Die Wahl, Corona und der Trainer-Job: Große-Puppendahl über sein Leben in den USA

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Lukas Große-Puppendahl hat erneut den Schritt in die USA gewagt - als Student und Co-Trainer. Im Vergleich zu Deutschland gibt es viele Unterschiede. Der Umgang mit Corona ist nur einer davon.

Haltern

, 14.11.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Lukas Große-Puppendahl (28) hat es noch einmal getan: Er ist erneut in die USA gezogen, wieder nach Tennessee. Dort studiert er und arbeitet als Co-Trainer der Fußballmannschaft der Carson-Newman University.

Nachdem es im ersten Teil vor allem darum ging, wie Große-Puppendahl noch mal in Nordamerika landete und was sein letzter Job damit zu tun hatte, geht es nun um den US-amerikanischen Umgang mit der Corona-Pandemie, die Präsidentschaftswahl und seinen Alltag als Co-Trainer und Student.

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Das allgemeine Niveau der NCAA Division II, der Liga, in der die Carson-Newman University spielt, sei in etwa vergleichbar mit der Westfalenliga in Deutschland, zumindest was die ersten 15 oder 16 Spieler der Teams angehe, erzählt der 28-Jährige. Die Spielweise unterscheide sich aber sehr stark.

Um 9 Uhr geht die Arbeit als Co-Trainer los

„Alles ist sehr direkt und sehr physisch“, erklärt der Halterner. Das Umschaltspiel sei ein besonders wichtiger Faktor im Spiel der meisten Teams. „Durch die Regeln hier wird das Tempo durchgehend hochgehalten“, sagt er. Die Trainer könnten fast ununterbrochen wechseln.

„Es gibt hier kaum eine Mannschaft, die den Gegner mal kommen lässt“, so der Co-Trainer. Die meisten Teams würden einfach 90 Minuten lang ins Pressing gehen. „Wenn die drei oder vier Spieler vorne platt sind, bringen sie einfach neue“, sagt er.

Seine Arbeit als Co-Trainer bezeichnet Große-Puppendahl als „ganz normalen Job“, der meist gegen 9 Uhr morgens im Büro beginnt. Dann gehe es erst mal viel um die Nachbereitung der letzten Trainingseinheit. Täglich wird trainiert, in der restlichen Zeit investieren die Trainer ihre Zeit vor allem in Videoanalysen und die Auswertung von GPS-Daten, die im Training gesammelt werden.

Um 11 Uhr gebe es meistens ein Treffen mit dem Cheftrainer, wo verschiedene Dinge noch mal besprochen und diskutiert werden. Danach beginnt die Vorbereitung der nächsten Trainingseinheit, die immer zwischen 90 und 120 Minuten geht.

Lukas Große-Puppendahls Studium wurde auf zwei Jahre ausgedehnt

„Gegen 17 Uhr sind wir dann fertig“, erzählt der Halterner, für den der Tag dann aber noch längst nicht vorbei ist. Denn danach steht für ihn noch „ein bisschen Uni“ an, wie er sagt.

Damit der Aufwand mit dem Trainerjob und dem zeitgleichen Masterstudium nicht zu groß wird, wurde sein Stundenplan extra ein wenig entzerrt und auf zwei Jahre ausgedehnt. „Man könnte das Studium auch in einem oder eineinhalb Jahren durchziehen“, sagt er. So wie es nun geregelt ist, habe er aber ein bisschen mehr Spielraum.

Erst ging Lukas Große-Puppendahl als Bachelor-Student und Fußballspieler in die USA, jetzt ist er als Master-Student und Co-Trainer zurückgekehrt.

Erst ging Lukas Große-Puppendahl als Bachelor-Student und Fußballspieler in die USA, jetzt ist er als Master-Student und Co-Trainer zurückgekehrt. © Privat

Viel in der Universität selbst muss er dabei jedoch nicht sein. Nur montags hat Lukas Große-Puppendahl eine vierstündige Präsenzveranstaltung, der Rest findet online statt. Das hat für ihn den Vorteil, dass er nicht erst spät abends nach Hause kommt, sondern direkt vom Training nach Knoxville fahren kann und sich erst dann um sein Studium kümmern muss.

Ende November geht es für einige Wochen zurück nach Haltern

Nach Thanksgiving (26. November) wird er erst mal eine Woche frei haben. Danach folgen zwei Wochen, in denen alle Kurse nur online stattfinden - auch die, die sonst Präsenzveranstaltungen sind. Für Lukas Große-Puppandahl bedeutet das, dass er einen Heimatbesuch machen kann.

Ende November wird er zurück nach Deutschland kommen, der Trainingsbetrieb ruht dann ohnehin bis Anfang Januar und sein Studium kann er von zuhause aus fortsetzen.

Vor allem auf das Wiedersehen mit seinen Freunden und seiner Familie freut sich der Halterner. Doch neben den offensichtlichen Dingen vermisst er auch noch etwas anderes, seit er in den USA lebt: die Restaurants. „Wenn man hier mal Essen geht, sind es meist irgendwelche Ketten“, sagt er.

Kleine, familiengeführte Restaurants wie in Deutschland gebe es bei ihm nicht so oft. Besuche in solchen Lokalen „kann ich dann hoffentlich im Dezember nachholen“, so Große-Puppendahl. Ob er dann wirklich essen gehen kann, ist noch ungewiss. Erst mal geht der Lockdown nur bis Ende November.

„Was die Vorgaben angeht, ist es deutlich lockerer als in Deutschland“

In den USA ist das derzeit noch etwas anders. Generell würden sich dort die meisten an die Corona-Regeln halten, sagt der 28-Jährige. Innerhalb geschlossener Räume gebe es auch dort eine Maskenpflicht.

„Was die Vorgaben angeht, ist es aber deutlich lockerer als in Deutschland“, sagt er auch. Alle Geschäfte und Lokale seien offen - „dementsprechend durchgehend hoch sind auch die Zahlen (der Infektionen, Anm. d. Red.)“.

Auch auf dem Sportplatz tragen Lukas Große-Puppendahl (2.vl.) und seine Kollegen oft eine Maske.

Eine Maskenpflicht herrscht auch in den USA in geschlossenen Räumen. Doch auch auf dem Sportplatz tragen Lukas Große-Puppendahl (2.vl.) und seine Kollegen oft eine Maske. © Privat

Ab 23 Uhr gibt es eine Ausgangssperre, „da ist hier dann alles dicht“. Die meisten Menschen würden mit der Situation gut klar kommen. Bei ihm und seinen Teamkollegen werde zudem immer morgens die Temperatur gemessen. Dass das jedoch kein Allheilmittel ist, musste die Mannschaft bereits feststellen. Im Team gab es schon mehrere Corona-Fälle.

Schon den Wahlkampf vor vier Jahren erlebte Große-Puppendahl mit

Etwa zehn Spieler und zwei Personen aus dem Trainerstab seien gleichzeitig infiziert gewesen. Am Ende kamen alle glimpflich davon, „aber wir wurden zwei Wochen zurückgeworfen.“

Über die allgemeine Situation und die Akzeptanz der Corona-Regeln in der Bevölkerung sagt er: „Es ist nicht so extrem wie es teilweise in Deutschland dargestellt wird.“

Ähnlich sei es auch mit der Wahl des Präsidenten gewesen. „Das ist ganz witzig: Ich habe schon den letzten Wahlkampf miterlebt, kurz bevor ich nach Hause bin“, sagt Lukas Große-Puppendahl.

Damals hatte er auch mit der Halterner Zeitung gesprochen. „Ich habe das Gefühl, es könnte einen zweiten Brexit geben: Vorher rechnet keiner mit einem Sieg für Trump, und dann kommt’s doch ganz anders“, hatte er 2016 gesagt. Er sollte Recht behalten.

„Was das Bier angeht, bin ich ganz glücklich“

Im Vergleich zum vergangenen Wahlkampf sei es diesmal deutlich ruhiger gewesen, erzählt er. „Erst in den letzten ein, zwei Wochen hatte es enorm zugenommen.“

Ein Klischee trifft aber auch auf diese US-Wahl zu: „Es ist schon so, dass in jedem Vorgarten ein Schild steht oder eine Fahne hängt.“ Auch viele Trucks mit Trump-Aufklebern oder Trump-Fahnen gebe es.

Ein Klischee, was wahrscheinlich ebenfalls auf die USA zutrifft, ist das im Vergleich zu Deutschland schlechtere Bier. „Da habe ich aber Glück“, sagt Große-Puppendahl.

In Knoxville gebe es viele kleine Brauereien, darunter auch die deutsche „Schulz Bräu Brewing Company“. Das von diesem Unternehmen hergestellte Bier „schmeckt tatsächlich auch wie deutsches Bier“, erzählt er. „Was das Bier angeht, bin ich ganz glücklich.“ Auch sonst scheint es ihm bislang gut dort zu gefallen - rund 7.000 Kilometer entfernt von der Heimat.

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