So läuft es zwei Jahre nach der Vollkatastrophe bei Arminia Marten

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Arminia Marten stand 2017 vor dem Abgrund, die komplette Landesliga-Mannschaft wurde abgemeldet. Zwei Jahre später sprechen die Verantwortlichen über neue Ambitionen im Verein.

Dortmund, Marten

, 11.05.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Vorsitzende? Weg. Der Trainer? Weg. Die Landesliga-Mannschaft? Weg. Die Sicherheit? Weg. Die Zukunftsaussichten? Düster. Ende 2017 sah es übel aus für Arminia Marten. Keiner wusste so richtig, wie es weiter geht, der Traditionsverein aus dem Dortmunder Westen stand vor dem Nichts.

Nachdem zunächst der Klubvorsitzende Alexander Gradwohl und dann Giovanni Schiattarella, damals Trainer der Fußball-Landesliga-Mannschaft, ihren Abschied wegen „fehlender Strukturen im Verein“ verkündet hatten, wurde die erste Mannschaft abgemeldet. Übrig blieben bei der Arminia somit nur noch zwei Alte Herren-Mannschaften, eine C- und eine E-Jugend.

Heute, zwei Jahre später, ist man zufrieden bei der Arminia - und backt ganz bewusst kleine Brötchen. „Es ist Stand jetzt alles gut bei Arminia Marten“, sagt Vera Schreiber, heute erste Vorsitzende des Vereins. Damals, 2017, war Schreiber Kassiererin und hatte alle Hände voll zu tun, den Verein zusammenzuhalten. Damit hatte Schreiber die, wie sie selbst sagt, ein „Martener Kind“ ist, auch Erfolg.

Vier Martener Freunde kümmerten sich um den Neustart bei der Arminia

Heute spielt die erste Mannschaft in der Kreisliga A, der Chef an der Seitenlinie ist ebenfalls ein echter Martener: Christian Franke entschied sich mitten in der Krise im März 2018 dazu, die erste Mannschaft zu übernehmen. Ein bisschen „bekloppt“ war die Entscheidung damals schon, sagt Franke, der damals als Trainer von Urania Lütgendortmund nach Marten wechselte. Urania hatte er zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre trainiert, es war „seine“ Mannschaft.

Bei Arminia erwartete ihn ein Neustart in der Kreisliga A und ein einziger Spieler, der schon fest für die kommende Saison zugesagt hatte. „Ich hatte schon Bauchschmerzen bei der Sache damals“, sagt Franke heute.

Christian Franke kam als Trainer von Urania Lütgendortmund zu Arminia Marten.

Christian Franke kam als Trainer von Urania Lütgendortmund zu Arminia Marten. © Schütze

Aber warum hat sich der A-Liga-Coach dann zu dem Schritt zum damaligen Krisen-Klub entschieden? „Aus alter Verbundenheit zum Verein“, erklärt Franke, der damals schon als Aktiver bei den Alten Herren der Arminia zockte. Und nicht nur das: Von der Jugend an durchlief er alle Mannschaften bei der Arminia, ehe er 2006 nach Eichlinghofen wechselte.

Zusammen mit den anderen Martenern Jörg Heitmann, Michael Heitmann und Frank Müller kümmerte sich Franke 2018 dann um den Neustart in der A-Liga. „Es war damals alles schon haarscharf, ich habe auch lange überlegt, ob ich mit einsteige“, beschreibt Franke die Situation heute - heute sieht alles besser aus: Nach Platz zehn im ersten A-Liga-Jahr, stand das Team in dieser Saison schon auf Platz acht, ehe die Corona-Krise dazwischenfunkte.

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Christian Franke: „Arminia Marten ist im Dortmunder Westen immer noch ein Name“

„Wir haben richtige Charaktere dazubekommen“, sagt Franke, der auch in der kommenden Saison auf einen Großteil seines jetzigen Kaders setzen kann. Vor allem Onur Topcuoglu, Fabian Semp, Daniel Reuscheck, Jerome Benke und Janick Höhmein in seinem ersten Seniorenjahr seien die Säulen der Mannschaft.

„Marten ist im Dortmunder Westen immer noch ein Name“, sagt Franke, der auch in der kommenden Saison Trainer der Arminen bleiben wird. Soll es denn auch irgendwann mal wieder in die Landesliga gehen? „Wir hatten am Anfang mal gesagt, dass wir in drei Jahren wieder für höhere Aufgaben ambitioniert sein wollen.“

Ob das mal funktionieren wird, weiß Franke zwar nicht, „aber das Wichtigste ist eigentlich, dass wir nicht nur eine erste Mannschaft sondern noch zwei Alte Herren, zwei Senioren- und vier Jugendmannschaften haben“.

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„Es hatte ja damals einen Grund, warum das Ganze an die Wand gefahren wurde“, erklärt Franke. So aufgestellt soll bei der Arminia verhindert werden, dass sich die Katastrophe von 2017 noch einmal wiederholt. Dafür will auch Vera Schreiber sorgen, die möchte, dass Arminia Marten auch ein Martener Verein bleibt. „Wenn man höher spielt, dann kommen eben auch immer Leute aus anderen Regionen“, sagt Schreiber, die das Aushängeschild der Martener eher in den Alten Herren-Mannschaften sieht.

Arminia Marten-Vorsitzende würde zu einem Aufstieg nicht Nein sagen

„Das sind alles alt eingesessene Martener, die alle befreundet sind“, erzählt Schreiber, die als einzige aus dem Vorstand von 2017 übrig geblieben ist. „Ich will am Platz einfach eine Wurst essen und mich mit Freunden unterhalten - und mir nicht ständig darüber Gedanken machen, woher ich den nächsten Sponsor bekomme“, sagt die Vorsitzende, die sich 2017 sicher war, dass der Verein die Krise überstehen würde, „sonst wäre ich ja doof gewesen, wenn ich mich als Vorsitzende zur Verfügung gestellt hätte.“

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Der Verein versuche vor allem, mit Kindergärten zu kooperieren, um so die Kinder schon früh an den Verein heranzuführen. Außerdem würden sich bei der Arminia aktuell alle Mitglieder wohl fühlen - das sei das Wichtigste.

Über einen Aufstieg der Fußballer würde sich aber auch Vera Schreiber freuen. Warum? „Weil wir dann alle zusammen eine große Party im Vereinsheim feiern könnten“, sagt die Martenerin.

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