Stadtsportbund: "Wir wollen wachrütteln"

Das Interview

Beinahe jeder Verein hat sie, die gute Seele, die immer da ist, wenn eine helfende Hand gebraucht wird. Über die Anforderungen an Vereine in der Zukunft sprach Petra Nachtigäller mit Stadtsportbund-Geschäftsführer Matthias Grasediek und der SSB-Gleichstellungsbeauftragten Nadine Euler.

DORTMUND

, 27.03.2016, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Stadtsportbund: "Wir wollen wachrütteln"

Teresa Schulz ist die gute Seele beim Fußball-Westfalenligisten Mengede 08/20. Die Gewinnung von ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern ist für die Vereine eine große Herausforderung.

Der Stadtsportbund hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Vereine fit zu machen für die Zukunft, ob auf Vorstands- oder Mitarbeiterebene. Gibt es denn da Bedarf?

Euler: Ja, wir haben 2015 eine Tour durch die Dortmunder Fußballvereine gemacht, über Fortbildungs-Möglichkeiten informiert und dabei festgestellt, dass sehr viel Wert auf die Organisation des Trainings- und Spielbetriebs gelegt wird. Das Vereins-Management war da häufig außen vor. Das birgt durchaus Gefahren, wenn zum Beispiel Nachfolge-Regelungen in den Vorständen nicht geklärt sind. Wir wollen für das Thema sensibilisieren.

Immer neue Trendsportarten machen Vereinen das Leben schwer. Wie haben sich die Mitgliederzahlen in Dortmund entwickelt?

Grasediek: Die Zahlen sind eigentlich seit Jahrzehnten konstant. Die Zahl der Sportvereine schwankt zwischen 515 und 530, es gibt etwa 155 000 Sporttreibende in der Stadt, das sind 26 Prozent der Dortmunder Bevölkerung. Übrigens machen jugendliche Mitglieder einen Anteil von 51 Prozent aus. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Ich möchte in diesem Zusammenhang gerne noch ein Lob loswerden.

Bitteschön ...

Grasediek: Es war und ist absolut vorbildlich, wie die Vereine angesichts der Flüchtlingskrise zusammengerückt sind, sich gegenseitig mit Hallenraum ausgeholfen haben, auf Flüchtlinge zugegangen sind. Sehr beeindruckend.

Zurück zur Vereinsentwicklung. Sind junge Leute abseits der Sporthallen und -plätze für ehrenamtliche Arbeit zu begeistern?

Euler: Ja, durchaus. Schließlich macht sich Ehrenamt auch für den beruflichen Werdegang bezahlt, denn soziale Kompetenzen im Sportbereich besitzen bei Firmen einen hohen Stellenwert, das gilt besonders für Mannschaftssportler. Wir haben im Stadtsportbund zum Beispiel das sogenannte J-Team für junges Ehrenamt, die sind sehr aktiv. So entstehen später auch engagierte Mitarbeiter in den Vereinen.

Dennoch hat man den Eindruck, dass die freiwilligen Helfer zunehmend aus der älteren Generation kommen ...

Grasediek: Deshalb ist es ja umso wichtiger, dass sich Vereine neu organisieren und mehr in Projekten als in Amtszeiten denken. Wir wollen wachrütteln, Denkanstöße geben, helfen.Euler: Die wenigsten Vereine wissen, dass sie einmal im Jahr über den SSB kostenlos sechs Stunden Vereinsberatung beim Landessportbund buchen können. Da kommen Experten vor Ort und geben maßgeschneiderte Hilfen.

Wie könnten die aussehen?

Grasediek: Es geht hier nicht um Besserwisserei, sondern um wertvolle Tipps. Das können Finanzberater, Steuerfachleute oder Vereinsentwickler sein. Ein Beispiel: Es gibt Vereine mit 400 Mitgliedern, die einen Monatsbeitrag von fünf Euro haben. Bei einer Erhöhung auf sechs Euro könnte für die professionelle Vereinsarbeit ein 400-Euro-Job geschaffen werden. Das ist ein attraktives Tätigkeitsfeld, nebenberuflich noch etwas dazuzuverdienen. In den Vereinen gibt es zunehmend eine Kombination aus Hauptamtlichkeit und Ehrenamt.Euler: Es lohnt sich auf jeden Fall, den aktuellen Blick im Verein nach innen zu richten, eine Bestandsaufnahme zu machen. Wir haben beim SSB zum Beispiel auch „Kurz & Gut-Seminare“ zu verschiedenen Themen. Das sind drei Stunden kompakt zu verschiedenen Themen rund um die Vereine, die gut nach Feierabend besucht werden können.

Lässt sich die Zahl der Ehrenamtlichen in Dortmunder Vereinen beziffern?

Grasediek: Die Zahlen für NRW liegen bei 13,1 Prozent der Mitglieder in Vereinen, wobei hier die Leistungen der freiwilligen Helfer nicht einberechnet sind, die sich bei Vereinsfesten, Sportveranstaltungen, Renovierungen, Putzaktionen etc. engagieren. Hier geht es um Vorstandsarbeit, Hausmeistertätigkeiten, die komplette Übernahme von Sportstätten, die Integration von Menschen aus allen Kulturen oder der Bildungsbereich von Kindern und Jugendlichen, die Betreuung durch Eltern.

Das wären in Dortmund 20 300 Menschen im sportlichen Ehrenamt...

Grasediek: Und nicht nur das, es geht auch um gesellschaftliche und soziale Wertschöpfung. Jeder im Sportverein tätige ehrenamtliche Mitarbeiter leistet in NRW durchschnittlich ca. 21,1 Stunden pro Monat, bei einem gedachten Lohn von 10,00 Euro kommt man da auf eine Wertschöpfung von ca. 51,4 Millionen Euro, und das nur in Dortmund.Euler: Deswegen ist es so wichtig, dass wir etwas für das Ehrenamt tun und es attraktiv präsentieren.

Am 9. April findet in der Aula der CJD-Jugenddorf Christopherusschule in der Kleybredde 29, 44149 Dortmund, die SSB-Mitgliederversammlung statt. Vor der Versammlung bietet der SSB zwei Workshops an. Überschrift: „Impulse für Führungskräfte im Sportverein – Kompetenz auf höchster Ebene“. Im 1. Seminar geht es um „Mitarbeitermanagement - mit System zur nächsten Generation“, Seminarleiter Josef Quester. Uhrzeit 9.30 - 11 Uhr. Im 2. Seminar geht es um „Möglichkeiten der Vereinsentwicklung und Mitarbeiter-Qualifizierung im demografischen Wandel“. Uhrzeit 9.30 - 11 Uhr.

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