Tiedtke: "Müssen den Investitionsstau abarbeiten"

Galopp

Die Sommersaison ist beendet, der Winter nähert sich mit großen Schritten: Auf der Dortmunder Galopprennbahn beginnt die Sandbahnsaison. Thomas Schulzke und Jürgen Schwabe haben sich mit dem Rennvereinspräsidenten Andreas Tiedtke getroffen, um zurück, voraus und auf anstehende Projekte zu blicken.

Dortmund

, 18.11.2016, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Tiedtke: "Müssen den Investitionsstau abarbeiten"

In Wambel beginnt die Sandbahnsaison.

Die Grasbahn-Zeit ist vorbei, die Sandbahnsaison startet heut. Wie ist die grüne Zeit gelaufen?

Ich bin zufrieden. Wir merken, dass der Publikumszuspruch mit der vermehrten Werbung, die wir betreiben, steigt. Leider haben wir keinen Einfluss auf das Wetter. Wie in den vergangenen Jahren hatten wir auch diesmal wieder Pech beim Preis der Wirtschaft.

Was lockt die Zuschauer eigentlich auf die Rennbahn? Der sportliche Wert der Rennen oder das Rahmenprogramm?

Wir haben ein gewisses Grundpublikum, das wegen der Rennen kommt. Für die ist ein Listenrennen mit Startern aus Irland und Frankreich etwas Besonderes. Es gibt aber auch das Eventpublikum, für das wir noch viel mehr machen müssen. Man sieht ja am Sparkassenrenntag, wie gut das funktionieren kann. Aber wir sind nicht in der Lage, so viel Geld wie die Sparkasse in ein Rahmenprogramm zu pumpen. Wir haben aber schon einiges getan.

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Was denn?

So haben wir häufig Ulrich Potofski als Moderator engagiert, Hüpfburgen besorgt und Ponyreiten angeboten.

Wie sieht es mit der Infrastruktur der Rennbahn aus?

Wir müssen nach und nach die Standards verändern. Die Lautsprecheranlage ist schon neu, wir haben bei den Grasbahnrennen Großleinwände im Einsatz gehabt. Insgesamt 150 000 Euro haben wir 2016 in die Anlage investiert.

Was haben Sie noch erneuert?

Man sieht natürlich nicht alles. Neu ist neben der Lautsprecheranlage zum Beispiel die Verkabelung auf der Bahn. Wir haben den Führring umgebaut. Der war doch zuletzt lebensgefährlich für die Zuschauer. Das Holz war verfault, die Leute standen viel zu dicht an den Pferden. Zweimal sind Pferde ausgekeilt. So heftig, dass sie fast im Zuschauerbereich standen. Die neue Lösung ist jetzt auf dem Niveau der englischen Rennbahnen und hat alleine 32 000 Euro gekostet. Wir müssen den Investitionsstau aus den vergangenen 20 Jahren langsam abarbeiten.

Was kommt als nächstes?

Wir benötigen einen Aufzug für die Tribüne. Es kann doch nicht sein, dass ältere Leute oder Familien mit Kinderwagen nicht auf die Tribüne kommen. Wir haben nicht eine behindertengerechte Toilette. Es gibt nur eine beim Buchmacher. Der Sanitärbereich muss unbedingt erneuert werden.

Sie planen ja, Wohneinheiten auf der Rennbahn zu bauen, die aktuellen Stallungen abzureißen und neue dafür zu errichten. Was sieht das Zeitfenster vor?

Wir warten weiter auf das Planungsrecht der Stadt, mit der die Zusammenarbeit sehr gut läuft. Ich hoffe, wir bekommen das Planungsrecht im Mai 2017. Dann können wir im kommenden Jahr mit dem Bau des Ausweichgebäudes für die anfangen, die aktuell auf der Rennbahn wohnen. Erst wenn das Gebäude steht, können wir den Rest abreißen.

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Wie viele Pferde werden in Dortmund eigentlich noch trainiert?

Rund 30.

Rentiert sich das Trainingsgeschäft für den Rennverein?

Der Trainingsbetrieb ist ein Zuschussgeschäft. Die ganzen Flächen müssen ja für die Pferde präpariert werden. Es ist permanent etwas an den Dächern, Türen oder Lampen der Stallungen zu tun. Einer unserer drei Mitarbeiter ist immer für den Trainingsbetrieb zuzurechnen. Der Trainingsbetrieb rechnet sich erst bei minimal 80, 85 Pferden.

Am Freitagabend startet die Sandbahnsaison. Im März haben Sie noch gesagt, dass Abendtermine…

…ein Desaster für uns sind. Dabei bleibe ich auch. Nur waren die vier Sandbahntermine im Jahr 2016 mit dem französischen Wettanbieter PMU, der die Übertragungsrechte gekauft hat und uns prozentual am Umsatz der deutschen Rennen in Frankreich beteiligt, schon abgesprochen. Für das Jahr 2017 haben wir dann mit den Franzosen hart verhandelt.

Was ist herausgekommen?

Die Sandbahnrenntage in Neuss und Dortmund finden im wöchentlichen Wechsel immer samstags statt. Das ist schon mal ein Fortschritt. Wir haben uns mit Neuss bei den Terminen so abgesprochen, dass wir veranstalten, wenn der BVB kein Heimspiel hat.

Warum sind Sie so von dem französischen Wettanbieter PMU so abhängig?

Durch die Verträge mit PMU können wir höhere Preisgelder ausrufen. An den gesamten Winterrenntagen gehen rund 550 000 Euro an die Rennställe. Das können wir nicht stemmen. Beim Sandbahnrenntag in Neuss wurden zuletzt gerade einmal 38 000 Euro umgesetzt, in Frankreich bestimmt zwei Millionen Euro.

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Im April stehen die nächsten Wahlen an. Stellen Sie sich zur Verfügung?

Ich werde mich natürlich zur Wahl stellen. Ich bin jetzt drei Jahre im Amt und mir ist der Rennverein ans Herz gewachsen. Wichtig wäre, dass ein paar junge Leute mit in den Vorstand kommen, die auch anpacken. Zurzeit lastet viel auf meinen Schultern.

Das erste Sandbahnrennen startet am heutigen Freitag um 18 Uhr. Sieben Rennen stehen auf dem Programm. Der letzte Start erfolgt um 21 Uhr. Insgesamt 76 Pferde sind in den sieben Rennen dabei. Das sportlich wertvollste Rennen am heutigen Tag ist „Der Preis der Sandbahnsieger“, ein Ausgleich III über die Distanz von 1800 Metern. Zehn Vollblüter kämpfen um das Preisgeld von 7500 Euro. Als Favorit dürfte der vierjährige Wallach Meerwind an den Start gehen. Weitere Anwärter auf den Sieg sind Cash The Cheque und Huan.

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