Im Video: TV Brechtens Fanmarsch zum Derby nötigt selbst dem Gegner Respekt ab

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Es war das Topspiel in der B-Liga. Der TV Brechten reiste zum Verfolgerduell zur SG Phönix Eving. Das alles bestimmende Thema aber: Der Fanmarsch, der nicht nur die Bahn blau-weiß färbte.

von Patrick Radtke

Dortmund

, 01.03.2020, 17:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Schmähungen gegen Dietmar Hopp bestimmen aktuell die Diskussionen im Fußball. In Dortmund, in Berlin, in Meppen und in Sinsheim benahmen sich die Anhänger verschiedener Vereine daneben und zeigten laut Karl-Heinz-Rummenigge „das hässliche Gesicht“.

Dass es auch ganz anders gehen kann, bewiesen die Anhänger des TV Brechten beim Lokalduell gegen die SG Phönix Eving, das zugleich eine Spitzenpartie in der Kreisliga B3 war.

Mit der Bahn und dann durch das Grävingholz

„Es war der Hammer, wir haben uns um 15 Uhr am Brechtener Platz getroffen. Es waren bestimmt 30 Leute“, sagt Brechtens Social-Media-Beauftragter Lennard Liczkowski, der selbst lange im Verein gegen den Ball getreten hat. Grund des Zusammentreffens: Ein Fanmarsch zum Sportplatz Grävingholz, um die eigene Mannschaft zu unterstützen.

Eigentlich hatte die Gruppe geplant, die kurze Entfernung zwischen den Sportanlagen zu Fuß zu absolvieren und dabei mit viel Lärm das eigene Ankommen anzukündigen. Doch leider machte das Wetter hier einen Strich durch die Rechnung. Eine komplette Absage des Vorhabens kam aber natürlich nicht in Frage. Statt über die Straßen marschierten die Fans schnurstracks in die Bahn und hüllten diese in blau-weiße Farben.

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Aus Brechten ging es zur Haltestelle Waldesruh, von da zu Fuß durch das Grävingholz. Schon von weitem hörten die beiden Mannschaften das Trommeln und die Gesänge der Anhänger. „T-T-T-T-T-T V-V-V-V-V B-B-B-B-B, Unser TV Brechten“ oder „Wir sind alles Brechtener Jungs“ schallte es aus der Ruhe des Waldes.

Schwere Verletzung sorgt für 50-minütige Unterbrechung

„Am Platz waren ungefähr 100 Leute“, zeigt sich Liczkowski auch im Nachhinein noch völlig begeistert. „Die Spieler haben uns gesagt, man hat uns schon gehört, es war eigentlich ein Heimspiel“, welches mit einem 1:1-Remis endete, womit Brechtens Coach Christian Wichert „super zufrieden“ ist.

„Wir hatten mit einigen schwerwiegenden Ausfällen zu kämpfen gehabt. Aber es war vom Zusammenhalt und vom kämpferischen her unsere bisher beste Leistung“, so Wichert. Alles sei „hervorragend“ gewesen, bis auf eine Situation in der 15. Minute.

Ohne Fremdverschulden verletzte sich Brechtens Spielführer Tobias Schulze schwer, brach sich das Wadenbein. Es folgte eine 50-minütige Unterbrechung des Derbys, das so fröhlich werden sollte. „Das hat uns alle geschockt, gerade die jungen Spieler“, so Wichert.

TV Brechten und Phönix Eving liefern sich enge Partie

Nach der langen Pause hatte der Derbycharakter die angeschlagenen Nerven jedoch ausgestochen. Lukas Köster brachte Brechten in der 30. Minute in Führung, Yusuf Öztekin glich für Eving noch vor der Pause aus. „Die erste Hälfte war ausgeglichen. Dann musste ich neben Schulze noch zwei Spieler verletzungsbedingt auswechseln. Von Zeit zu Zeit war es dann ein Spiel auf unser Tor, aber wir haben super dagegengehalten“, sagt Wichert.

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Sein Gegenüber Salvatore Damato sieht das ein wenig anders. „Mit dem Ergebnis kann ich nicht zufrieden sein, das muss ich ehrlich sagen. Wir haben die erste Hälfte total verschlafen, Brechten hat sich tief rein-, vorne einen Mann abgestellt und viele lange Bälle gespielt. Es war sehr schwer, die zu knacken“, beschreibt Damato.

Nach dem Rückstand habe sein Team immer mehr Druck gemacht, sich aber von der harten Gangart des Gegners den Schneid abkaufen lassen. „Das haben sie gut gemacht, da muss man ihnen auch ein Kompliment machen“, so Damato, der nach einer Tätlichkeit in den nächsten Wochen zudem auf Zakaria Tairech verzichten muss. Für Damato sei demnach das einzige Positive an dem Ergebnis, dass Eving Brechten in der Tabelle weiterhin vier Punkte auf Abstand gehalten hat.

„Das hat uns gepusht, das war total super“

Nach der Partie bedankten sich die Brechtener Spieler bei den Fans, die 90 Minuten lang keine Rücksicht auf die eigenen Stimmbänder nahmen. „Die Mannschaft ist nach dem Spiel geschlossen zu uns gekommen und hat uns applaudiert und sich bedankt. Hier beim TV Brechten sind wir gemeinsam stark“, freut sich Liczkowski über die Wertschätzung der Aktion.

Der zollten auch die beiden Trainer ihren Tribut. „Die Jungs haben Stimmung gemacht, es ist immer eine schöne Sache, wenn du Anhänger mitbringst“, findet Damato und Wichert ergänzt: „Da haben wir uns tierisch drüber gefreut. Das Singen hat uns noch einmal gepusht, das war total super. Wir wollten mal zeigen, dass man zwischen Brechten und Phönix auch sowas auf die Beine stellen kann, obwohl ja auch die Borussia gespielt hat“.

Eine rundum gelungene Aktion der Fans also - die womöglich ihre Wiederholung findet. „Eigentlich wird sowas nur beim Derby herausgeholt, das ist schon was Besonderes“, sagt Liszkowski. Aber: „Mal sehen, was wir gegen Brambauer auf die Beine stellen.“

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