Bövinghausen-Neuzugang hat unter Klopp trainiert und musste mit seinem Team dem Krieg weichen

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Als Jürgen Klopp noch BVB-Trainer war, durfte Mohamed El Bouazzati (23) bei den Profis mittrainieren. Später zog es den zweifachen Deutschen Meister in die Ukraine - mitten ins Kriegsgebiet.

Dortmund

, 31.01.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mohamed El Bouazzati (23) hat bereits einiges in seiner noch jungen Karriere erlebt. Mit den Junioren des BVB wurde er zweimal Deutscher Meister, er trainierte bei den Profis unter Jürgen Klopp mit und spielte zwischenzeitlich in der dritten Liga für den VfL Osnabrück. Im Interview erzählt er, was sein größtes Highlight war, wie es zu seinem Wechsel in die Ukraine kam und warum er nun für den TuS Bövinghausen in der Landesliga auflaufen wird.

Herr Bouazzati, Sie wurden in der Jugend zweimal mit dem BVB Deutscher Meister, spielten für einen ukrainischen Erstligisten. Warum wechseln sie nun in die Landesliga?

Ich habe den Schritt gemacht, weil es bei Türkspor Augsburg einfach nicht gepasst hat. Es war dann erst kein Verein da, der mir die Chance geben wollte. Es war auch finanziell nicht für alle Oberligisten möglich, mich aus meinem Vertrag rauszukaufen. Wir haben bis zum letzten Tag gewartet. Dann ging der Preis runter. Ich mach das hier (bei Bövinghausen, Anm. d. Red.) aber erst mal nur für vier Monate. Ich mag die Philosophie des Vereins, dass sie oben mitspielen wollen.

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Brauchten die Verantwortlichen lange, um Sie von einem Wechsel zum TuS Bövinghausen zu überzeugen?

Ich war mit Dimi (Dimitrios Kalpakidis, Trainer des TuS Bövinghausen, Anm. d. Red.) schon vor eineinhalb Monaten in Kontakt. Dann hab ich ein bisschen gewartet. Irgendwann kam ich nicht mit dem Druck klar, keinen Verein zu finden. Bövinghausen hat mir das Vertrauen gegeben. Die stehen voll hinter mir. Sie wollen mir auch im Sommer bei der Vereinssuche helfen, wenn ich fit bin.

Hätten Sie nicht auch in eine höhere Liga wechseln können?

Es gab voll viele interessierte Oberligisten, auch Westfalenligisten. Ich war bei Hamm und bei Herne. Die konnten meine Ablöse aber leider nicht zahlen. Ein Wechsel dorthin ist nur an der Ablöse gescheitert.

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Mit 23 Jahren sind Sie bereits viel rumgekommen. Wo hat es Ihnen bislang am besten gefallen?

Die schönste Zeit war immer bei Borussia Dortmund. Das war die schönste und beste Zeit. Dem Verein habe ich echt viel zu verdanken in meinem Leben. Der Verein war wie eine Mutter für mich. Die haben alles für mich getan.

Sie hatten eine durchaus interessante Karriere bislang. Was waren Ihre Highlights?

Da habe ich viele. Ich wurde Deutscher Meister mit der U17 des BVB, dann denkst du, es kommt nichts mehr. Und dann wirst du auch mit der U19 Deutscher Meister. Und dann darfst du auch noch bei den Profis mittrainieren. Sportlich gesehen war das größte Highlight der Titel mit der U17. Und auch bei den Profis mittrainieren zu können, war toll.

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Wie war es für Sie als Jugendspieler plötzlich am Training der ersten Mannschaft teilzunehmen?

Am Anfang ist man schon nervös. Aber die Jungs haben einen immer mitgezogen. Roman Weidenfeller und die anderen waren immer cool zu den jüngeren Leuten. Dann hatte ich mich aber leider verletzt.

Sie waren zu Beginn der Saison 2017/18 mehrere Monate vereinslos. Warum?

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Nachdem ich von meiner Leihe beim VfL Osnabrück zum BVB zurückgekommen bin, war vieles anders. Hannes Wolf, David Wagner, Jürgen Klopp waren alle weg. Ich bin mit einem Borussia Dortmund aufgewachsen, das komplett anders war als das jetzige. Als ich zurückgekommen bin, hat es halt nicht mehr so geklappt. Dann habe ich auch keine Perspektive gesehen. Ich hatte auch einen anderen Verein in Aussicht, das hatte dann aber leider doch nicht geklappt.

Wie kam es dann zu Ihrem Wechsel in die Ukraine?

Ich habe einen Anruf bekommen. Der Manager von Schachtar Donezk hatte Interesse. Ich hatte dann eine Woche mittrainiert, war aber nicht ganz fit. Dann habe ich wenig später bei Zorya Luhansk mittrainiert und den Trainer direkt überzeugt. Ich habe einen super Vertrag bekommen, den konnte ich nicht abschlagen.

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Wie war es in der Ukraine für Sie?

Die trainieren dort härter als hier (lacht). Es ist dort auch sehr kalt im Winter. Durch den Krieg war alles durcheinander. Wir konnten nicht da spielen und leben, wo der Verein eigentlich war. Wir mussten dann quasi in eine kleinere Stadt ziehen. Das war eher ein Dorf. Da zu leben war nicht so schön. Die größeren Städte wie Kiew fand ich aber sehr interessant. Fußballerisch war es super, auch wenn ich nicht so viel gespielt habe. Die Ukraine ist ein relativ gutes Land zum Leben, wenn man in der richtigen Stadt ist.

Was haben Sie sich für die bald beginnende Rückrunde mit Bövinghausen vorgenommen?

Ich möchte so viele Spiele wie möglich gewinnn. Und ich will den Aufstieg nicht aus dem Fokus verlieren. Im Sommer werde ich dann weitergucken, erst mal muss ich richtig fit werden. Ich geh demütig an die Sache. Auch wenn es die Landesliga ist, die Jungs können da alle kicken.

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