in der Kreisliga gibt es nach einer Entscheidung des Westdeutschen Fußballverbands seit einiger Zeit keine Passkontrolle mehr), sondern verteilte für weitere Forderungen Gelbe Karten. In der 82. Minute resultierte daraus ein doppelter Platzverweis - und dann schwappten die Emotionen über.

„Von den Zuschauern hat einer gerufen, dass sie den Scheiß doch jetzt lassen sollen“, sagt Marcel Brüning. Daraufhin stürmte einer der des Feldes verwiesenen Gästespieler plötzlich vom Platz in Richtung der Zuschauer. „Da standen Eltern mit Kindern, das war denen völlig egal“, so Brüning. Es gibt Tumulte, Geschrei, die ersten Schläge: „Die sind über die Bande gesprungen, auf Väter zugegangen. Einer hat für die Aussage, dass hier Kinder dabei sind, einen Faustschlag kassiert“, sagt Reza Hassani, Trainer der ersten Mannschaft.

Brambauer beschuldigt Großkreutz

Ahmet Elikalfa hat die Situation anders wahrgenommen: „Der Auslöser war Kevin Großkreutz. Er hat sich mit einem Zuschauer von Brambauer angelegt und dann gesagt, er hole seine Freunde von den Bandidos. Daraufhin haben wir die Polizei alarmiert.“ Großkreutz widerspricht dieser Darstellung: „Ich kam erst viel später dazu.“ Tatsächlich stand der 30-Jährige zum Zeitpunkt der ersten Tumulte am anderen Ende des Platzes, wie auch eine Video-Aufnahme von Soccerwatch beweist.

Im Video ist bei 1:43:40 zu sehen, wie die Tumulte beginnen. Bei 1:44:45 schlendert Großkreutz durchs Bild:

Erst später ist zu sehen, wie ihm ein Mann im weißen T-Shirt ins Gesicht schlägt: „Die von Brambauer machen es sich jetzt natürlich leicht“, sagt Hassani, einer der besten Freunde von Großkreutz, „aber Kevin hat nichts gemacht. Er ist erst später dazugekommen. Und der Typ im weißen T-Shirt ist hochgesprungen, um ihn zu erwischen.“

Großkreutz will schlichten

Großkreutz selbst sagt: „Ich bin da hin, weil ich gesehen habe, wie 20 Leute von denen in Richtung der Zuschauer gerannt sind. Ich wollte schlichten, hab gesagt: ‚Was soll der Scheiß, da sind Kinder dabei! Hört auf damit!“ Die Folge ist im Video oben ab 1:45:25 zu sehen.

Großkreutz geht durch die Angriffe sogar zu Boden: „Da hat sich dann einer von denen auf mich geworfen - aber um mich zu schützen“, sagt Großkreutz, „sonst wäre es wohl noch schlimmer ausgegangen.“

Polizei rückt mit mehreren Wagen an

Am Ende rückt die Polizei mit mehreren Wagen an: „Es klang aber dramatischer, als es hinterher war“, sagt ein Leitstellen-Mitarbeiter, „die Lage war erst unübersichtlich, aber wir konnten einige Kollegen schon wieder zurückrufen, bevor sie angekommen waren.“ Eine Strafanzeige ging am Ende trotzdem noch ein. „Vermutlich wegen Körperverletzung“, hieß es von der Polizei.

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