Sprinterin Katharina Grompe kämpft sich zurück

Leichtathletik

Auf dieses Gefühl hat sie lange gewartet, sie hat es auch herbeigesehnt, vor allem aber hat sie immer daran geglaubt. "Ja, es gibt jetzt schon wieder diese Momente, in denen ich mich irgendwie wie eine Sprinterin fühle", sagt Katharina Grompe, die sich nach vielen Verletzungen zurückkämpft.

DORTMUND

, 18.05.2017 / Lesedauer: 4 min
Sprinterin Katharina Grompe kämpft sich zurück

So sieht sich Katharina Grompe am liebsten: mit vollem Einsatz auf der Laufbahn. Die Sprinterin hofft, nun von Verletzungen verschont zu bleiben.

Die schnelle junge Dame von der LG Olympia Dortmund ist erst 23 Jahre alt, aber mit der kleinen Ausnahme 2015 bei der Hallen-DM in Karlsruhe und Platz sechs im 60-Meter-Finale hat sie alle Tartanbahnen dieser Welt in den letzten drei Jahren nur von weitem gesehen. Sehnenverletzungen, jede Menge muskuläre Beschwerden, „ich möchte meine Krankenakte wirklich nicht gern in der Zeitung lesen“, sorgten dafür, dass sie „eigentlich drei Jahre aus dem Leistungssport raus war“. Es sei ein nerviges Auf und Ab gewesen, „ich habe viel Kraft gebraucht“, sagt Katharina Grompe, und die 23-Jährige, die so herrlich munter plaudern kann, wirkt bei diesem Satz reichlich nachdenklich.

Blick nach vorn

Aber nun ist sie entschlossen, den Blick nicht mehr in die Vergangenheit zu lenken, sie ist entschlossen, den Blick mit einer gesunden Portion Optimismus nach vorn zu lenken. Sie trainiert wieder, und es ist ihr bewusst, dass sie das Pensum nach dieser langen Leidenszeit sehr wohl dosieren muss. „Wenn es in die Intensität geht, dann tauchen schon noch ein paar Wehwehchen auf“, sagt sie, aber es beunruhigt sie nicht, Leistungssportler wissen, dass es dazugehört.

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Aber sie fühle sich gut, „es ist echt prima“, lacht sie, und sie hoffe, dass sie ihr Training kontinuierlich steigern könne. Katharina Grompe ist ein positiver Mensch, sie ist lieber fröhlich als zu lange zu grübeln. Umso schwerer war diese Zeit, in der sie nur zuschauen durfte. Vor drei Jahren haben viele darauf gewettet, sie werde der neue Sprintstern am Himmel, vieles sprach für eine vielleicht sogar große Karriere, die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen war das große Ziel. Dann immer wieder Rückschläge, immer neue Verletzungen.

Nie ans Aufgeben gedacht

Sicher habe es in den drei Jahren auch ein paar emotionale Dellen gegeben, den Gedanken, „warum tue ich mir das an“, aber der Gedanke, mit dem Sprint aufzuhören, für immer, den habe sie nie gehabt. Und wenn sie jetzt doch noch einmal zurückblickt, dann habe sie in der Zeit auch viel Positives erfahren, dann habe sie sich als Person weiterentwickelt, dann „bin ich daran gewachsen“. Wenn sie mittlerweile Kinder in ihrem Stammverein LAC Dortmund trainiere, dann gehe ihr Herz auf. Vor allem aber hat sie ein Vollzeit-Studium an der Hochschule Unna in Angriff genommen, Sport und angewandte Trainingswissenschaft, im nächsten Jahr steht der Bachelor-Abschluss auf dem Stundenzettel.

Wohl auch mit diesen wichtigen Erfahrungen im Rücken sei sie mit der Zeit ruhiger geworden, „ich nehme mir selbst den Druck“. Familie, gute Freunde, der Verein seien ihr währenddessen treu geblieben, sonst, sagt sie eher leise, „nicht sehr viele“. Einer aber doch: Ronald Stein, der Sprinttrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Er ließ einen Platz für die 23-Jährige im Kader frei, vor allem auch ihn will sie nicht enttäuschen. 11,45 Sekunden über 100 Meter muss sie in diesem Jahr laufen, um ihre Kaderzugehörigkeit zu untermauern, ganz leicht wird das nach den letzten Jahren wohl nicht, „aber auch machbar“.

"Mega-Bock" aufs Sprinten

Die lange Zwangspause hat Katharina Grompe nicht das Selbstbewusstsein geraubt. Sie habe wieder „Mega-Bock“ aufs Sprinten, und natürlich sei es mega-cool gewesen, sogar schon mal wieder die Füße in Spikes zu stecken. Jetzt sei sicher nicht die Zeit für kesse Ansagen oder große Versprechen, aber sie sei schon überzeugt, „dass ich was drauf habe“, die Erfahrung habe gezeigt, „dass ich ganz schnell wieder ganz schnell geworden bin“.

Sicher, die Konkurrenz im deutschen Frauen-Sprint ist riesig geworden, da sind ganz viele junge Damen, die ganz schnell laufen können. So ist die Sprintstaffel nur reichlich knapp im letzten Jahr an einer olympischen Medaille vorbeigeschrammt. Abschrecken aber kann das Katharina Grompe nicht. „Ich habe wirklich großen Respekt vor dem, was die Mädchen da gelaufen sind, aber ich glaube schon an mich, ich glaube schon, dass ich vorn mitlaufen kann, wenn ich jetzt endlich mal länger gesund bleibe.“

Zeit nehmen

Nun aber gelte es, vernünftig, auch behutsam mit dem Körper umzugehen. Sie weiß, „ich muss jetzt erst mal kleine Brötchen backen, ich werde die Messlatte nicht zu hoch legen“. Aber sie ist bereit, sie ist auch mental darauf vorbereitet, endlich wieder ins Wettkampfgeschehen einzugreifen. Katharina Grompe spricht von einer „abgespeckten Sommersaison“, sie will wieder sprinten, wenn auch nur in ein oder zwei Rennen in diesem Sommer. „Sicher nicht im nächsten Monat“ sagt die Dortmunderin, sie will sich die Zeit nehmen und hofft, dass man sie ihr gibt. Sie will sich erst wieder als richtige Sprinterin fühlen.

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