150.000 Euro weniger für den Kreis - der Kassierer bleibt entspannt

Fußball

Corona trifft den Sport auch finanziell. Dem Fußballkreis Recklinghausen etwa gehen geschätzt rund 150.000 Euro durch die Lappen. Kein Grund zur Sorge, sagt Kassierer Klaus Roschkowski.

Recklinghausen

, 07.05.2021, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Keine Schiri-Soll, keine Ordnungsgelder: Der Fußballkreis Recklinghausen ist derzeit fast ohne Einnahmen.

Keine Schiri-Soll, keine Ordnungsgelder: Der Fußballkreis Recklinghausen ist derzeit fast ohne Einnahmen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Am Ende jeder Woche fährt Klaus Roschkowski seinen Computer hoch und startet das Rechnungsprogramm des Fußballkreises. Was er da im Moment zu sehen bekommt, weiß er schon vorher: Nichts. Oder fast nichts. „Ich gucke kurz auf den leeren Bildschirm und logge mich wieder aus.“ Seit 20 Jahren führt der Recklinghäuser die Kasse des Fußballkreises 27. So wenig zu tun wie gerade hatte er dabei noch nie.

„Die paar Mark waren Schmerzensgeld“

Als der 65-Jährige 2001 für den verstorbenen Otto Bultmann übernahm, war das noch ein zeitintensiver Job. Viele Vorgänge wurden auf Papier abgewickelt. „Da haben meine Frau Petra und ich stundenlang Rechnungen getippt. Die paar Mark Aufwandsentschädigung, die es dafür gab, waren echtes Schmerzensgeld.“

Dazu kam: Als Elektrosteiger auf General Blumenthal hatte sich der Recklinghäuser nie mit Buchhaltung beschäftigt. „Ich habe mir das über die Jahre selbst beigebracht.“ Inzwischen haben Computerprogramme den Geschäftsbetrieb automatisiert. „Heute investiere ich nur einen Bruchteil der Zeit“, sagt er. „Dass ich gerade die ruhigste Phase meiner Amtszeit erlebe, liegt aber an Corona.“

Hat derzeit nicht viel zu tun: Klaus Roschkowski, Kassierer des Fußballkreises Recklinghausen, an seinem Arbeitsplatz.

Hat derzeit nicht viel zu tun: Klaus Roschkowski, Kassierer des Fußballkreises Recklinghausen, an seinem Arbeitsplatz. © Privat

Der lange Lockdown für den Amateurfußball, er schlägt sich inzwischen auch in der Kasse des Fußballkreises Recklinghausen nieder. Auf den letzten Euro lässt sich das zwar nicht berechnen. Eine sechsstellige Summe an Einnahmen dürfte das Virus den Fußballkreis Recklinghausen aber gekostet haben.

Der preschte in Westfalen schon im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 vor und verzichtete darauf, das berüchtigte Schiedsrichter-Soll einzukassieren, die Strafgebühren für die Klubs, die nicht genügend Unparteiische stellen. Zusammen mit Einnahmen aus Werbepauschalen und Spielbetrieb sind das bislang rund 75.000 Euro.

Ordnungsgelder fließen nicht mehr

Dazu kommen die Ordnungsgelder, die auflaufen, wenn der Spielbetrieb brummt, und die nun fehlen: Geldstrafen bei Sperren oder für rüpelnde Fans, falsch ausgefüllte Spielberichte, eine Ecke ohne Fähnchen, eine nicht genehmigte Nummer auf dem Trikot... Hunderte Posten sind das normalerweise - in jeder Woche. Alles in allem sind das in mehr als einem Jahr Corona noch einmal 75.000 Euro, die der Kreis nicht eingenommen hat. „Die Schätzung dürfte hinkommen“, sagt Klaus Roschkowski.

Seinen „Chef“, den Kreisvorsitzenden Hans-Otto Matthey, freut‘s, dass dieses Geld in der Coronakrise bei den Vereinen verblieben ist: „Da gehört es doch auch hin.“ Je weniger der Fußballkreis einnehme, desto besser stünden die Klubs finanziell da.

Fußballkreis steht finanziell auf soliden Beinen

Kopfschmerzen bereitet die Entwicklung auch dem Kassenwart nicht. Der Fußballkreis hat in der Vergangenheit stets solide gewirtschaftet, sagt Roschkowski: „Wir stehen gut da. Außerdem haben wir zurzeit ja auch kaum Ausgaben.“ Die Miete für die Geschäftsstelle im Recklinghäuser Norden, ein paar Versicherungen, ein paar Abrechnungen über Fahrtkosten - das ist es schon.

Nur: So verabschieden möchte sich Klaus Roschkowski nicht in den „Ruhestand“. Die Spielzeit 2021/22, sie wird für ihn die letzte. Wie Hans-Otto Matthey, der ihn vor 20 Jahren überredet hat, das Amt zu übernehmen, stellt sich der Recklinghäuser beim Kreistag 2022 nicht mehr zur Wahl. „Das Impfen geht voran. Ich hoffe, dass wir das Virus im Sommer halbwegs im Griff haben und die Saison wie geplant starten kann.“ Und es auch für den Kreiskassierer wieder etwas zu tun gibt.

Nachfolger gesucht

In seinem letzten Jahr im Amt würde Klaus Roschkowski gern eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger einarbeiten. Nur: Die oder den gibt es bisher nicht. „Der Arbeitsaufwand ist inzwischen überschaubar. Wer schon mal eine Excel-Tabelle bearbeitet hat, bekommt das hin“, sagt Roschkowski. Interessierte können sich gern an ihn wenden. Die Kontaktdaten finden sich auf der Homepage des Fußballkreises: www.flvw-recklinghausen.de
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt