Männer sieben Euro, Frauen drei Euro. Die Preisgestaltung auf den Dortmunder Fußballplätzen wirkt wie aus der Zeit gefallen.

Dortmund

, 11.03.2019, 18:10 Uhr / Lesedauer: 4 min

Ein bisschen hat sich der SV Berghofen über sich selbst gewundert. Bei den Spielen der Frauenfußball-Regionalliga haben Männer in der vergangenen Saison mehr Eintritt bezahlt als Frauen. Männer: vier Euro. Frauen: zwei Euro. Das ist seit dieser Saison anders.

„Wir wurden in der Vergangenheit immer wieder von Frauen angesprochen, warum sie denn weniger bezahlen müssen. Es klang durch, dass sie sich nicht gleich behandelt fühlten. Ich weiß eigentlich auch nicht, warum Frauen vorher immer weniger bezahlen mussten“, sagt Stephan Gebling, Sportlicher Leiter der Berghofer Frauen. Seit dieser Saison zahlen Männer und Frauen jeweils vier Euro Eintritt.

Warum Frauen auf Fußballplätzen weniger Eintritt zahlen

Bei den Frauen des SV Berghofen gibt es nur einen Preis für alle Erwachsenen. © Nils Foltynowicz

Damit ist der Klub eine große Ausnahme in der Stadt. Egal, wo man hinkommt, müssen Frauen weniger bezahlen. Sie sind in der Kategorie Rentner, Studenten oder Mitglieder eingeordnet. Beim Westfalenligisten Westfalia Wickede bezahlen Männer sieben Euro und Frauen drei Euro, beim Ligakonkurrenten Kirchhörder SC sechs und zwei, und beim Landesligisten VfL Kemminghausen ebenfalls sechs und zwei. Das sind nur drei Beispiele. Weitere würden den kompletten Text füllen.

Jennifer Drontmann ist häufig auf Fußballplätzen. Sie ist meistens dabei, wenn ihr Mann Dennis mit dem Oberligisten ASC 09 Dortmund auf Punktejagd geht. „Es ist schon kurios, wenn du als Frau plötzlich weniger bezahlen musst. Männer und Frauen sehen doch dasselbe Spiel, deshalb sollten sie doch denselben Eintrittspreis bezahlen. Ich verstehe da auch die Vereine nicht, die haben ja auch nicht Geld im Überfluss“, sagt Jennifer Drontmann. Sie betont, dass sie bei vielen Auswärtsspielen Vollzahlerin ist. So hat sie in Siegen, Herne und Ahlen mehr als zehn Euro für einen Stehplatz bezahlt. Dass es eine Unterscheidung in Geschlechter gibt, wie es fast überall in Dortmund der Fall ist, sei eher eine Ausnahme.

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Wie sieht es denn eigentlich bei den anderen Sportarten in Dortmund aus? Bei den Drittliga-Volleyballern des TV Hörde zahlen Männer und Frauen denselben Betrag. „Wir haben beim Eintritt die zwei Kategorien Erwachsene und Schüler/Senioren, letztere zahlt einen ermäßigten Preis. Eine unterschiedliche Eintrittspreis-Gestaltung für Männer und Frauen hat es bei uns nie gegeben, sie würde sicher auch Fragen unter dem AGG-Gesichtspunkt aufwerfen“, sagt der Vorsitzende Bernd Jannsen. AGG steht für das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, ein deutsches Bundesgesetz, das Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern und beseitigen soll.

Die Basketballer des TVE Barop nehmen gar keinen Eintritt. Beim SVD 49 Dortmund gibt es bei den Begegnungen der Herren in der 1. Regionalliga auch keine Unterscheidung. Hier zahlen alle Erwachsenen fünf Euro.

Den gleichen Betrag nehmen auch die Handballer des ASC 09 Dortmund. Für Frauen und Männer. „Ich erinnere mich noch an die 80er Jahre, als ich zu den Fußballern in Iserlohn gegangenen bin. Da gab es damals auch schon die Unterscheidung. Ich hätte aber nicht gedacht, dass es die noch heute gibt. Im Handball ist mir bisher nicht aufgefallen, dass Frauen irgendwo weniger bezahlen müssen“, sagt Frank Fligge, Abteilungsleiter Handball beim ASC.

Aber die Unterschiede gibt es nachweislich noch. Im Amateurfußball. Nicht bei den Profis. Bei den Bundesliga-Profis von Borussia Dortmund zahlen Frauen und Männer denselben Preis. Bis zu 25 Prozent der Fans sind weiblich in den deutschen Bundesligastadien. Tendenz steigend. Warum unterscheiden die Amateur-Fußballer noch zwischen Männern und Frauen?

„Gute Frage, ich kann es gar nicht beantworten“, sagt Thomas Brümmer, Geschäftsführer Verwaltung beim Fußball-Oberligisten FC Brünninghausen. „Irgendwie ist das schon immer so und man hat es so weiterlaufen lassen. Wir haben uns auch nie groß Gedanken darüber gemacht. Ich werde das Thema mit in die nächste Vorstandssitzung nehmen“, ergänzt Brümmer.

Warum Frauen auf Fußballplätzen weniger Eintritt zahlen

Jürgen Grondziewski hält nicht viel von unterschiedlichen Preisen. © Stephan Schuetze

Die Fußballklubs haben es generell selbst in der Hand, wer wie viel pro Spiel bezahlen muss. Es gibt weder Vorgaben vom Verband noch vom Kreisvorstand. „Da ist jeder Klub frei“, sagt der Kreisvorsitzende Jürgen Grondziewski.

Auch er sieht keinen Grund, warum Frauen in der Regel weniger bezahlen müssen. „Bei unseren Veranstaltungen vom Kreis zählen Frauen und Männer als Erwachsene und zahlen den identischen Preis. Bei der Endrunde der Hallenfußball-Stadtmeisterschaft zum Beispiel legen Frauen und Männer acht Euro hin“, sagt Grondziewski.

Lange Diskussionen bei Staffeltagen

Er erzählt von langen Diskussionen an den Staffeltagen der unterschiedlichen Fußball-Ligen. Hier streiten zum Teil die Vereine, wenn es um die Eintrittsgelder geht. „Die einen verstehen nicht, warum der andere überhaupt Eintritt von Frauen verlangt, während bei ihm die Frau umsonst reinkommt. Aber dass es eine Diskussion darüber gab, dass die Frauen denselben Preis wie die Männer bezahlen sollen, das habe ich noch nicht mitbekommen“, sagt Grondziewski. Er wird als Kreisvorsitzender auch keine Empfehlung aussprechen, weil es Sache der Vereine sei, die Preise auf den Plätzen festzulegen.

Angesprochen auf das Kuriosum ist fast immer derselbe Satz zu hören. „Ich weiß auch nicht, warum das so ist mit den unterschiedlichen Eintrittspreisen.“ Er fällt auch beim Vorsitzenden des ASC 09, Michael Linke. „Als ich zum Fußball gekommen bin, hat mich die Tatsache schon gewundert. Aber es scheint so, als wäre das im Fußball kulturell gewachsen. Für die heutige Zeit ist das aber schon eine kuriose Nummer. Das muss ich zugeben“, sagt Linke.

Mehr Frauen durch weniger Eintrittsgeld?

Ein Erklärungsansatz für die Vereine ist, dass durch das geringere Eintrittsgeld mehr Frauen auf die Plätze kommen. „Bei uns sind schon Frauen wieder gegangen, weil ich vier Euro von ihnen verlangt habe. Es hat aber noch nie einen Frau gesagt, dass sie genauso viel wie ein Mann bezahlen möchte“, erzählt der Kartenverkäufer bei Westfalenligist Westfalia Wickede.

Bei den Herren des SV Berghofen müssen die Frauen anders als beim eigenen Frauen-Regionalliga-Team keinen Eintritt bezahlen. „Wir spielen in der Kreisliga B. Und die Vergangenheit hat gezeigt, dass überwiegend Männer zu unseren Spielen kommen. Deshalb müssen Frauen jetzt nichts mehr bezahlen, damit sie vielleicht wieder zu uns auf den Platz kommen. Wir wollen, dass die Spiele interessant für die ganze Familie sind“, sagt Jörg Skubinn, zweiter Vorsitzender im Herrenbereich.

Er und seine Vorstandskollegen wollen sich bis zum Ende der Spielzeit ein Bild verschaffen, ob sie durch diese Maßnahme mehr Zuschauer gewinnen konnten. „Das ist nur ein Testballon.“ So einen könnten andere Klubs ja auch mal starten – im Sinne der Gleichberechtigung.

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