Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Jennifer Thater von der SG Dortmund ist eine absolute Ikone im Masters-Schwimmen und mehrfache Weltmeisterin. Dabei schwimmt die 28-Jährige eigentlich gar „nicht unbedingt, um zu gewinnen“.

Dortmund

, 06.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Viermal stellte sich Jennifer Thater (28) von der SG Dortmund bei den deutschen Kurzbahnmeisterschaften der Schwimm-Masters in Hannover an den Startblock. Viermal stieg sie kurze Zeit später als Siegerin aus dem Wasser und hatte am Ende des Tages drei neue deutsche Rekorde - und sogar einen Weltrekord vorzuweisen.

Beim Masters-Schwimmen werden die Altersklassen ab 20 Jahren in jeweils fünf Jahres-Schritte eingeteilt. Von der Altersklasse 20 (20-24 Jahre) bis zur Altersklasse 100 (100 Jahre und älter). Die Unterschiede zum normalen Schwimmsport bestehen darin, dass der Start sowohl vom Startblock als auch vom Beckenrand erfolgen darf und dass beim Schmetterling-Schwimmen der Beinschlag etwas unterschiedlich sein darf.

Masters-Schwimmen erhält nur wenig Aufmerksamkeit

Thater erklärt, Masters-Schwimmen sei etwas „für Schwimmer und Schwimmerinnen, die im Berufsleben stehen, aber trotzdem noch Spaß am Wettkampf haben“. Ansonsten gäbe es „die gleichen Regeln, es wird das Gleiche geschwommen“, so Thater, die selbst in der Altersklasse 25 antritt. Über 25.000 Masters-Schwimmer sind beim deutschen Schwimm-Verband registriert, viel Aufmerksamkeit bekommt diese Sparte bisher allerdings nicht.

Dabei werden auch in diesem Bereich sportliche Höchstleistungen erzielt, wie das Beispiel Jennifer Thater beweist. Ihren Weltrekord schwamm die 28-Jährige, die vier- bis fünfmal die Woche trainiert, über die 50 Meter Freistil. Mit 25,29 Sekunden war sie deutlich schneller als die Konkurrenz.

Die Zweitplatzierte Jeanette Dietrich von der SG Gladbeck/Recklinghausen kam mit einer Zeit von 27,15 Sekunden ins Ziel. Zum Vergleich: Der Weltrekord über die gleiche Strecke in der offenen Klasse liegt bei 23,67 Sekunden, gehalten von der Niederländerin Ranomi Kromowidjojo.

„Mit der Leistung, wäre sie auch in der offenen Klasse in der Top acht in Deutschland und für die deutschen Meisterschaften qualifiziert“, sagt Thaters Trainer Markus Reinhardt. Aber dort teilnehmen möchte sie nicht, für sie steht das Soziale und das passende Umfeld im Vordergrund. „Schwimmen ist eine Einzelsportart. Aber für Jennifer ist es wichtig, auch als Team Ziele zu erreichen. Wenn das Umfeld stimmt, dann spornt das Jennifer auch an. Die Teamwettbewerbe machen ihr immer am meisten Spaß“, so Reinhardt.

Thater gibt sich bescheiden

Die 50 Meter Freistil sind trotz des Weltrekords gar nicht die Paradestrecke Thaters. „Damit habe ich absolut nicht gerechnet“, sagt sie bescheiden, „eigentlich ist das eine Strecke, die ich nebenbei schwimme.“ Ihre selbst gestecktes Ziel liege eher beim 100-Meter-Delphin-Schwimmen. „Da möchte ich unter einer Minute bleiben“. Ihre aktuelle Bestzeit: Exakt eine Minute und eine Sekunde.

Das Gefühl eines Weltrekords ist aber nichts Neues für Thater. Mit der 4x200-Meter-Freistil-Staffel hält sie bereits einen. Und 2017 wurde sie sogar fünf Mal Weltmeisterin. Da sind die deutschen Rekorde, die sie hält, fast schon Nebensache.

In Hannover deklassierte Thater auch in den anderen Wettkämpfen ihre Konkurrenz. Über die 50 Meter Schmetterling landete sie mit 27,80 Sekunden viereinhalb Zehntel vor der Zweitplatzierten, über die 100 Meter Schmetterling waren es fast viereinhalb Sekunden und über die 100 Meter Freistil mit 56,44 Sekunden über drei Sekunden. Thater selbst glaubt, dass die großen Abstände lediglich zustande gekommen seien, weil die Konkurrenz nicht so häufig trainieren könne, wie sie selbst.

Ihr Trainer hingegen stellt klar, dass diese Leistungen nicht möglich wären, ohne entsprechenden Ehrgeiz: „Da steckt eine Menge Arbeit hinter. Sie ist unheimlich engagiert, unheimlich konzentriert und hat eine gute Wasserlage.“

Wechsel zur SG Dortmund stellt sich als Glücksfall heraus

Trotz all dieser Erfolge betont Thater: „Ich schwimme eigentlich nicht unbedingt, um zu gewinnen“. Auch deshalb ist sie zum Masters-Schwimmen gewechselt.

„Früher bin ich in der offenen Klasse geschwommen“, sagt sie. Doch dann ging ihr Lehramtsstudium los, die Zeit, um ins Wasser zu springen, wurde weniger und ihre Trainingsgruppe zudem immer jünger. „Es waren einfach nicht mehr die gleichen Gesprächsthemen da. Ende 2011 bin ich dann zur SG Dortmund gewechselt und dort bis heute geblieben“, sagt Thater. Darüber ist sie bis heute glücklich.

Das Masters-Schwimmen mache ihr einfach mehr Spaß als die offene Klasse. „Die Stimmung ist besser und die Leistung steht nicht so im Vordergrund. Und unter den Vereinen gibt es keine Konkurrenz, da trinkt man dann auch mal einen zusammen“ - mit Medaille um den Hals.

Schlagworte: