Schlupfloch: Fünfte Gelbe Karte - aber keine Sperre

Fußball

Fünf Gelbe Karten, trotzdem keine Sperre? In den Amateurligen ist das möglich. Zumindest für die Spieler, die sich die fünfte Gelbe am vergangenen Wochenende abgeholt haben. Denn am anstehenden Karnevalswochenende ruht der Ball - und damit verfällt die theoretisch verhängte Spielsperre für die betroffenen Kicker. Ein Schlupfloch, das viele aktiv nutzen.

DORTMUND

, 22.02.2017, 19:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schlupfloch: Fünfte Gelbe Karte - aber keine Sperre

Wieder verwarnt: Nicht immer führt die fünfte Gelbe aber auch zur Spielsperre.

Zur Erinnerung: Seit dem 1. Juli 2014 gilt auch im Amateurfußball die Regelung: Wer fünf Gelbe Karten gesehen hat, muss ein Spiel aussetzen. Zumindest theoretisch. Denn praktisch gilt die Erweiterung: Ein Spiel Sperre oder zehn Tage. An Wochenenden wie dem kommenden gibt es also keinerlei Einschränkungen für den „bestraften“ Spieler.

Hassani: "Das ist doch legitim"

Viele Trainer gehen offen damit um, dieses Schlupfloch aktiv zu nutzen. Zum Beispiel Reza Hassani, Trainer des TuS Eichlinghofen. „Am vergangenen Wochenende haben wir das vergessen“, sagt er, „in der Hinrunde haben wir es aber auch genutzt, da mache ich kein Geheimnis draus. Das ist doch legitim.“ Wichtig sei ihm aber, dass die Spieler die Gelbe Karte nicht wegen unsportlicher Fouls kassieren. Stattdessen möglich: Ball wegschießen, Freistoß blockieren.

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Dimitrios Kalpakidis, Spielertrainer beim BSV Schüren, sieht das ähnlich. Zwei seiner Spieler sollten sich am vergangenen Wochenende beim SSV Mühlhausen-Uelzen zum fünften Mal verwarnen lassen. Ein Plan, der allerdings nicht aufging. Am Ende hagelte es vier Gelbe und eine Rote - aber alle für den Gastgeber. Trotzdem findet Kalpakidis: „Diese Regel ist totaler Schwachsinn und verleitet zu Unsportlichkeiten.“ Seine Lösung: „Nach fünf Gelben konsequent ein Spiel Sperre in der Meisterschaft - und fertig.“

Fünf "Fünfte" am Wochenende

Eine solche Änderung sei schon länger im Gespräch, bestätigt Lothar König, Staffelleiter der Bezirksliga 8 und der Kreisligen A1 und A2. „Das Problem wäre dann aber: Was passiert mit Spielern, die während einer Sperre den Verein wechseln?“ In der Bezirksliga hat es laut König am vergangenen Wochenende insgesamt fünf „Fünfte“ gegeben. Ein hoher Wert? Ist schwer zu sagen, meint König. Die Zahlen stiegen üblicherweise mit dem Fortschritt der Saison.

Eine Regeländerung müsste beim Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverband beschlossen werden. Zu diesem zählen die Verbände Niederrhein, Mittelrhein und Westfalen. Thomas Berndsen, Abteilungsleiter des westfälischen Verbands, dem die hiesigen Klubs angehören, sagt: „Dürften wir allein die Regeln machen, hätten wir schon längst eine eindeutige Matchstrafe eingeführt. Die Kollegen vom Nieder- und Mittelrhein müssten aber zustimmen. Das haben sie bisher nicht getan.“

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