Dimitrios Kalpakidis wird beim Aufsteiger BSV Schüren vom spielenden zum coachenden Trainer. Oder nicht? Lesen Sie hier die Geschichte des 39-Jährigen und die ganze Amateurfußball-Beilage.

Schüren

, 10.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Ein Spielfeld, auf dem Dimitrios Kalpakidis maximal die Abmessung der Coachingzone beackert? Eine Vorstellung, die für Dortmunds Amateurfußballszene in etwa so abwegig ist, wie ein Weihnachtsfest ohne geschmückte Tanne. Doch soll dieses Szenario Realität werden, aus dem Spielertrainer wird ein reiner Coach. Kalpakidis an der Seitenlinie - oder am Ende doch wieder auf dem Feld?

Kalpakidis ist bereit

Unbestritten, auch im Amateurbereich haben Spieler für gewisse Ligen eine Art Haltbarkeitsdatum. Und auch Dimitrios Kalpakidis hat sich mit der Tatsache abgefunden, dass er mit seinen 39 Jahren wohl zukünftig in der sechsten Liga nicht mehr jedes Wochenende den Gegnern über 90 Minuten Knoten in die Beine spielt. Doch unter dem Trainingsanzug trägt er weiter Trikot und Stutzen. „Ich bin immer noch eine Option ab der 65. Minute - oder um kreative Reize oder einen Impuls zu setzen“, sagt der Trainer, der mit dem BSV Schüren jüngst den Aufstieg in die Westfalenliga schaffte.

Der Meistertitel in der Landesliga, dazu Kreispokalsieger - wie gemacht für einen passenden Abschiedsrahmen. Und in den ersten Tagen der Vorbereitung auf die neue Spielzeit gab es Kalpakidis auch nur im klassischen Trainingsanzug. Egal ob beim Training oder auf den offiziellen Bildern. Das Trikot hat er noch ein wenig versteckt.

Einwechslung beim Hecker-Cup

Aber lange sollte dieser Zustand nicht anhalten. Beim Hecker-Cup, als es gegen den künftigen Ligarivalen Kirchhörder SC darum ging, einen Rückstand zu drehen, wechselte sich der 39-Jährige ein. Auch der personellen Situation geschuldet, wollte er das aber nicht allzu hoch gehängt wissen. Er kam auch in den anderen Testspielen auf einige Minuten - und selbst die Gegner wissen, was Schüren an seinem umtriebigen Griechen hat: „Er ist im positiven Sinne ein abgewichster Hund“, sagte Brackels Torhüter David Graudejus, angesprochen auf Kalpakidis‘ berüchtigten Hakenschlag vor dem Torabschluss.

Schürens Dimitrios Kalpakidis hat in der Westfalenliga eine neue Rolle - eigentlich

Das Thema „Spielertrainer“ ist also bei Weitem noch nicht gänzlich vom Schürener Tisch. Wenngleich Kalpakidis es genießt, in der Vorbereitung selbst nicht mehr komplett mitmischen zu müssen: „Bei den Temperaturen und meinem Alter bin ich ganz froh, nicht mehr alle Übungen mitmachen zu müssen“, schmunzelt der 39-Jährige. Doch eine kleine Spitze gegen die durchwachsene Vorbereitung seiner Mannschaft kann sich Kalpakidis auch an dieser Stelle schlicht nicht verkneifen: „Ich habe trotzdem nicht die schlechteste Fitness in unserer Mannschaft - und das ist traurig für den ein oder anderen Spieler.“

Ein Mann mit Prinzipien

Es ist also gut möglich, dass die Nummer zehn des BSV auch in den kommenden Wochen wieder auf den Spielberichtsbögen der Westfalenliga auftaucht. Denn Kalpakidis hat auch seine Prinzipien: „Spieler, die in der Vorbereitung kaum da waren, werden nicht von Beginn an spielen. Wir haben zwar den größten Kader aller Zeiten, aber waren in den vergangenen Wochen eher Reisebüro oder Arztpraxis, als eine Fußballmannschaft.“ Harte Worte, mit denen der Coach die Vorbereitung umschreibt. Aber er weiß eben auch, wie er seine Truppe am besten kitzeln kann, um am Ende doch die nötige Leistung auf den Platz zu bringen.

Es wird also absehbar die Zeit kommen, in der man sich an einen Dimitrios Kalpakidis an der Seitenlinie gewöhnen muss. Doch wird es ein schleichender Prozess, der es allen leichter macht: Kalpakidis selbst, aber auch Mitspielern und den Zuschauern.

Hier können Sie die Beilage als PDF herunterladen (Dateigröße: 104 MB).

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