Brackeler trainierte einst beim 1. FC Nürnberg und hospitierte in Krankenhäusern in Afrika

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Beim SV Brackel spielt ein Kicker, der vor einiger Zeit noch das Ziel hatte, Profi zu werden. Sein Vorspiel beim 1. FC Nürnberg organisierte ein ehemaliger Bundesligakicker für ihn.

Dortmund, Brackel

, 28.03.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Beim SV Brackel geht wie bei anderen Fußballvereinen gerade nicht viel. Höchstens ein paar Übungen für Zuhause werden über die WhatsApp-Gruppe kommuniziert. Grund genug, sich um die kommende Saison ein paar Gedanken zu machen. Einige Verlängerungen stehen schon fest. Unter anderem hat bereits ein Kicker zugesagt, der trotz seiner jungen Jahre schon sehr viel erlebt hat.

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Seine Erlebnisse hängen vor allem mit seiner Herkunft zusammen. Luis Jan Asante ist Ghanaer und Deutscher, kickt seit zwei Jahren für den SV Brackel – und hat nun für die kommende Saison verlängert. Seine Heimat möchte er nicht auf eine Gegend festlegen. „Ich habe zwei Zuhause“, sagt der 23-Jährige, dessen Vater aus Ghana stammt. Geboren in Dortmund wuchs er im Ruhrpott auf. Im Alter von 13 Jahren zog seine Familie dann in den westafrikanischen Staat um.

Asante spielte in der zweiten ghanaischen Liga

Viereinhalb Jahre war die Heimat seines Vaters auch seine Heimat und er lernte das Leben dort kennen, ging dort zur Schule und spielte auch Fußball – und das auch ziemlich hochklassig. Trotz seines jungen Alters kickte er mit 16 Jahren schon in der zweiten ghanaischen Liga.

Und dort kam es zu einer besonderen Begegnung. Sein Trainer war damals Abédi Pele, der in Deutschland kein Unbekannter ist. Er kickte zwischen 1996 und 1998 für den TSV 1860 München in der Bundesliga und erzielte in 50 Spielen zwei Tore für die Löwen. Zudem spielte er unter anderem auch für Olympique Marseille, Olympique Lyon und den FC Turin.

Luis Asante (l.) spielt seit 2018 für den SV Brackel 06.

Luis Asante (l.) spielt seit 2018 für den SV Brackel 06. © Folty

Aus seiner früheren Bundesligazeit hatte Pele noch einige Kontakte – davon profitierte auch Luis Asante. „Bei Spielen von uns waren regelmäßig Scouts. An einem Tag waren auch zwei Scouts aus Deutschland da, einer mit ghanaischen Wurzeln“, erzählt er.

Die Beobachter vermittelten dem damals 17-Jährigen einen Kontakt zum 1. FC Nürnberg. Dort durfte Asante dann an Trainingseinheiten der A-Jugend teilnehmen. „Leider hat es nicht geklappt, in den Kader der A-Jugend zu kommen. Da waren viele gute Kicker dabei.“

„Ich wollte versuchen, in den Profifußball zu kommen“

Danach ging es für ihn wieder in den Pott und nicht zurück nach Ghana – und das alleine! „Das war ein großer Schritt. Ich wollte versuchen, in den Profifußball zu kommen. Obwohl das nicht geklappt hat, wollte ich in Deutschland bleiben. Hier ist das Schulsystem besser und ich wollte unbedingt das Abitur machen.“

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Also suchte sich Asante einen Erziehungsberechtigten – schließlich war er noch keine 18 Jahre alt – und machte sein Abitur in Dortmund. „Ich hatte in Dortmund noch Freunde und Kontakte und war deshalb nicht allein. Im Nachhinein betrachtet war das die richtige Entscheidung“, findet der 23-Jährige.

Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Demnächst wird er regelmäßig im Operationssaal arbeiten. Seine berufliche Tätigkeit führte ihn dann auch dazu, eine besondere Reise anzutreten.

Stippvisite in verschiedenen Ländern Afrikas

Im vergangenen Jahr machte sich Asante auf den Weg, um einige Länder in Afrika zu erkunden. Auch um einen Einblick in das Gesundheitssystem der jeweiligen Länder zu bekommen. „Ich wollte mir mal die Krankenhäuser anschauen und wie das dort so läuft. Auch um die Verhältnisse mit Ghana zu vergleichen“, erzählt er.

Luis Asante absolvierte eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger und arbeitete während seiner Afrika-Reise in einigen Krankenhäusern.

Luis Asante absolvierte eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger und arbeitete während seiner Afrika-Reise in einigen Krankenhäusern. © Nils Foltynowicz

Sein Trip startete in Kenia. Von dort ging es weiter nach Tansania und über Sambia nach Namibia. „Dort war es nur möglich mit dem Auto zu reisen, weil dort die überwiegende Fläche Wüste ist.“ Von Namibia reiste der Kicker nach Südafrika und von dort per Flugzeug in die Heimat nach Ghana.

Am eindrücklichsten sind ihm die Begegnungen mit den Menschen in Erinnerung geblieben. „Die Offenheit und der Gastfreundschaft waren toll. Auch die Treffen mit den Reisenden waren spannend.“ Aber es gab auch den einen oder anderen nicht eingeplanten Moment.

Aktuell sind die Grenzen in Ghana geschlossen

„Einmal hat ein Zug von Tansania nach Sambia fünf statt zwei Tage gedauert. Aber das muss man bei Reisen in dem Gebiet einplanen. Da ist nicht alles so gut im Vorhinein zu organisieren. Hostels oder Busverbindungen gibt es einfach nicht so viele. Aber das macht es auch spannend“, berichtet der 23-Jährige.

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Die Reise endete in Ghana, wo er auf seine Familie traf. Zweimal im Jahr fliegt er rüber. Zudem sind alle regelmäßig per Videoanruf oder WhatsApp in Kontakt – auch in den schwierigen Corona-Zeiten. „Die Grenzen in Ghana sind gerade zu. Das heißt, dass ich aktuell dort nicht hinfliegen könnte. Daher bin ich froh, dass wir über andere Wege noch Kontakt haben.“

Fußballerisch ging es für Asante nach seiner Zeit beim 1. FC Nürnberg beim TSC Eintracht Dortmund weiter. Dort absolvierte er die zwei Jahre der A-Jugend. Danach ging es zum Lüner SV, mit dem er in die Westfalenliga aufstieg.

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Zur Spielzeit 2018/2019 wechselte er dann zum SV Brackel. Und dort fühl er sich sehr wohl und bleibt deswegen dort auch in der kommenden Saison. „Im Trainerteam gibt es eine gute Mischung aus Emotionalität und taktischen Geschick. Dazu herrscht eine Super-Stimmung im Team. Ich gehe jedes Mal gerne zum Training und zum Spiel“, erzählt Asante mit Begeisterung.

Momentan hält er sich mit Joggen fit. Dazu gibt es ein paar Übungen für Zuhause, die das Trainerteam in die WhatsApp-Gruppe gestellt hat. Zudem hat der gelernte Krankenpfleger noch ein anderes Projekt aktuell auf dem Plan. „Ein ghanaischer Arzt, der in den Städtischen Kliniken arbeitet, ist gerade dabei mithilfe von Sachspenden ein Krankenhaus in Ghana aufzubauen. Da bin ich involviert und werde weiter dranbleiben.“

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