Eine Schambeinentzündung sorgt bei Fußballern oft für eine lange Pause. Die Ausfallzeit ist nicht absehbar. Drei Dortmunder Spieler erklären uns, was diese Ungewissheit mit ihnen macht.

Dortmund

, 21.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Prominenteste Beispiele im Dortmunder Raum sind Mario Götze, der im Jahr 2012 wegen einer Schambeinentzündung knapp vier Monate pausieren musste, und Marco Reus, der wegen der gleichen Verletzung ein halbes Jahr nicht mehr spielen konnte.

Aufgeklärt: Das Schambein ist ein Beckenkochen. Eine Entzündung ist vor allem bei Fußballern eine häufige Diagnose. Die Verletzung am Schambein festzustellen, fällt aber nicht leicht. Denn auch andere Verletzungen können Schmerzen am Schambein verursachen. Ursachen für eine Schambeinentzüdung sind unter anderem die vielen Sprint- und Schussbewegungen im Fußball.

Auch im Dortmunder Amateur-Fußball plagen sich einige der besten Spieler aktuell mit der Verletzung rum: Lukas Homann von Westfalia Wickede ist seit November 2017 außer Gefecht gesetzt. Torjäger Christian Wazian (Kirchhörder SC) und Defensiv-Allrounder Marcel Münzel (ASC 09) plagen sich seit der Rückrunde der vergangenen Spielzeit mit dem Problem herum.

Lukas Homann, 23 Jahre alt, Westfalia Wickede: „Zu Beginn konnte ich gar nichts machen. Das ist schon frustrierend.“

Was eine Schambeinentzündung für Fußballer bedeutet

© Nils Foltynowicz

„Die Symptome habe ich schon im Oktober gemerkt, im November habe ich dann noch gespielt und ab Dezember war ich dann komplett raus. Bei einem Bänderriss oder einem Kreuzbandriss kann man dann absehen, wann man wieder fit ist.

Bei der Schambeinentzündung kann man nicht voraussehen, wie lange das dauert. Auch im Alltag macht es einige Probleme, etwa beim Treppen steigen oder wenn ich zur Bahn renne. Durch die Arbeit mit meinem Physio bin ich da aber schon sehr weit gekommen. Sonst ist es schwierig, denn der Fußball fehlt sehr. Zu Beginn konnte ich gar nichts machen. Das ist schon frustrierend.

Wenn ich ehrlich bin, hoffe ich erst einmal, problemlos ins Mannschaftstraining einzusteigen und mich dann Schritt für Schritt steigern zu können. Wenn ich die Vorbereitung dann im Winter mitmachen kann, will ich in der Rückserie wieder komplett angreifen.“



Christian Wazian, 25 Jahre alt, Kirchhörder SC: „Sowas muss halt auskuriert werden, sonst wird es chronisch.“

Was eine Schambeinentzündung für Fußballer bedeutet

© Dan Laryea

„Im Spiel gegen Sinsen in der Rückrunde, da hab ich es zum ersten Mal so richtig gespürt. Ich habe danach noch mit Schmerzen gespielt, konnte aber nicht jeden Sprint richtig durchziehen. Nachdem es nicht besser wurde, habe ich dem Trainerteam Bescheid gesagt, dass es sich um eine Schambeinreizung handelt.

Es war für mich klar, dass ich mich trotzdem zur Verfügung stelle, was vielleicht nicht immer clever war, aber ich habe durch meine Tore meinen Teil dazu beigetragen, dass wir letztes Jahr die Klasse gehalten haben. Ganz schlimm war es im Spiel gegen den Lüner SV, da konnte ich kaum noch laufen. Das ist ja eine Verletzung, bei der man nicht viel machen kann. Sowas muss auskuriert werden, sonst wird es chronisch.

Ich habe jetzt in der Vorbereitung nichts machen können. Es ist natürlich eine harte Zeit, denn ich trainiere gerne, hätte gern auch die Vorbereitung mitgemacht. Ich hoffe einfach, bald mal wieder auf der Bank sitzen zu können. Wann ich wieder komplett zurück bin, ist schwer zu sagen. Ich muss jetzt einfach drauf hinarbeiten und gucken was draus wird. Ich glaube schon, dass ich ab September noch sechs Wochen brauche.“



Marcel Münzel, 27 Jahre alt, ASC 09 Dortmund: „Im Spiel ging es mit dem ganzen Adrenalin, aber beim Training war es schon sehr schmerzhaft.“

Was eine Schambeinentzündung für Fußballer bedeutet

© Nils Foltynowicz

„Leider wurde bei mir zuerst eine Schambeinentzündung festgestellt, jetzt war ich aber noch bei einem anderen Arzt, der eine Instabilität des Leistenbandes festgestellt hat.

Der Arzt hatte mir gesagt, dass es schwierig ist, zu fühlen und zu erkennen, um was es sich genau handelt, deshalb will ich dem ersten Arzt auch keinen Vorwurf machen. Durch die erste Diagnose habe ich mehrere Wochen verschwendet und hätte womöglich auch schon früher wieder auf dem Platz stehen können.

Die Schmerzen fingen bei mir schon in der Rückrunde nach den ersten drei, vier Spielen an, ich habe es aber durchgezogen, weil es um so viel ging für uns. Die Wechselbewegungen, Schrittwechsel und das Ausholen waren schon sehr stark eingeschränkt. Der Schmerz ist dauerhaft und tut weh, aber für die 90 Minuten ging es dann immer. Umso länger ich damit gespielt habe, desto schlimmer wurde es dann aber auf dem Platz.

Im Spiel ging es mit dem ganzen Adrenalin, aber beim Training war es schon sehr schmerzhaft. Am Ende setzt man sich unter Druck und will weiter spielen. Ich bin durch die neue Diagnose recht optimistisch. Es ist aber schon etwas anderes, wenn man nicht dabei ist.

Ich versuche dem Team von außen zu helfen. In den Spielen gegen Erndtebrück oder Haltern wäre ich schon gern dabei gewesen, da tut das Sportlerherz schon weh. Vielleicht kriege ich kommende Woche die Freigabe für das Lauftraining, aber da werde ich mich nicht verrückt machen. Ein konkretes Ziel will ich mir nicht setzen – es wäre schön, wenn ich gegen Holzwickede im Oktober wieder im Kader bin.“

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