Sven Hübscher: Ein extrem erfolgreicher Dortmunder Trainer, den hier fast niemand kennt

Fußball

Der Dortmunder Sven Hübscher ist als Trainer in der Dritten Liga angekommen. Trotzdem kennt ihn fast niemand in Dortmund. Aber warum?

von Leon Elspaß

Dortmund

, 03.07.2019 / Lesedauer: 4 min
Sven Hübscher: Ein extrem erfolgreicher Dortmunder Trainer, den hier fast niemand kennt

Preußen-Trainer Sven Hübscher (links) im Gespräch mit Ugur Tezel. © imago images / Kirchner-Media

Sven Hübscher, der neue Cheftrainer von Drittligist Preußen Münster, hat da eine Vermutung. Warum er trotz sportlicher Erfolge in seiner Geburts- und der Fußballstadt Dortmund nur wenigen bekannt sei? „Das liegt womöglich an meiner sportlichen Vergangenheit“, antwortet der 40-Jährige – und grinst. Denn angestellt war dieser Fußballlehrer nie beim BVB, hat auch sonst nur noch wenige Verbindungen nach Dortmund. Zum FC Schalke 04 und Gelsenkirchen dafür umso mehr. 14 Jahre lang war er dort angestellt.

Schmerzhafte Erfahrung für Sven Hübscher

Ehe er allerdings seine Trainerlaufbahn begann, musste Hübscher eine gleich zweifach schmerzhafte Erfahrung machen. Seine Zeit als aktiver Fußballer erklärte er frühzeitig für beendet. „Ich war heftig am Sprunggelenk verletzt, hatte eine Knorpelschaden“, erinnert er sich im Gespräch mit dieser Redaktion. „Im Alter von 20 Jahren war es deshalb nicht mehr möglich, auf höherem Niveau Fußball zu spielen.“

Also widmete er sich dem Trainieren. „Und das“, sagt er, „war wahrscheinlich der richtige Weg“. Denn der in Dortmund geborene und in Witten aufgewachsene Hübscher stieg zügig die Karriereleiter hinauf. 1999 begann er als U15-Coach und Torwarttrainer bei der DSC Wanne-Eickel und wechselte nur ein Jahr später zu S04.

Sven Hübscher arbeitet beim FC Schalke 04

Dort arbeitete er erst als Co-Trainer der U13, übernahm sie schließlich als Chef und trainierte nebenbei noch die U12. Hübscher stieg zur U19 auf, assistierte dort von 2007 bis 2009 Schalkes Vorzeige-Ausbilder Norbert Elgert. Nach vielen Jahren in der Knappenschmiede war Hübscher dann für drei Spielzeiten Teil der königsblauen Elite-Belegschaft. Zunächst unterstützte er als Co-Trainer den damals verantwortlichen Jens Keller, darauf folgend André Breitenreiter, Roberto Di Matteo und kurzzeitig auch Interimschef Peter Hermann.

„Ich habe immer versucht, meinen Job so gut wie irgendwie möglich zu machen – und dann den nächsten Schritt geschafft“, sagt Hübscher. So wünscht es sich der ehrgeizige Fußballlehrer freilich weiterhin. Nach den Jahren auf Schalke ging er zu Werder Bremen, trainierte dort die U17 und zuletzt anderthalb Jahre die Zweitvertretung von SVW, erst ein paar Monate in der Dritten Liga, nach dem Abstieg dann in der Regionalliga. Mit der erhaltenen Stelle bei Preußen Münster hat es Frontmann Hübscher nun erneut in den Profi-Fußball geschafft.

Sven Hübscher vom SC Preußen Münster möchte nach oben

In einer der letzten Medienrunden beim SV Werder formulierte er ohne Umschweife: „Ich möchte nach oben. Nicht nur Spieler müssen sich weiterentwickeln, auch Trainer.“ Und so war er schnell interessiert am Angebot des Drittligisten, der nach einem Ersatz für den scheidenden Marco Antwerpen fahndete. Mit Malte Metzelder, dem Sportchef von Preußen Münster, verstand sich der ehrgeizig Hübscher auf Anhieb, unterschrieb letztlich für zwei Jahre. Noch vor seinem offiziellen Antritt beim neuen Arbeitgeber erklärte Hübscher: „Ich weiß, dass in Münster schon lange von der Zweiten Liga geträumt wird. Meine Aufgabe ist es, dass dieser Traum noch größer wird.“

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Zunächst mal allerdings, so sagt er es inmitten der Vorbereitung, müsse seine Belegschaft regelmäßigst punkten. „Die Liga ist sehr eng. Da eine exakte Zielsetzung herauszugeben, wäre nicht seriös.“ Zumal die Preußen personell verjüngt wurden und zu einem ambitionierten Ausbildungsverein heranwachsen sollen. „Unser Plan sieht vor, dass wir jeden einzelnen Spieler, den wir haben, verbessern wollen. Und über diese Entwicklung geht es dann auch tabellarisch weiter nach oben.“ In der vergangenen Runde belegte Münster Platz acht.

Sven Hübscher macht ein Praktikum beim FC Arsenal

Wird Hübscher gefragt, wie seine favorisierte Spielweise aussieht, spricht er von „längeren Ballbesitzzeiten“. Er spricht davon, „aktiven Fußball“ sehen zu wollen, „Druck auf den Gegner“ auszuüben und final „spielbestimmend“ zu sein. Lehrinhalte hat er auf Schalke und in Bremen aufgeschnappt, außerdem während Praktika-Reisen zu den englischen Premier-League-Größen FC Arsenal und FC Chelsea. „Von jedem Trainer schaut man sich etwas ab, nimmt etwas für sich mit.“ Ein spezielles Vorbild, so sagt er, habe er nicht.

Hübscher, das hat er mal erklärt und ist nur logisch, will höchstmöglich trainieren. In Münster startet er nun die nächste Etappe auf diesem langen Weg. Gut für ihn: Hübscher arbeitet dabei wieder nahe seiner Familie, kann sie nun in aller Regelmäßigkeit sehen. Während seiner Amtszeit bei Werder Bremen traf er Frau, Kind und Hund zumeist nur an einem Tag in der Woche. Aus Münster sind sie nun einfach zu erreichen, haben sie ihr Quartier doch seit Jahren in Gelsenkirchen bezogen. Wahrscheinlich ist auch das ein Grund, warum Hübscher mit Dortmund, seiner Geburtsstadt, nicht mehr viel verbindet - und er dort für viele ein Unbekannter ist. Noch zumindest.

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