Jeder Golfer träumt davon, Timo Klischan ist es tatsächlich gelungen: ein „Hole in one“. Dabei ist der 36-Jährige durch eine Behinderung gehandicapt.

Dortmund

, 14.11.2018, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Timo Klischan musste einmal bis ans andere Ende der Welt reisen, um das zu schaffen, wovon viele andere Golfer ihr Leben lang - meist vergeblich - träumen: Im australischen Sydney gelang dem Dortmunder bei der Proberunde zu den Australian Open sein erstes „Hole in one“.

Behinderte und Nicht-Behinderte golfen zusammen

Der 36-Jährige, der an der „Erb‘schen Lähmung“ leidet und deshalb seinen linken Arm wegen bei der Geburt durchtrennter Muskeln und Sehnen nicht heben kann, bereitete sich gerade als einer der zwölf weltbesten Golfer mit Behinderung auf die Donnerstag beginnende All-Abilities-Weltmeisterschaft vor, dem ersten Championat, in dem gehandicapte und nicht gehandicapte Golfer abschlagen.

Es war am 18. Loch des Golfclubs „The Lakes“ in Sydney, einem Par 3 über 175 Meter, und der Wind blies stramm von links. Klischan, der 2014 zu „Dortmunds Sportler des Jahres“ gewählt wurde, legte seinen Ball auf den Abschlag, nahm den passenden Schläger (für Fachleute: ein Hybrid) und holte aus. Nach dem Abschlag segelte der kleine weiße Ball wunderbar geradeaus, tickte vor dem Grünrand auf und hoppelte schnurstracks ins Loch. Ungläubiges Staunen am Abschlag, dann brach sich nach dem, perfekten Schlag Riesenfreude Bahn. Zufällig hatte eine Kamera des Veranstalters zumindest den Abschlag und Klischans freudigen Gang zum 18. Grün festgehalten.

Ein Hole in one kann teuer werden

„Das war ein schöner, sauberer Schuss. Mir wurde ja gesagt, ich solle hier in Australien alles mitnehmen, was geht, aber gleich sowas, und dann noch auf dem 18. Loch… Zum Glück ist mir das nicht im Turnier passiert, denn das wäre wohl etwas teuer geworden“, meinte der Sportmanager, der nach einem Tennis-Intermezzo und erfolgreichen Gastspielen im Hockey-Tor des Regionalligisten TSC Eintracht erst mit 18 Jahren beim Klub Royal St. Barbara‘s in Brackel zum Golfsport gefunden hatte. Zur Erklärung: Schläge direkt ins Loch sind so selten, dass sie, wenn sie im Turnier passieren, eine Getränke-Einladung an alle gerade anwesenden Menschen im Klubhaus nach sich ziehen. Und das kann teuer werden, so teuer, dass es sogar eigene „Hole-in-one“-Versicherungen gibt.

Timo Klischan, der inzwischen als Geschäftsführer des Kreissportbundes Teltow-Fläming in Brandenburg arbeitet, aber sportlich nach wie vor seinem Royal-Coach Duncan Hannak vertraut, der ihm auch in Australien zur Seite steht, hat seine Arm-Behinderung nie als Handicap empfunden, „ich kenne es ja nicht anders, ich bin damit groß geworden“. Inzwischen ist der 36-Jährige beim Golfer-Handicap 3,2 und in der Weltrangliste seiner Schadensklasse auf Position sieben angelangt.

Der Einladung folgt das Karriere-Highlight

Über die Einladung des europäischen Behinderten-Golf-Verbandes zu zwei Turnieren in Australien - dem in Sydney folgt noch am 23./24. November eines in Melbourne - hat sich der Dortmunder extrem gefreut. „Ich war schon nervös in den letzten Wochen, habe mein Training noch einmal intensiviert. Und als ich hier auf der Driving Range Chippen übte und ein paar Profis kamen dazu, dachte ich, ich müsste jetzt Platz machen. Musste ich aber nicht. Das ist schon besonders. Ich liebe es schon jetzt.“

Und dann folgte das absolute Karriere-Highlight, ein Hole in One, das sein Coach Hannak vor Ort als „mega“ einstufte, dann aber schnell meinte, es sei doch „ein büschen früh“ gefallen. Im Turnier helfen solche Glücksschläge zwar nicht der Geldbörse, aber meist dem Ergebnis…

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