Eine Halterner Springreiterin und ihre Liebeserklärung an „Athos“

rnWas macht eigentlich...?

Silke Vißmann liebt den Reitsport. Als Springreiterin durfte sie mit ihrem „Athos“ schon so manche Erfolge feiern. Sieben Jahre lebte sie in Florenz. Jetzt studiert sie Medizin in Münster.

Haltern

, 22.01.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

In unserer Reihe „Was macht eigentlich...?“ blicken wir mit Menschen - die in der Vergangenheit aufgrund ihrer sportlichen Leistung in Haltern, und zum Teil auch über die Grenzen hinaus, auf sich aufmerksam gemacht haben - auf ihre Karriere. Wie geht es ihnen? Was machen sie heute? Und welchen Stellenwert hat der Sport noch für sie? Diesen und anderen Fragen gehen wir auf den Grund. Heute: Was macht eigentlich Reiterin Silke Vißmann?

„Ich wollte immer schon einfach nur reiten“, sagt Silke Vißmann aus Haltern. Die 40-Jährige kann auf eine lange und erfolgreiche Karriere als Reiterin zurückblicken.

In der Lüneburger Heide

Begonnen hat für Sie alles im Alter von drei Jahren beim Urlaub auf einem Ponyhof in der Lüneburger Heide. Mit sechs Jahren nahm sie dann in Recklinghausen den ersten Reitunterricht, drei Jahre später führte sie der Weg zum Halterner Görtzhof. Zu dieser Zeit bekam Sie mit „Natja“ auch Ihr erstes eigenes Pony. „Das war auch noch ganz jung, wir waren beide Anfänger.“

Zuerst übten sich beide noch in der Dressur, doch schon bald war das Springen wichtiger. Allerdings sprang das Pony einfach nicht so gerne. So sei sie immer schon froh gewesen, wenn sie mit zwei Stehern und drei Fehlern ins Ziel kam, so die Reiterin. „Dann war ich das glücklichste Kind der Welt“, erzählt sie und lacht.

Rund vier Jahre sei sie mit „Natja“ unterwegs gewesen. Durch einen eher glücklichen Zufall kam sie dann bei einem Turnier ins Gespräch mit einem Einsteller. Der sagte: „Ich hätte ein schönes Pferd für dich“. Das war „Top Pepino“ und mit ihm begann für Silke Vißmann, damals im Reitverein Seppenrade, die Zeit mit vielen Turnierteilnahmen.

Sieben Jahre lang in Florenz

Nach dem Abitur begann die Halternerin ein Marketingstudium in Italien und lebte sieben Jahre lang in Florenz. Dort zuerst noch ohne Pferd, lernte sie zum Ende ihres Studiums einen Pferdebesitzer kennen, um dessen Pferde Sie sich kümmerte. Zum Dank schenkte der Ihr das Fohlen „Shadow“ , das Sie später auch mit nach Hause nahm.

Wieder zu Hause war sie schließlich 2007 auf der Suche nach einem neuen Pferd und kam über einen Ihr bekannten Reitlehrer zu dem westfälischen Wallach „Athos 202“. Sie erinnert sich noch genau an den ersten Kontakt in der Reithalle. Obwohl das Pferd in der Halle nur gebockt und getobt habe, stand für sie fest: „Den will ich unbedingt haben.“

Die anschließenden ersten Springprüfungen für Jungpferde liefen gut. Nach einiger Zeit kam sie in Kontakt mit Christian Hess, der als Bereiter auf dem Hof des bekannten deutschen Reiters und Cheftrainers der deutschen Springreiter Otto Becker in Sendenhorst arbeitete. Allerdings kam es dort auch zu einem Missgeschick. Vor den Augen von Otto Becker sei sie zum ersten und einzigen Mal vom Pferd gefallen, erinnert sie sich. „Mir war das total peinlich.“ Trotzdem fuhr sie dann regelmäßig zum Training zu dem Hof.

Ihr habe besonders die Art der Ausbildung von Hess gefallen. Vißmann: „Ich habe bei ihm sehr viel gelernt. Er hat mit mir genau die Fehler analysiert und mir erklärt, wie man es besser macht.“ Ab da war Silke Vißmann praktisch jedes Wochenende auf Turnieren und startete auch schon in M und M* Prüfungen.

Tränen der Freude

Ihr großes Ziel war damals die Teilnahme an einem S-Springen. Diesen Traum realisierte sie 2015 mit dem Start bei einem Zwei-Phasen-Springen in Isterburg. In einem Feld von über 100 Startern ritt Sie selbst als eine der letzten in den Parcours und wurde am Ende, trotz eines Fehlers, sogar noch platziert. „Als uns die grüne Schleife angeheftet wurde hatte ich Tränen der Freude in den Augen.“

Mit einem Schmunzeln erzählt Silke Vißmann von einem Start in Dorsten, als es bei neun Sprüngen acht Fehler hagelte. „Ich habe nur noch Dong, Dong, Dong gehört. Das war einer der ganz wenigen Tage, wo Athos und ich uns einfach nicht einig waren.“

Eines Ihrer persönlichen Highlights war ein Turnier in Datteln 2014. Dort sagte der Richter bei der Platzierung: „Da kommt die Frau mit den kurzen Wegen“. Die Halternerin hatte bei drei Starts drei Siege eingeritten. „Das war einfach ein tolles Gefühl.“

Idol ist ein britischer Springreiter

Ihr persönliches Idol sei der britische Springreiter John Withaker, der aufgrund der Vielzahl seiner Erfolge über Jahrzehnte hinweg teilweise als lebende Legende bezeichnet wurde. Seine offizielle Verabschiedung in der Westfalenhalle Dortmund hat Silke Vißmann live miterlebt.

Privat hat die 40-Jährige 2017 mit dem Beginn des Medizinstudiums in Münster auch eine neue berufliche Herausforderung angenommen. Aktuell kann sie daher nicht so viele Turniere reiten. Trotzdem sei sie mit ihrer persönlichen Entwicklung zufrieden. „Es ist gut so, wie es ist. Ich werde auf jeden Fall weitermachen, der Reitsport ist für mich ein ganz wichtiger und schöner Lebensbestandteil.“

Auch Sie, liebe Leser, erinnern sich an einen erfolgreichen Halterner Sportler, der einen spannenden Lebenslauf hat oder von dem sie schon lange nichts mehr gehört haben? Nennen Sie uns gerne ihre Idee für unsere Serie „Was macht eigentlich...?“ Schreiben Sie uns dazu eine kurze E-Mail an: sportredaktion@halternerzeitung.de.
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