David Spies war Profi in den USA. Jetzt, nach seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten, läuft er für Oberligist ASC 09 Dortmund auf.

Aplerbeck

, 17.09.2018 / Lesedauer: 4 min

David Spies ist gerade erst 24 geworden. Dennoch hat der Neuzugang des Oberligisten ASC 09 schon einiges gesehen von der Fußball-Welt. Gestartet in Berghofen, führte ihn seine Reise über Bochum, Nürnberg, Augsburg bis nach Phoenix, in die zweite Liga der USA - und nun zurück nach Dortmund.

Für Spies schließt sich ein Kreis

Mit dem Wechsel nach Aplerbeck schließt sich für David Spies ein Kreis. Zugleich ist die Rückkehr nach Dortmund für ihn ein fußballerischer Neuanfang. Über einen gemeinsamen Bekannten mit Samir Habibovic kam der Kontakt zum ASC zustande. Zwei Wochen hat Spies mit der Oberliga-Truppe trainiert - und Habibovic überzeugt. „Wir sind froh, dass er sich für uns entschieden hat. Er ist ein technisch guter Spieler, der ins Eins-gegen-Eins geht und in der Offensive vielseitig einsetzbar ist“, sagt der Sportliche Leiter und Interimstrainer. Auch der Liga-Konkurrent Holzwickede war interessiert. Dabei hat Spies seit fast einem Jahr kein Pflichtspiel bestritten.

Denn Ende 2017 endet für Spies eine lange Reise durch die Fußballwelt, die ihn bis in die USA geführt hat. Sie beginnt bei seinem Heimatverein in Berghofen, von dort geht es über den TSC Eintracht zum Hombrucher SV. Dort fällt er den Nachwuchs-Scouts des VfL Bochum auf, die ihn in die Bochumer Jugend holen. Nachdem er es beim VfL bis in die A-Jugend-Bundesliga geschafft hat, wechselt er im Januar 2013 nach Nürnberg, wo er die zweite Mannschaft in der Regionalliga Bayern verstärkt.

In Augsburg schnuppert der 20-Jährige an der Profiluft

Zweieinhalb Jahre späte schloss er sich dem Ligakonkurrenten aus Augsburg an - und schnuppert plötzlich mit 20 Jahren am Bundesligakader. „Nach einer Woche mit der zweiten Mannschaft durfte ich mit den Profis trainieren“, erinnert sich Spies. Zwei Testspiele absolviert er mit der ersten Mannschaft und trifft dabei dreimal. Dennoch geht es zurück in die zweite Mannschaft. Spies soll sich in der Regionalliga für die Profis empfehlen.

Zur Winterpause führte er mit vier Treffern die interne Torschützenliste an, doch in der Mannschaft läuft es nicht. Abstiegskampf. Der neue Trainer Christian Wörns will den Außenstürmer zum Rechtsverteidiger umschulen. „Meiner Karriere hat das nicht gutgetan, aber ich wollte der Mannschaft helfen“, sagt Spies. Er läuft fortan auf der rechten defensiven Außenbahn auf und verschwindet aus dem Fokus der Profis.

Unverhofft bietet sich eine zweite Chance

Die zweite Chance auf eine Profikarriere kommt unverhofft, denn sie lockt ihn ins Land seiner Mutter. Spies, der die deutsche und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, bekommt ein Angebot von Charlotte Independence, Profiklub in der USL, der zweiten US-Profiliga. Wegen einer Beschränkung der Ausländerplätze in der Liga, macht ihn sein Pass begehrt. „Die suchen ständig nach Amerikanern, die in Europa ausgebildet wurden“, erklärt Spies.

„Und plötzlich fliegt man zu Auswärtsspielen mit dem Flugzeug nach Toronto oder New York.“ Spies trainiert täglich, läuft 23 Mal für Charlotte auf. Er kommt meist als Einwechselspieler auf der Außenbahn zum Einsatz, erzielt ein Tor. Doch der große Durchbruch gelingt ihm nicht. Dennoch sagt er: „Ich würde es wieder machen. Es ist eine ganz andere Spielweise als in Deutschland, viel körperbetonter und weniger taktisch. Und die Qualität ist da.“ Superstar Didier Drogba und der deutsche Ex-Nationalspieler Marcel Schäfer kicken damals in der Liga.

An Fußball ist erstmal nicht zu denken

Als seine Freundin schwanger wird, beginnt Spies umzudenken. „Wo soll unsere Tochter aufwachsen?“, fragen sich die beiden. Freundin und Kind sind in den USA nicht mitversichert. Im Mai kehrt er zurück, zieht wieder nach Berghofen. Ein Umzug aus den USA mit einer kleinen Tochter und ein neuer Job als Bürokaufmann - an Fußball ist erst mal nicht zu denken. Weil die Saison in den USA nach Kalenderjahr gespielt wird, hat er seit Oktober 2017 kein Pflichtspiel bestritten.

„Ich muss erst mal den Anschluss finden“, sagt er über den Neustart in Aplerbeck. „Das ist erst mal ein Schritt nach hinten, um alles wieder aufzuholen.“ Die Oberliga sieht er nicht als Endstation. „Wenn es gut läuft, greife ich wieder an. Dann kann es auch noch ein bis zwei Ligen nach oben gehen.“ Vorerst hat er aber noch einiges an Trainingsrückstand aufzuholen.

ASC-Verletztenmisere könnte Spies in den Kader spülen

Dabei könnte er durchaus sofort gebraucht werden. Die aktuelle Verletzungsmisere in Aplerbeck mit neun Verletzten Spielern könnte alles beschleunigen. Schon am Wochenende würde er laut Habibovic im Kader stehen - wenn die Unterlagen rechtzeitig da sind. Bis zu vier Wochen könnte es dauern, bis der US-Verband sie schickt. Aber darauf kommt es nach der langen Reise zurück nach Dortmund auch nicht mehr an.

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