Der kleine Kanonensammler

Das Sportporträt

Julian Mailahn ist 10 Jahre alt. Der junge Lippramsdorfer besucht seit diesem Sommer die Alexander-Lebenstein-Realschule und liebt Fußball. Ein ganz normaler Junge also. Aber ganz offenbar ein besonders talentierter.

LIPPRAMSDORF

von Von Horst Lehr

, 28.09.2016, 17:48 Uhr / Lesedauer: 3 min
Vater Frank Mailahn ist stolz auf seinen Filius, der schon viermal hintereinander bester Torschütze seines Teams war.

Vater Frank Mailahn ist stolz auf seinen Filius, der schon viermal hintereinander bester Torschütze seines Teams war.

Schon als kleiner Junge hat Julian im Garten am liebsten mit seinem Vater Fußball gespielt, mit den Wäschestangen als Tor. Vater Frank wollte diese Veranlagung fördern und meldete ihn beim SV Lippramsdorf an. Für den kleinen Julian genau die richtige Entscheidung: „Endlich durfte ich richtig Fußball spielen“, sagt er und erinnert sich noch genau an seinen ersten Einsatz in der Mannschaft der Minikicker: „Wir haben gewonnen, aber ich habe noch kein Tor erzielt.“ Das hat er dann aber im zweiten Spiel schnell nachgeholt.

Danach lief es im Training und bei den Spielen immer besser und schon zum Ende der Saison 2012/2013 bekam Julian seine erste Torjägerkanone für 69 erzielte Treffer. Das motivierte ihn zusätzlich und er hat diese Trophäe von da an in jeder Spielzeit gewonnen. In der Saison 2015/2016 als E-Jugend Spieler mit sagenhaften 113 Toren. Lachend sagt er: „Am Anfang habe ich die meisten Tore von außen erzielt, mittlerweile aber direkt im gegnerischen Torraum“.

Neue Tricks im Test

„Nach einem Übersteiger schiebe ich den Ball mit dem Außenrist am Gegner vorbei und dann knallt‘s“, beschreibt Mailahn junior einen seiner Lieblingstricks. Solche Dinge eignet sich der fanatische Fußballer immer selbst an. Er schaut im Fernsehen den Großen zu, und wenn er etwas sieht, was ihm gefällt, übt er solange, bis er es kann. Dann zeigt er es im Mannschaftstraining, und wenn alle nicken, nimmt er das Gelernte wie selbstverständlich in sein spielerisches Repertoire auf.

Manchmal kommen bei solchen Vorführungen Mitspieler und Trainer aus dem Staunen nicht mehr heraus. Julian entwickelt dabei einen ganz besonderen Ehrgeiz und übt einfach solange weiter bis es klappt. Vater Frank, der von Beginn an auch sein Trainer war, bezeichnet dies als „intrinsische Motivation“, denn Julian will einfach aus sich selbst heraus immer weiter Neues zum Thema Fußball lernen. Egal ob auf dem Platz, aus Büchern oder beim Anschauen von Spielen auf DVD.

Echter Teamplayer

Dabei ist der Junge ein fairer und bescheidener Teamplayer der immer auch das Abspiel sucht. Er will nur mit und gegen jeden spielen. In den Pausen auf dem Schulhof, im elterlichen Wohnzimmer zu Hause und selbst auf einer Urlaubsreise auf dem Kreuzfahrtschiff spielte er auf dem Sonnendeck mit Liegestühlen als improvisierten Toren. Diese Charaktereigenschaften des jungen Fußballers kommen gut an und in der Mannschaft mögen den Toptorjäger alle. So wurde er im vergangenen Jahr einstimmig zum Mannschaftskapitän gewählt .

Im letzten Spiel der Mannschaft gegen Viktoria Heiden konnten die Zuschauer einmal mehr Julians Qualitäten verfolgen. Lippramsdorf lag zu Beginn zurück, gewann aber am Ende 9:2 − dank sieben Toren seines Kapitäns. Ein kurioses Spiel, denn eigentlich sei Heiden als Team besser gewesen, sagt Vater Frank, aber: „Unser Torwart hat gut gehalten und Julian war einfach nicht zu stoppen.“

Trainingscamp des BVB

In diesem Sommer meldete sein Vater Julian zu einem Fußballcamp von Borussia Dortmund an. Auf dem Traditionsplatz des VfB Hüls waren natürlich auch Trainer aus dem BVB-Leistungszentrum dabei, um die Jungs zu beobachten und Ratschläge zu geben. Nach fünf Tagen sagte einer dieser Trainer zu Frank Mailahn: „Dein Junge ist echt gut.“ Der Vater freute sich, war dann aber total überrascht, als er etwa 14 Tage später einen Anruf aus Dortmund erhielt. Julian war unter 96 Kindern einer der wenigen, der gleich bei mehreren Trainern auf dem „Zettel“ gelandet war, und der BVB lud ihn zur Teilnahme am Aufbaukurs für fortgeschrittene Spieler ein.

Förder-Pyramide

Dieser Kurs ist die dritte Stufe der insgesamt siebenstufigen BVB-Jugendförder-Pyramide. Darin sammelt der Verein junge Spieler, die bereits gute technische Grundkenntnisse haben, um sie weiter zu fördern. Der Kurs dauert ein Jahr und startet ab Oktober mit einer Trainingseinheit pro Woche. Damit kommen die Nachwuchskicker in eine optimale ganzjährige Förderung.

„Ich bin schon ein wenig stolz auf Julian, vor allem, weil das mit dem BVB doch überraschend kam“, sagt Frank Mailahn und für Julian kann es gar nicht früh genug mit dem Training in Dortmund losgehen: „Ich will alles tun, um die fünfte Torjägerkanone zu bekommen.“

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