Highlight für viele Sportfans: Während einige beim Super Bowl allein gegen das Einschlafen ankämpfen, bleibt eine Bar die ganze Nacht offen. In Lippramsdorf wird der Beer-Pong-König gesucht.

Haltern

, 31.01.2019, 16:53 Uhr / Lesedauer: 4 min

Nicht nur in den USA sitzen Sportfans dann vor dem Fernseher: Wenn in der Nacht von Sonntag auf Montag der Super Bowl, das Finale der National Football League (NFL), steigt, sitzen auch in Haltern viele Football-Fans auf dem Sofa. In einem Lippramsdorfer Wohnzimmer dürfte es voll werden, andere hingegen müssen arbeiten. Geguckt wird trotzdem.

Die Vorfreude ist in der Stadt groß

Bei Philipp Prause, Spieler des SV Lippramsdorf in der Fußball-Bezirksliga, ist die Vorfreude groß: Am Sonntagabend, wenn sich die Los Angeles Rams und die New England Patriots gegenüberstehen, stellt er für sich und einen Teil seiner Mannschaftskollegen privat sein Wohnzimmer zur Verfügung. „Das haben wir im vergangenen Jahr schon gemacht“, erklärt er. „Ich freue mich da mega drauf.“ 14 Gäste erwartet Prause insgesamt.

Philipp Prause

Der Ergebnistipp

„Ich hoffe, es wird ein enges Spiel“, sagt der Spieler des SV Lippramsdorf. „Die Rams gewinnen mit einem Scorin-Play.“ Er werde dem Außenseiter, also den Rams, die Daumen drücken. „Sollten allerdings die Patriots gewinnen, wird es hoch“, erklärt er.

Auch wenn es erst um 0.30 Uhr mit dem 53. Super Bowl losgeht, startet die Super-Bowl-Party bei Prause um 19 Uhr. Denn der Abend von ihm und Christian Drees, Jonas van Buer, Marvin Niehaus, Robin Joemann, Nils Hardegen, Tim Vierhaus (alle SV Lippramsdorf), Giacomo Lopez-Fernandez (SG Borken) und André Springweiler (LSV II) ist durchgeplant.

Benjamin Bierchen gewinnt das Turnier

So gibt es eine Wiederauflage des Beer-Pong-Turniers. Das Siegerteam im vergangenen Jahr: Benjamin Bierchen, die Spieler: Christian Drees und Philipp Prause. „Da hatten wir beide einen ganz guten Tag“, erklärt Prause. Ob die beiden wieder zusammen an den Tisch dürfen, ergibt sich erst am Sonntagabend. Die Teams werden ausgelost.

Philipp Prause (v.) und die Lippramsdorfer schauen auch dieses Jahr wieder gemeinsam den Super Bowl.

Philipp Prause (v.) und die Lippramsdorfer schauen auch dieses Jahr wieder gemeinsam den Super Bowl. © Privat

Das Essen ist klassisch amerikanisch: Die Lippramsdorfer kaufen bei Kentucky Fried Chicken ein. Dafür fährt ein Teil der Gruppe nach Bochum, gerne schon um 17.30 Uhr vor Beginn der Veranstaltung. „Vor drei oder vier Jahren waren wir erst relativ spät da“, erinnert sich Prause. „Da haben wir dann eine eindreiviertel Stunde gewartet.“

Ausreichend Nachschub an Pommes und Snacks

„Snacks und Pommes machen wir aber selbst“, sagt Prause, um für ausreichend Nachschub sorgen zu können. Die Getränke kauft er im Vorfeld ein.

Marco Massanek

Der Ergebnistipp

Der Spieler des SV Hullern ist Fan der Patriots. Er hofft, dass sich Quarterback Tom Brady seinen sechsten Ring holt. Also zum sechsten Mal den Super Bowl gewinnen wird. „Es wird ein knappes Spiel mit einem Touchdown Unterschied“, sagt er.

Auch bei Marco Massanek vom SV Hullern steht das Essen im Mittelpunkt, auch er guckt das Spiel am Sonntag zusammen mit Freunden im Wohnzimmer. „Dann sind wir so zwischen sechs und zehn Leute“, erklärt er. Der Nachtisch: Selbstgebackene Plätzchen und ein selbstgebackener Schokoladenkuchen standen im vergangenen Jahr auf dem Tisch. Alles natürlich in Form eines Footballs. „Es ist immer ein bunt gefüllter Tisch“, sagt er.

Passend zum Super Bowl: Selbstgebackene Kekse in Football-Form.

Passend zum Super Bowl: Selbstgebackene Kekse in Football-Form. © Privat

Für Football-Fans wird es ein langer Abend. Lippramsdorfs Philipp Prause hat sich für Montag extra Urlaub genommen, Massanek hat sich zur Spätschicht einteilen lassen. Das klappt allerdings nicht bei Jedem: Philipp Oligmüller vom ETuS Haltern und Thomas Fritzsche von Concordia Flaesheim müssen am Montag arbeiten. Da geht aber jeder anders mit um.

ETuS-Trainer alleine in Düsseldorf

Im vergangenen Jahr verfolgte Oligmüller zusammen mit Massanek das Spiel. „Doch das ist in meiner Situation gerade nicht machbar“, erklärt er. Das Duell zwischen den Rams und den Patriots werde er trotzdem verfolgen. „Nicht gucken ist auch keine Option“, erklärt er. Da er aktuell in Düsseldorf arbeitet, hat er sich einen Plan überlegt: „Ich schlafe bei einem Kumpel in Düsseldorf. Der geht dann schlafen und ich gucke den Super Bowl“, sagt er.

Philip Oligmüller (h.2.v.l.) und Marko Massanek (2.v.l.) verfolgten den Super Bowl im vergangenen Jahr gemeinsam mit mehreren Spielern des SV Hullern.

Philip Oligmüller (h.2.v.l.) und Marko Massanek (2.v.l.) verfolgten den Super Bowl im vergangenen Jahr gemeinsam mit mehreren Spielern des SV Hullern. © Privat

Auf Flaesheims Thomas Fritzsche wartet am Montag ein wichtiger Termin auf der Arbeit. „Da werde ich in der Nacht das Handy definitiv ausschalten“, erklärt er. „Sonst bekomme ich gefühlt Hunderte von Nachrichten.“

Thomas Fritzsche

Der Ergebnistipp

Der Fan von den Indianapolis Colts drückt am Sonntagabend den LA Rams die Daumen. „Die Rams gewinnen mit 24:21 in der normalen Zeit“, sagt er. Mit den Patriots wird er persönlich nicht warm. „Die Entscheidung fällt durch ein Field Goal“, sagt er.
Er muss sich mit den Höhepunkten am Frühstückstisch zufriedengeben. „Das ist schon ärgerlich. Auch wenn das Projekt auf der Arbeit gerne starten darf, hätten wir gerne auch einen Tag später anfangen können“, erklärt er.

Mehrere Kilometer von Haltern entfernt sitzt in der Nacht auch Christoph Metzelder, Vorsitzender des TuS Haltern, vor dem Fernseher. „Ich schaue das Spiel privat“, sagt er. Ein bisschen hat er noch an dem vorzeitigen Ausscheiden seines Lieblingsteams, den Seattle Seahwaks, zu knabbern. „Schön vercoacht“, sagt Metzelder. Und am Sonntag? „Da kann es auch sein, dass ich vor dem Fernseher einschlafe“, erklärt er

Christoph Metzelder hat noch etwas an der Niederlage der Seahawks zu knabbern.

Christoph Metzelder hat noch etwas an der Niederlage der Seahawks zu knabbern. © Manfred Rimkus

Damit das in Lippramsdorf keinem passiert, hängt in der Wohnung von Prause das „Bullshit-Bingo“ groß ausgedruckt an der Wand. Dort sind Phrasen und Begriffe, die die Kommentatoren häufig benutzen, abgebildet. Bei einem Treffer, „muss jeder etwas trinken“, erklärt er.

Christoph Metzelder

Der Ergebnistipp

„Ich tippe auf jeden Fall auf die Rams“, sagt Christoph Metzelder. 34:27 lautet sein Ergebnistipp. Das Momentum liege vor dem Spiel bei den Rams. „Ich glaube an die Power, das Talent und das Momentum bei den Rams“, sagt er.

Im Mittelpunkt steht dann ab 0.30 Uhr eines der größten Sportereignisse der Welt. 30 Sekunden Werbung kosteten im Jahr 2017 fünf Millionen Euro, Tendenz steigend. Ein Event, das aber nicht nur die Amerikaner zu nutzen wissen. „Viele Vereine in Nordrhein-Westfalen bieten Events an, um auch ein bisschen Eigenwerbung zu betreiben“, erklärt Andreas Heinen, Pressesprecher des American Football und Cheerleading Verband Nordrhein-Westfalen.

Das Interesse an der Sportart steigt

Das Interesse an American Football sei deutlich gesteigen, vor allem in der jüngeren Zielgruppe zwischen 14 und 30 Jahren. „Viel mehr Leute haben Lust, Football anzuschauen oder sogar auch, es selbst auszuprobieren“, sagt Heinen.

Philip Oligmüller

Der Ergebnistipp

„Ich hoffe, dass es nicht zu spannend wird“, sagt der Fan der New England Patriots. Doch einen Ergebnistipp für das Spiel am Sonntag will der Halterner nicht abgeben. „Aus reinem Aberglaube möchte ich darauf verzichten“, erklärt er. Er drückt seinen Patriots die Daumen.

In der Regel werden Interessenten bei den Vereinen mit offenen Armen empfangen und können vor Ort einfach mittrainieren. „Die Sportler müssen nur Sportzeug und passendes Schuhwerk mitbringen“, sagt er, je nachdem, ob die Teams in der Halle, auf Rasen oder Kunstrasen trainieren. Sollte weitere Ausrüstung wie Helm oder Protektoren benötigt werden, könnte diese meist ausgeliehen werden, erklärt Heinen. Die Kosten für eine komplette Ausrüstung würden ungefähr bei 500 Euro liegen.

„Die Vereine sind in der Wintervorbereitung“

Zudem sei es jetzt ein guter Zeitpunkt zum Einsteigen. „Die Vereine sind mitten in der Wintervorbereitung“, sagt er. Die Trainingsschwerpunkte derzeit würden auf Kondition und Athletik liegen. Erst später käme der Körperkontakt hinzu.

Er sieht einen klaren Vorteil beim Football: „Bei uns gibt es keine Einschränkungen in Sachen Körperstatur“, erklärt er. „Kinder mit Übergewicht sind nicht nur willkommen, sondern sogar sehr erwünscht“, sagt er. Diese Spieler würden dann durch den Sport eine Persönlichkeitsentwicklung durchlaufen, die sie so noch gar nicht kennen würden. „Die Einstiegshürden sind sehr gering“, sagt er.

Public Viewing in Haltern

Saloon Bar und Club

Wer den Super Bowl am Sonntagabend in Haltern nicht alleine verfolgen möchte, ist im Saloon (Krumme Meer 4) willkommen. „Es wird ziemlich voll“, erklärt Niko Milis, Besitzer der Cocktailbar. „Es wäre besser, sich vorher anzumelden.“ Bereits seit sechs Jahren richtet er eine Super-Bowl-Party aus. „Die Gäste dürfen dann sitzen, wo sie wollen - wie in einem großen Wohnzimmer.“ Neben verschiedenen Getränken gibt es Hot Dogs.

Insgesamt sei Football einige der wenigen Sportarten, die noch wachse. Und das schon vor 2015, also bevor die TV-Übertragungen in Deutschland ausgeweitet wurden.

Im Jahr 2016 hat Philipp Prause seinen ersten Super Bowl gesehen. Damals war es eine relativ deutliche Angelegenheit: Denver setzte sich schnell ab und dann später auch mit 24:10 gegen die Carolina Panthers durch. „Ich hoffe, am Sonntag wird es knapp und spannend bis zum Ende“, sagt Lippramsdorfs Prause. „Sonst wird es echt hart um die Uhrzeit.“

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