Wenn die Saison nicht wie geplant startet, tragen die Fußballer eine Mitschuld

rnKlare Kante

Die Corona-Infektionen häufen sich in Deutschland. Da bleibt der Amateur-Fußball nicht verschont. Aber was machen die Fußballer für den Schutz? Zu wenig, wie der Autor Thomas Schulzke findet.

Dortmund

, 20.08.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Generationen Y (1980 – 1999) und Z (2000 – 2020) mussten hart mit den Einschränkungen der Corona-Pandemie kämpfen. Ihnen wurde von heute auf morgen das Freizeitverhalten komplett aus den Händen gerissen. Während sich Familien mit Kleinkindern zusammen beschäftigten und auch mal in den Wald zum Geocaching gingen, waren die Generationen Y und Z abgeschnitten vom normalen Leben vor der Pandemie.

Keine großen Treffen mehr mit mehreren Freunden, keine Partys, keine Diskotheken, keine Frauen und Männer, die sie kennenlernen konnten. Und auch ihr Hobby Sport in den Vereinen fiel weg. Doch die Lockerungen brachten diesen Generationen nach und nach wieder etwas Normalität ins Leben zurück. Vielleicht etwas zu viel.

Es ist teilweise erschreckend, was alles auf Instagram oder bei Facebook zu sehen ist. Partys in Wäldern, Partys auf Sportplätzen und Privatpartys in nicht erlaubten Gruppengrößen. Das Verhalten spiegelt sich auch an den Wochenenden auf den Sportplätzen wieder. Es gibt klare Regeln – und viel zu wenige Leute halten sich daran.

Es soll hier kein Verein oder keine Einzelperson an den Pranger gestellt werden. Den Klubs, Zuschauern und Fußballern aus Dortmund darf aber ruhig einmal ein Spiegel vorgehalten werden, was seit der Erlaubnis von Testspielen so alles auf den Plätzen passiert.

Mehr als 300 Zuschauer

Da finden Spiele statt, bei denen deutlich mehr als die vorgegebenen 300 Besucher auf die Anlage strömen. Häufig wird unter den Zuschauern oder den Auswechselspielern der Abstand von 1,5 Metern gar nicht erst versucht, einzuhalten. Masken sieht man viel zu selten und Spieler trinken aus derselben Flasche. Auch gab es schon Fälle, da lag am Eingangsbereich erst gar keine Rückverfolgungsliste aus.

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Der neueste Höhepunkt ist das Handeln eines Trainers einer Jugendmannschaft, der die Rückverfolgungsliste nicht komplett ausfüllen wollte, weil er Angst hatte, dass jemand die Telefonnummer oder die Adresse seines besten Spielers von der Liste abschreiben könnte, um diesen dann abzuwerben. Das lässt mich sprachlos zurück.

Da stellt sich die Frage, ob alle realisieren, dass wir uns immer noch in einer Pandemie befinden und die Infektionszahlen gerade steigen. Fußballer sollten es eigentlich als Privileg ansehen, wieder unter diesen Bedingungen spielen zu dürfen, anstatt die vorgegebenen Regeln zu ignorieren. Alle zusammen sollten daran arbeiten, dass der Fußball seinen Anteil daran hat, dass die Infektionszahlen sich nicht weiter erhöhen.

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Deshalb sollten die Generationen Y und Z, die den Großteil der Fußballer ausmachen, viel verantwortungsvoller mit der Situation umgehen. Denn sie wissen ja, wie es ist, wenn sie vom normalen Leben abgeschnitten werden. Sie haben es ja im März, April und Mai hautnah miterlebt.

Haben sie alles dafür getan?

Aber auch die älteren Generationen sollten als Vorbilder dienen. Alle zusammen. Aktuell sind es nicht alle Vereine, Fußballer und Zuschauer, die vorweg gehen. Und kommt der Tag, an dem die Zahlen so hoch sind, dass der Sport wieder eingestellt wird, dann müssen sich die Fußballer fragen, ob so sie alles dafür getan haben, dies zu verhindern.

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