Selbstkritischer Derbyheld gewinnt Wahl zum Dortmunder Spieler des Spieltags

rnFußball in Dortmund

Sein Team bejubelte am Wochenende den ersten Saisonsieg und er trug einen enormen Teil dazu bei. Mit seiner eigenen Leistung war der Spieler des zweiten Spieltags trotzdem nicht zufrieden.

Dortmund

, 19.09.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kampf, Feuer, Strom – Wer nur diese Worte aus einem Gespräch mit dem aktuellen Spieler des Spieltags herausfiltert, denkt vielleicht, da redet ein Kampfsportler, der hauptberuflich Elektriker ist. Weit gefehlt: Er ist Einzelhandelskaufmann, Fußballer, im speziellen Angreifer.

Jetzt lesen

Seine aktuelle Empfehlung im Einsatz für den Bezirksligisten TuS Eichlinghofen: zwei Tore im Derby gegen Mengede 08/20. Damit war er Matchwinner und wurde zum Spieler des Spietags gewählt. Mit 27 Prozent aller Stimmen.

Erstes Spiel eigentlich besser

Bevor er darauf eingeht, kommt der Angreifer Salomon Kadima Tshitungu auf eine Eigenschaft zu sprechen, die ihn stärker macht, ihm manchmal aber etwas den Genuss nimmt: „Ja, ich bin enorm selbstkritisch. Und ich fand meine eigene Leistung gegen Mengede gar nicht so gut. Ich hatte wegen einer beruflichen Weiterbildung auch nicht die beste Vorbereitung auf das Spiel. Ohne meine überragende Mannschaft hätte ich jedenfalls nicht getroffen.“

Jetzt lesen

Besser sei es im ersten Spiel für ihn gelaufen, da verlor sein Team, das 89 Minuten in Unterzahl auskommen musste, denkbar knapp 0:1 beim Titelaspiranten FC Nordkirchen. Es reicht ja, wenn Tshitungu sich selbst sehr genau reflektiert.

Sein Trainer und seine Teamkollegen sind sehr glücklich, ihn zu haben. Denn da spielt einer mit ihnen oder für sie, der das Eichlinghofen-Gen schnell in sich aufnahm: „Das Umfeld und sie Jungs an sich sind schon die ganze Zeit top. Die Leute sind emotional so eng beieinander. Eichlinghofen ist sehr familiär. Jetzt klappt der Zusammenhalt auf dem Feld auch viel besser als im Vorjahr und noch in der Vorbereitung.“

Zusammenhalt enorm stark

Und davon profitierte er in einem Derby, das generell genau nach des Offensivspielers Geschmack war: „Wir haben uns für ein starkes Spiel belohnt. Aber ich profitiere beim ersten Tor durch den Einsatz von Alexander Voss, das zweite Tor verdanke ich auch Alex und Andi Dapi.“

Jetzt lesen

Diese Treffer waren alles andere als Fehler. Der 28-Jährige aber müsste, sollte er mal patzen, dem Team gegenüber kein schlechtes Gewissen haben. Es reicht, wenn er sich damit beschäftigt. Denn für die Eichlinghofer gilt: „Wir streiten nicht darüber, wer den Fehler gemacht hat, sondern suchen einen, der ihn für den anderen ausbügelt.“ Neben Zusammenhalt mache aber auch der Kampf mit- und füreinander das aktuelle Team stark.

Aber eine Mannschaft lebt auch immer von der Klasse einzelner Spieler. Der schwarz-rote Anhang jubelte am Sonntag besonders dem Doppeltorschützen zu. Dieser aber gab die Blumen gleich wieder ab auf die Tribüne. „Die Leute sind immer da, sie sind leidenschaftlich. Sie brennen wie die Spieler für den Verein. Sie - oder besser wir alle - sind unter Strom. Das imponiert mir. Ich bin ein emotionaler Mensch, der das genießt. Der Verein funktioniert aber auf allen Ebenen sehr gut.“

Fokus auf das kommende Spiel

Nach vielen eher mittelmäßigen Jahren steht Schwarz-Rot vielleicht eine energiegeladenere Spielzeit auf vorderen Rängen bevor. Vor der Euphorie aber steht Tshitungus Realismus. „Es ist nach zwei Spielen noch zu früh, nach den Sternen zu greifen. Ich denke von Spiel zu Spiel.“ Um genauer zu sein: Tshitungu denkt intensiv von Spiel zu Spiel.

„Zwei, drei Tage beschäftigen mich schwächere Leistungen schon.“ Da sind wir wieder bei der Selbstkritik, wobei ihm seine Freunde vielleicht einen milderen Umgang mit sich selbst wünschen.

Jetzt lesen

Gut für das moralische Gleichgewicht aktuell, dass zwei ganz wichtige Treffer das Hadern mit der vermeintlich schwächeren Leistung knapper ausfallen ließen. So wirft der Angreifer dann auch den Blick nach vorne. „Wir spielen jetzt in Stockum. Darum dreht sich ab sofort alles.“ Der Kampfgeist ist schnell zurück, das Feuer brennt, den Strom stellt Salomon Kadima Thsitungu auch wieder an.

Das heißt: Für die kommenden Gegner dürfte es, sollten alle Eichlinghofer weiter an einem Strang ziehen, schwierig werden, sich zu wehren, das Feuer zu löschen und den Strom lahmzulegen.

Lesen Sie jetzt