Späteinsteigerin Lena Abendroth (17) hat es in die Jugendbundesliga geschafft

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Erst mit elf Jahren begann die Halternerin Lena Abendroth mit dem Segeln. Nur wenige Jahre später startete sie nun in der Jugendbundesliga und erlebte direkt einen spannenden Wettkampf.

Haltern

, 25.08.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Für die 17-jährige Halterner Nachwuchsseglerin Lena Abendroth vom SC Prinzensteg ging vor Kurzem mit ihrem ersten Start bei der Deutschen Jugendbundesliga der Segler ein sportlicher Traum in Erfüllung. Für den Yachtclub Möhnesee segelte sie als Steuerfrau erstmalig eine „J 70“ unter Wettbewerbsbedingungen. „Das war das Coolste, was ich bisher im Segelsport erlebt habe“, sagt sie.

Begonnen hatte dieser Traum erst 2013, als Abendroth mit elf Jahren als „Spätzünderin“ zu segeln begann. Bis dahin immer nur auf dem Boot des Vaters mit unterwegs, erinnert, sie sich heute noch gut an ihre erste Fahrt alleine im „Opti“ und gesteht lächelnd: „Dabei wurde es sogar innen im Boot richtig nass.“

Hohe Wellen und rauer Wind beim Start in Travemünde

2014 bekam sie ihr erstes eigenes Boot, das sie mit ihrem Ersparten zum Teil selbst finanzierte. Bei der ersten Regatta hatte sie zunächst Sorge wegen des vielen Windes, kam aber später begeistert in den Hafen zurück. „Mein Opti ist über den See geflogen“, sagte sie danach. 2015 stieg Abendroth mit einem Bootswechsel in die nächsthöhere Klasse der „Open Bic“ auf und erkämpfte sich damit dort ihren ersten Stadtmeistertitel. 2017 wechselte sie mit dem Umstieg auf eine „Laser“ erneut die Bootsklasse und begann mit dieser olympischen Segeljolle beim „SC Hansa Münster“ das Vorbereitungstraining für die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft mit ihrer Trainerin Lena Thöne.

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2018 war es dann soweit. Die Halternerin meldete sich für die IDJM (DM), die im Rahmen der „Travemünder Woche“ auf der Ostsee ausgefahren wurde. Sie erlebte dabei raue Bedingungen mit vom starken Wind aufgepeitschten, hohen Wellen. „So etwas hatte ich vorher noch nie erlebt. Im Wellental konnte ich nur noch die Spitzen der anderen Boote erkennen“, erzählt sie. In der Addition aller Wettfahrten landete die junge Seglerin auf Platz 56 des insgesamt 93 Teilnehmer umfassenden Starterfelds. „Zusammen mit der Münsteraner Trainingsgruppe war das ein schönes Erlebnis“, sagt sie.

Im vergangenen Jahr stellten sich mit Regattasiegen am Biggesee und in Duisburg weitere Erfolge ein und die „NRW-Landesjüngsten-Meisterschaft“ auf der Bevertalsperre beendete Abendroth auf einem starken dritten Platz. Doch der große Plan war die erneute Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft in Travemünde. Da wollte sie unbedingt in die erste, bessere Hälfte des Feldes und damit in die „Goldfleet“ kommen. Allerdings war sie sich ihres größten Mankos, der fehlenden seglerischen Hochseeerfahrung, bewusst.

„Alle, die auf dem Meer trainieren können, sind da klar im Vorteil“, erklärt sie. Dabei geht es im Wesentlichen um die richtige Segeltechnik beim Befahren der hohen Wellen und deren Strömungen. Trotz intensivem Training war sie am Ende mit Platz 61 von 100 Teilnehmern nicht zufrieden. „Ich habe mich zu sehr vom Handeln der anderen Segler beeinflussen lassen.“ Allerdings hatte ihr ihre Trainerin zwischen den Wettfahrten Mut gemacht und so konnte sich Abendroth doch noch einen Gruppensieg erkämpfen.

Verpatzter Start auf dem Berliner Wannsee

In diesem Jahr wollte sie schon ab dem Frühjahr das Erlernte positiv umsetzen, wurde aber durch die Beschränkungen der Corona-Pandemie komplett ausgebremst. Aus der Not eine Tugend machend nutzte sie die Vormittage zum alleinigen Training auf dem Halterner Stausee und widmete sich am Nachmittag dem „Homeschooling“. Bereits im März musste sie ein geplantes Trainingslager auf Mallorca nach zwei Tagen aufgrund der Corona-Pandemie abbrechen.

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„Wo kann man jetzt denn überhaupt noch segeln?“, dachte sie sich dann nach ihrer Rückkehr. Über den „Westfälischen Yachtclub Delecke“ fand Abendroth dann eine Trainingsmöglichkeit beim „Yachtclub Möhnesee“. Dort konnte sie mit einem speziellen Regattaboot, einer „J 70“, segeln. Dabei wurde sie von einem befreundeten Segler auf die Bundesligateilnahme angesprochen, und sagte spontan zu. In mehrstündigen Trainingseinheiten als Steuerfrau gewöhnte sie sich schnell an die Eigenheiten des für sie neuen Bootes.

Der Berliner Wannsee war in diesem Jahr Veranstaltungsort für den ersten von insgesamt zwei Wettbewerben in der deutschen Segel-Jugendbundesliga. In dieser höchsten deutschen Segelklasse für 16- bis 21-jährige Nachwuchssegler wurden die 24 teilnehmenden Crews in drei Gruppen zu je 8 Booten eingeteilt, wobei die Teilnehmer aus Gründen der Chancengleichheit bei jedem Start die vom Veranstalter gestellten Regattaboote untereinander wechseln mussten.

Auf dem Berliner Wannsee ging Lena Abendroth mit ihrem Team beim ersten Wettkampf der Jugendbundesliga an den Start.

Auf dem Berliner Wannsee ging Lena Abendroth mit ihrem Team beim ersten Wettkampf der Jugendbundesliga an den Start. © Privat

Wegen Windmangels konnten nur am zweiten Tag sechs Durchgänge von durchschnittlich 20 Minuten ausgefahren werden. Total aufgeregt verpatzte Abendroth mit ihrem Team bei der ersten Wettfahrt den Start komplett und erreichte erst als letztes Boot der Gruppe das Ziel. Beim zweiten Start war man mit Platz 6 schon besser unterwegs, konnte sich in den folgenden Starts noch verbessern, erlitt aber auch weitere Rückschläge. Obwohl nur vom letzten Platz gestartet, erlebte das Team beim fünften Start den seglerischen Höhepunkt des Events.

Lena Abendroth: „Das ist ein Traum“

Als beim Start alle Boote auf der gleichen Seite raus fuhren, zeigte Abendroths Team neben Mut auch seglerische Weitsicht und entschied sich für die entgegengesetzte Seite, wo sich ein plötzlicher Winddreher noch positiv bemerkbar machte. Das Boot nahm dann richtig Fahrt auf und machte gleich vier Plätze gut. Doch an der Luvtonne wendete sich das Blatt und im Vorwind gingen gleich wieder zwei Plätze verloren.

So jagte die Crew erneut dem Feld hinterher bis zu den letzten 100 Metern des Zieleinlaufs. Da erspürte Lena Abendroth möglichen, zusätzlichen Wind und entschied spontan, „den nehmen wir mit“. Mit einer geschickten Halse steuerte sie das Boot mit dem Heck durch den Wind und spürte die gewonnene Segelkraft. Am Ende zahlte sich dieses mutige Manöver aus, denn auf den allerletzten Metern konnten so die verloren geglaubten zwei Plätze wieder eingefahren werden.

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Beim Überfahren der Ziellinie klatschten sich alle freudestrahlend ab. Da war es auch egal, dass es bei der ersten Teilnahme nur für den 21. Platz gereicht hatte. „Diese letzten 30 Meter waren das Schönste, was wir alle auf dem Boot erlebt haben“, sagt die 17-jährige Halternerin.

Jetzt fiebert sie der zweiten und wegen Corona auch letzten Entscheidung in Hamburg vom 25. bis 27. September entgegen. Bis dahin wird sie mit ihrem Team noch weitere Trainingsfahrten absolvieren. „Vor zwei Jahren wäre so eine Teilnahme noch unvorstellbar gewesen. Jetzt bin ich dabei. Das ist ein Traum“, sagt sie.

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