Testspiel-Verbot: Der Fußballkreis Dortmund stellt sich gegen seine Fußballer

rnKlare Kante

Der FLVW erlaubt sie, die Stadt ebenso, aber der Fußballkreis Dortmund genehmigt weiterhin keine Testspiele. Das ist ein ziemlich inkonsequentes Verhalten, meint unser Volontär Pascal Albert.

Dortmund

, 30.06.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Nachricht war für viele Spieler und Trainer ein Schock: Der Fußballkreis Dortmund genehmigt auch weiterhin keine Testspiele. Mag die Begründung auf den ersten Blick zum Teil durchaus schlüssig erscheinen, ist das Testspiel-Verbot aber vor allem eines: extrem inkonsequent. Und das sogar aus mehreren Gründen.

Vom Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen gab es zuletzt grünes Licht für Testspiele. Auch die Stadt Dortmund hat ihr Okay gegeben. Doch der Fußballkreis Dortmund sträubt sich und erlaubt sie auch weiterhin nicht. Zwei Gründe nennt der Kreis für das Verbot.

Ein klares Nein zu Testspielen, aber Training ist in Ordnung?

Zum einen wird damit argumentiert, dass die Stadt Dortmund im Juni einen erneuten Anstieg von Corona-Infektionszahlen zu verzeichnen hatte. Außerdem sei die Notwendigkeit für Testspiele noch nicht so groß, da ohnehin längst nicht entschieden ist, wann der Ligabetrieb der neuen Spielzeit startet. Der Sprung von einer Lockerung zur nächsten „kommt uns zu schnell vor“, hatte Jürgen Grondziewski, Vorsitzender des Fußballkreises Dortmund, gesagt.

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Nun mag jeder über die bisherigen Corona-Maßnahmen und die Lockerungen, die nun nach und nach wieder erfolgen, denken, was er will. Den Funktionären des Fußballkreises steht es frei, die immer schneller werdenden Schritte in eine Rückkehr zur Normalität kritisch zu sehen. Damit stehen sie bestimmt auch nicht alleine dar. Doch die Entscheidung, Testspiele weiterhin nicht zu erlauben, ist einfach nur inkonsequent.

Bei einem Freundschaftsspiel befinden sich maximal 25 Personen (22 Spieler und bis zu drei Schiedsrichter) gleichzeitig auf dem Platz. Doch dank des Fußballkreises Dortmund wird das vorerst auch weiterhin nur ein Traum für alle Fußballer im Kreis bleiben. Er nimmt den Spielern und Spielerinnen die Chance, nach zahlreichen Fußball-freien Monaten endlich mal wieder ein Spiel zu bestreiten. Training mit bis zu 30 Beteiligten, was seit dem 15. Juni erlaubt ist, ist aber in Ordnung. Logisch ist das nicht.

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Was macht ein Testspiel mit 22 Spielern gefährlicher als ein Training mit bis zu 30? Sowohl im Spiel als auch beim Training ist Kontakt wieder erlaubt, die Gefahr, sich anzustecken, ist in beiden Fällen gleich hoch (oder gering). Es macht also keinen Sinn, dass das eine verboten wird, während das andere erlaubt ist. Eine klare Linie sieht anders aus. Solange ein 30-Mann-Training erlaubt ist, muss auch ein Testspiel erlaubt sein.

Der Fußballkreis Dortmund wollte sich den FLVW-Empfehlungen anschließen

An der Entscheidung über die Testspiele im Dortmunder Raum waren drei Parteien beteiligt: Der Kreisfußballausschuss, der Kreisschiedsrichterausschuss und der Kreisjugendausschuss. Jürgen Grondziewski hatte Anfang Mai noch gesagt, der Fußballkreis Dortmund werde sich allen Empfehlungen des Verbands-Fußball-Ausschusses (VFA) anschließen und auf Kreisebene umsetzen. Nun aber haben er und die anderen Funktionäre des Fußballkreises einen Rückzieher gemacht und sich quergestellt.

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Andreas Edelstein, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses, hatte vor etwas mehr als einem Monat noch gesagt, wie wichtig es ist, dass Nachwuchsspieler wieder auf den Platz dürfen, „damit sie nicht komplett verschwinden“. Aber reichen ein paar Trainingseinheiten aus, um eine mögliche Flut von Jugendspieler-Abgängen zu verhindern? Der sportliche Wettkampf mit anderen Teams macht doch ebenfalls einen großen Reiz aus - auch für Jugendspieler.

Und wie erklärt man einem jungen Spieler, dass alle wieder gegeneinander spielen dürfen, nur eben die Dortmunder, Schwerter und Lüner Teams nicht? Zumindest auf ihren eigenen Anlagen. Denn ein Auswärtsspiel ist genauso wenig ein Problem wie das Training mit 30 Spielern. Auch das ist alles andere als ein konsequentes und nachvollziehbares Handeln.

Das Testspiel-Verbot des Fußballkreises könnte einen starken Anstieg der Auswärtsspiele in diesem Sommer auslösen. Die Gefahr, dass sich das Coronavirus durch Testspiele weiter verbreitet, wird also nicht eingedämmt, sondern nur aus dem Fußballkreis Dortmund hinaus verlagert. Am Ende des Tages kehren aber alle Spieler dann doch wieder nach Dortmund, Schwerte oder Lünen zurück.

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Vor allem den Mannschaften aus Lünen ist ein Testspiel-Verbot nur schwer mit den Argumenten, die der Fußballkreis genannt hat, zu verkaufen. Denn auch die Lüner dürfen sich weiterhin mit keinen anderen Teams messen, weil es in Dortmund wieder steigende Infektionszahlen gibt.

Bei Testspielen ist eine Rückverfolgung der anwesenden Personen leicht

In Lünen (etwa 87.000 Einwohner) stagniert die Zahl der akut Infizierten aktuell hingegen bei sieben. Neue Fälle gab es seit Tagen nicht mehr. Die letzten bestätigten Fälle kamen zudem von den Corona-Tests bei Fleischfabrikant Tönnies, wo über 1000 Mitarbeiter positiv getestet wurden. In Schwerte (etwa 48.000 Einwohner) stiegen die Zahlen hingegen tatsächlich wieder etwas stärker. 24 Fälle gibt es aktuell. Allerdings geht fast die Hälfte von ihnen auf eine einzelne Firma zurück.

Und Dortmund? Hier ist die Zahl der neuen bestätigten Infektionen pro Tag zuletzt wirklich wieder mehr angestiegen als noch im deutlich ruhigeren Mai. Aktuell gibt es 135 bestätigte infizierte Personen, die noch nicht wieder genesen sind. Eine Zahl, die dennoch gering wirkt mit Blick auf die etwa 585.000 Einwohner Dortmunds.

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Bitte nicht falsch verstehen: Das Coronavirus bleibt eine Gefahr, die nicht heruntergeredet werden darf. Doch mit einem Blick in die Dortmunder Innenstadt oder in manche Lokale wird schnell deutlich, dass es genug Orte gibt, wo sich deutlich mehr Menschen nah beieinander aufhalten als auf dem Fußballplatz. Klar, Zweikämpfe sorgen im Spiel für mehr Körperkontakt als ein Einkaufsbummel durch die City. Aber Körperkontakt ist auch beim Training längst wieder möglich. Und dort - genauso wie bei einem Testspiel - kann im Nachhinein wenigstens recht einfach nachvollzogen werden, wer mit wem Kontakt hatte.

Trotz alledem bleiben Testspiele vorerst nur ein unerfüllter Wunsch von Dortmunds Amateurfußballern. Der Fußballkreis stellt sich damit gegen seine eigenen Fußballer. Er beraubt sie der Chance auf Spiele, die angesichts der Corona-Pandemie weniger dramatisch erscheinen als eine Trainingseinheit mit 30 Spielern. Darüber hinaus macht das inkonsequente Verhalten des Kreises das Testspiel-Verbot alles andere als nachvollziehbarer.

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