SGL-Trainer Krznar über Ziele, Zuschauer und die Frauen-WM

Im Interview

500 Regionalliga-Spiele in Deutschland und Italien zieren seinen Lebenslauf. „Fraulix“ nennen ihn seine Spielerinnen. Und Trainer einer Herren-Mannschaft zu sein wäre nicht sein Ding. „Das kann ja jeder werden“, meint Andreas Krznar. Der 38-Jährige ist Chefcoach der SG Lütgendortmund, dem höchstklassigen Dortmunder Frauen-Fußballvertreter.

DORTMUND

von Von Christian Stein

, 16.03.2011, 16:53 Uhr / Lesedauer: 3 min
Lobt die professionellen Rahmenbedingungen für den Frauenfußball in Dortmund: Andreas Krznar.

Lobt die professionellen Rahmenbedingungen für den Frauenfußball in Dortmund: Andreas Krznar.

: Schwer vorstellbar. Ich bin kein Freund von Skeptikern, die immer noch behaupten, Frauen werden nie das spielerische Niveau von Männern erreichen. Im Gegenteil: Zahlen aus den letzten Jahren belegen doch, dass das Level, auf dem sich der Frauenfußball bewegt, kontinuierlich steigt.

Gegenfrage: Wie viele Zuschauer sehen sich ein Spiel der Herren in der Kreisliga A an? Auch nicht gerade mehr. Klar, die Vereine müssen selbst die Initiative ergreifen und Werbung für die Spiele machen. Was mir aber auffällt: Einige Leute haben scheinbar Berührungsängste, was den Frauenfußball angeht. Der Fußball lebt nunmal von Emotionen. Und da darf man auch als Frau „Scheiße“ auf dem Platz rufen.

Zweifelsfrei. Diese Form von Kritik wird es leider immer geben. Aber ich erkenne eine eindeutige Kehrtwende. Der Fokus wird mehr und mehr auf den Damen-Bereich gelegt. Beispiel DFB: Die Verantwortlichen dort würden sich doch nicht so intensiv für den Frauenfußball engagieren, wenn sie hier ein Fass ohne Boden entdecken würden. Die weiblichen Fußballer ticken im Kopf ähnlich wie die männlichen. Der große und traurige Unterschied: Die Mädels bekommen keine Anerkennung, kein Geld und keine sportliche Zukunft. Ein steiniger Weg, wenn man dagegen vorgehen möchte. Kommst du als Macher in einen Sportverein, hast du Widersacher, die dir an die Gurgel wollen. Die Mischung aus Starrsinnigkeit und Macherprofil im Vereinsleben bilden daher häufig das Todesurteil für einen Trainer.

Da kann ich drei Schwerpunkte nennen: Tempo, Dynamik, Athletik. In all diesen Bereichen hat der Damenfußball enorm zugelegt. Die Frauen sind ehrgeiziger geworden.

Verliert zum Beispiel mein Team, gibt es ein, zwei Spielerinnen, die drei Tage lang kein Wort mehr sprechen. Dann ist es daheim natürlich schön ruhig (lacht).

Den Mädchen muss bewusst werden, was ihnen in einem Sportverein alles geboten wird. Sie bekommen einen qualifizierten Fußballlehrer zur Seite. Sie lernen das Fußballspielen von einem Fachmann. Sie erhalten optimale Rahmenbedingungen, ein perfektes Umfeld und einen tollen Sportplatz. Das Wichtigste ist aber, dass ihnen das Leistungsprinzip vermittelt wird, das auch im richtigen Leben Früchte tragen wird.

Um den Damen-Fußball voran zu treiben, brauchst du Menschen mit Visionen, mit Geld, mit Perspektiven. Schauen Sie sich den VfL Bochum an: Hier kostet die Mitgliedschaft etwa 17 Euro im Monat. Die Mädels rennen dem VfL die Türen ein, selbst wenn sie nicht mal was zu Essen im Kühlschrank haben. Diesen Ansturm müsste man in Dortmund eigentlich auch haben. Denn solche professionellen Bedingungen wie in Dortmund gibt es in kaum einer anderen Stadt. Dortmund muss das Ziel haben, mit einem Frauenfußball-Team in der 1. Bundesliga zu spielen. Aber ich würde nie auf die Idee kommen, bei Herrn Dr. Rauball oder Herrn Watzke deshalb anzurufen.

Den Trainern hilft weiter, wenn sie Erfahrung in Sachen Einstellung und Psychologie mitbringen. So ist es jedenfalls bei mir der Fall. Ich stelle mich nicht als Trainer Andreas Krznar, sondern als Mensch Andreas Krznar an die Seitenlinie. Menschen, die trotzdem motzen und meckern, musst du isolieren. Und dabei hilft oftmals die Menschenkenntnis weiter.

Deutschland. Ganz klar. Wer soll diese genial spielende Truppe aufhalten?

Andreas Krznar (38), Deutsch-Kroate. Der frühere Torhüter, der in seiner aktiven Karriere mehr als 500 Oberliga- und Regionalligaspiele in Deutschland und Italien bestritt, ist seit 1. Januar 2011 Trainer des Fußball-Regionalligisten SG Lütgendortmund. Davor arbeitete der Inhaber der C-Lizenz Leistungsfußball als Trainer und Sportlicher Leiter des Frauen-Westfalenligisten Concordia Flaesheim. „Mein Vorteil ist, dass ich Dinge erlebt habe, die anderen bisher verwehrt blieben. Ich habe gelernt, dass das Miteinander im Team eine entscheidende Rolle spielt“, so Krznar.

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