TuS Bövinghausen: In der Fußball-Firma geht es nicht um Einzelschicksale

rnFußball-Kommentar

Der Rauswurf von Trainer Dimitrios Kalpakidis beim TuS Bövinghausen hat für Aufruhr gesorgt. Autor Thomas Schulzke ordnet den ungewöhnlichen Schritt ein. Zeigt auch etwas Verständnis.

Dortmund

, 21.08.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ajan Dzaferoski handelt häufig für das Verständnis der Masse irrational. Der Vorsitzende hat klare Vorstellungen, wie sein Projekt TuS Bövinghausen zu laufen hat und daher keine Angst davor, unpopuläre und für die Öffentlichkeit unverständliche Maßnahmen zu treffen.

Das fing schon damit an, dass er dem zweifachen Aufstiegs-Trainer Sven Thormann das Amt entriss und dafür Thorsten Legat installierte. Dzaferoski kannte die sportlichen Risiken, die er mit der Verpflichtung Legats einging. Er sah auf der anderen Seite, dass der Name Legat Türen für neue Sponsoren öffnete. Sportlich war die Verpflichtung von Legat letztlich kein Erfolg. Dafür stieg das öffentliche Interesse. So wie Dzaferoski es geplant hatte.

Bövinghausen und Legat trennten sich. Dzaferoski zog die Reißleine. Er erkannte schnell, dass all die Aufmerksamkeit nicht helfe, wen der sportliche Erfolg ausbleibe. Er holte Dimitrios Kalpakidis. Ein beliebtes Dortmunder Gesicht. Einen Trainer, der dem Klub, dem ein Söldnertum nachgesagt wird, mehr Profil und Beliebtheit verleihen sollte.

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Und der sportliche Erfolg stellte sich ein. 15 Pflichtspiele, 15 Siege – so lautete die Bilanz bis zum Rauswurf. Mehr geht nicht. Trotzdem zog Dzaferoski die Notbremse, wie er es formulierte. Ihm sind die 15 Siege egal. Er sieht nur sein Projekt, das wahrlich nicht billig ist. Der Westfalenliga-Aufsteiger ist bestückt mit etlichen ehemaligen Regionalliga- und Oberliga-Spielern. Und wenn Dzaferoski merkt, dass etwas für ihn nicht passt, handelt er.

Das hat wenig mit Amateur-Fußball zu tun

Der Hotelbesitzer behandelt seinen Klub wie ein Unternehmen. Er ordnet die Menschen dem Erfolg und seinen persönlichen Zielen unter. Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass er gern bei den Aufstellungen mitdiskutiert. Mein Verein, mein Geld, meine Mannschaft. So lautet ein bisschen das Credo. Das lässt den Klub nach außen hin so unsympathisch wirken.

Denn das hat alles wenig mit dem Amateur-Fußball zu tun, den wir aus Dortmund bisher kennen. Dass ein kleiner Vorortverein wie der TuS Bövinghausen wie eine Firma auftritt, gab es in dieser Form noch nicht. Aber bisher spricht der Erfolg für Dzaferoski. Der Klub ist von der Kreisliga A bis in die Westfalenliga durchmarschiert. Und der Boss will mehr.

Und deshalb hat er Kalpakidis entlassen. Dzaferoski hatte das Gefühl, dass der Aufstiegs-Trainer nicht mehr der richtige sei, um das nächste Ziel Oberliga zu erreichen. Weil der Coach es sich mit ein paar Spielern verscherzt hat, unter anderem auch mit dessen Sohn Dino. Hinzu kam, dass aus der Präsidentensicht der Coach viel zu häufig mittrainiert hat, anstatt das Team zu coachen. Auch dass der Coach sich selbst bei den Hallenstadtmeisterschaften Akteuren aus dem Kader vorgezogen hat, stimmte Dzaferoski nicht fröhlich.

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Für die Außendarstellung des Klubs war die Entlassung definitiv kein populärer Schritt. Das ist Dzaferoski aber egal. Er muss aber aufpassen, dass er den Klub innerhalb der Stadt nicht isoliert. Er muss sich auch mal hinterfragen, ob er den Trainern mehr Vertrauen schenken muss. Kalpakidis hat sportlich abgeliefert und das Maximum herausgeholt. Was hätte er mehr machen sollen?

Der Klub muss für Trainer interessant bleiben

Dzaferoski muss auch darauf achten, dass der Klub weiter interessant für kompetente Trainer bleibt. Er möchte nämlich den nächsten Schritt Richtung Oberliga gehen. Das schafft er nur mit einem starken Trainer. Einem, der sein Konzept und seine Spielidee durchsetzen darf. Kalpakidis deutet an, dass er seine Ideen nicht immer umsetzen durfte.

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Und viele kompetente Trainer und potenzielle Nachfolger von Kalpakidis werden von dieser Entlassung erschreckt sein. Denn ihnen wurde deutlich gezeigt: Beim TuS Bövinghausen reichen nicht 15 Pflichtspielsiege in 15 Partien, um den Präsidenten zu überzeugen. Nur Dzaferoski entscheidet, was Erfolg ist und wer die Geschichte des Vereins weiterschreiben darf. Das ist wahrlich keine Geschichte für Fußballromantiker.

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