Vor einem Kreisligaspiel des FC Dortmund packt Kapitän Daniel Ulrich eine finalreife Motivationsrede aus. Sie bringt seinem Team nicht nur den Sieg - sondern auch Hunderttausende Zuseher.

Dortmund

, 19.02.2019, 10:11 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der FC Dortmund 18 ist ein kleiner Verein mit nur einer aktiven Mannschaft. Kein Wunder, der Klub wurde erst im vergangenen Jahr gegründet und spielt aktuell in der Kreisliga C. Doch das hindert das Team nicht daran, momentan das Internet zu erobern.

Motivationsrede geht viral

Eine Motivationsrede von Kapitän Daniel Ulrich, die nach dem Spiel auf der eigenen Facebook-Seite hochgeladen und anschließend von der WDR-Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ geteilt wurde, hat mittlerweile über 100.000 Zuseher gefunden. In Internetkreisen heißt das: Sie geht viral. Das Video wird immer weiter geteilt und kommentiert und erreicht damit immer mehr Leute. Und das ist sie:

Wir haben Daniel Ulrich am Dienstagmorgen erreicht und mit ihm gesprochen:

Daniel, wo kam denn diese Rede her? Steckt sowas einfach in dir drin?
Ich habe mir schon Inspirationen in YouTube-Videos geholt, aber der Rest war Improvisation und Leidenschaft. Wir haben den FC Dortmund im letzten Jahr erst gegründet, wirklich nur mit Freunden und das ist einfach eine sehr emotionale Sache. Das sprudelte dann aus mir raus.

Also war es nicht komplett spontan?

Es war schon geplant, weil der Gegner für uns etwas besonderes war. Das passte dann gut zum Rückrundenstart. Wir haben bei uns in der Gruppe ein Team, das etwas schwächer und hinten dran ist. Die haben wir auch besiegt. Aber ansonsten haben wir eigentlich fast nur verloren und oft eben auch denkbar knapp. Es haben immer ein paar Prozentpunkte gefehlt und es war Zeit, dass wir die mal oben draufhauen und die wollte ich eben ansprechen.

Und ihr habt tatsächlich 2:1 gegen den TuS Rahm III gewonnen - nach einer sehr starken ersten Hälfte.

Ja, da waren wir tatsächlich auch spielerisch stärker. Und in der zweiten Halbzeit war es dann wirklich viel Kampf, wir haben unglaublich viele Zweikämpfe geführt, haben geackert, wie so ein paar Idioten, hatten auf der anderen Seite aber auch ein bisschen Glück, weil der Gegner noch einen Elfmeter verschossen hat. Aber das gehört dann dazu.

Was war danach in der Kabine los?

Ekstase pur! Der TuS Rahm hatte den Platz schon abgeschlossen und wir waren immer noch da. Wir haben dann auf dem Parkplatz weitergefeiert.

Bist du auch sonst der Motivator bei euch?

Schon ja. Jetzt im Laufe der Saison war es das zweite Mal. Beim ersten Mal haben wir das bei unserem ersten Kreispokalspiel gemacht, das auch noch gegen unseren alten Verein BC Sportfreunde, wo wir ursprünglich alle herkommen, war. Da haben wir durch zwei Tore in der Nachspielzeit 0:2 verloren. Aber die spielen eine Liga höher, das war also in Ordnung. Dieses Mal hatten wir uns halt überlegt: Komm, wir nehmen das mal auf Video auf, weil es vielleicht ganz cool ist, das im Nachhinein nochmal zu sehen.

Seine Rede bewegt das Netz: Wir haben mit dem Motivator des FC Dortmund gesprochen

Die Gründer des FC Dortmund (v.l.): „Motivator“ Daniel Ulrich, Trainer Maurizio Maggio und der 1. Vorsitzende Florian Köhler. © Schaper

Und jetzt haben es auch Dank „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“, die es bei Facebook geteilt haben, schon über 100.000 Leute gesehen...

Ja, das habe ich heute Morgen auch schon gesehen (lacht). Ich musste gestern um 12 Uhr arbeiten, hatte vorher noch einen Screenshot in unsere Gruppe gestellt und hab geschrieben: „Geil Jungs, hat schon 1000 Leute erreicht.“ Und nach Feierabend hatte ich 15 verpasste Anrufe und über 100 Whatsapp-Nachrichten mit dem Hinweis, dass wir mittlerweile bei zigtausend Aufrufen sind.

Warum glaubst du kommt das so gut an?

Wahrscheinlich weil man merkt, dass das echt ist und nichts gespielt ist, dass das wirklich die Emotionen sind, die ich in dem Moment hatte. Vielleicht finden sich auch einige Mannschaften in unserer Situation wieder und haben auch das Gefühl: Da könnte noch mehr gehen.

Vielleicht auch weil Amateurfußball sich noch nach Fußball anfühlt?

Definitiv. Es ist auch der einzige Fußball, der Sonntags laufen sollte.

Du sagst in deiner Rede „Da stehen draußen wieder 10-15 Mann, die sich den Scheiß angucken.“ Müsst ihr jetzt eine Tribüne bauen?

(Lacht) Also bei Facebook haben einige schon geschrieben, wir sollten mal 16 Leute draus machen, weil sie sich das am Wochenende definitiv mal anschauen wollen. Einer hat sich sogar bei uns gemeldet, den ich mit der Rede so dermaßen motiviert habe, dass er jetzt seine Fußballschuhe wieder schnüren und bei uns zum Training kommen will, obwohl er schon aufgehört hatte.

Das klingt großartig! Wann ist das nächste Heimspiel?

Am Sonntag um 13 Uhr, Mendesportanlage gegen Rot-Weiß Germania 3 - schön auf Asche.

Und packst du so eine Rede dann wieder aus?

Nein, nein, da würde doch der Effekt verpuffen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt