Jobsharing beim ETuS: „Das sind beides keine zweiten Torhüter“

rnFußball: Kreisliga A

Beim ETuS Haltern gibt es ein besonderes Torwart-Modell. Beide Keeper wechseln sich regelmäßig ab. Vor einem Jahr sah das noch anders aus - und bescherte einem Trainer einen unruhigen Schlaf.

Haltern

, 11.11.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Weisheit „Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr gewinnt Meisterschaften“ hat wahrscheinlich jeder Fußballer schon mindestens einmal gehört. Zur Abwehr gehören jedoch nicht nur die Verteidiger, sondern auch der Torhüter. Dessen Leistung entscheidet oft über Sieg oder Niederlage. Umso besser, wenn ein Trainer gleich zwei gute Torhüter zur Verfügung hat - wie beim ETuS Haltern. Dort kommen beide Keeper regelmäßig zum Einsatz.

„Als wir zum ETuS gekommen sind, gab es nur einen Torwart“, sagt Phillip Oligmüller, Trainer des ETuS. Mit Frank Böcker hatten er und sein Trainerkollege Thomas Schaffrinna nur einen Torhüter im Kader. Und ausgerechnet der fiel dann auch noch zeitweise mit einer Gehirnerschütterung aus.

„Da haben wir dann Marc-Andre Schulte reaktiviert“, erzählt er. Der war zu dem Zeitpunkt eigentlich schon Feldspieler, zog sich für den ETuS aber noch mal die Torwarthandschuhe an. „Er hat das dann auch super gemacht“, so Halterns Trainer, doch Schulte wohnt in Dortmund und war deshalb keine langfristige Lösung.

ETuS-Trainer Thomas Schaffrinna: „Da schläft man nicht ruhig“

Daher gingen Schaffrinna und Oligmüller auf die Suche nach einem weiteren Torwart. Den fanden sie letztendlich in Person des Lippramsdorfers Sebastian Arentz.

Es gab nur ein Problem: „Das sind beides keine zweiten Torhüter für die Kreisliga A“, sagt Phillip Oligmüller über Arentz und Böcker. Beide Spieler seien schlichtweg zu gut, um die meiste Zeit nur auf der Bank zu sitzen.

Klar sei aber schon im Vorfeld gewesen, dass der potenzielle Neuzugang aus Lippramsdorf aus beruflichen Gründen nicht so häufig beim Training sein kann. Die beiden Spieler seien dann gefragt worden, ob sie es sich vorstellen könnten, sich den Platz zwischen den Pfosten zu teilen. Eine Art „Jobsharing“ sozusagen.

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Die Gespräche hätte aber nicht er, sondern Thomas Schaffrinna geführt, sagt Oligmüller auch. „Da schläft man nicht ruhig“, sagt der über die damalige Situation mit nur einem Torwart. „Wenn man aufsteigen möchte, ist das ja Wahnsinn“, so Schaffrinna.

Bei jedem Foul oder heftigeren Zweikampf habe er sich Sorgen gemacht, dass nun auch noch sein einziger Keeper ausfällt. Daraufhin wurden Gespräche mit einigen Kandidaten geführt, am Ende machte Sebastian Arentz das Rennen. Der Kontakt entstand dabei über Christian Klebolte.

Beide ETuS-Torhüter kriegen „ihre Bonbons“

„Er bringt richtig Qualität mit“, sagt Schaffrinna über Arentz. Frank Böcker war derweil in die Pläne seiner Trainer jederzeit mit eingebunden. Das sei ihm wichtig gewesen, so der Trainer. Beide Torhüter seien dann auch offen für die Idee des geteilten Jobs gewesen.

Seit dem vergangenen Winter ist Arentz nun beim ETuS. Zuletzt wurde immer geguckt, wann es sein Beruf zulässt, dass er am Wochenende in Haltern ist. Geplant ist, dass beide Spieler auf etwa gleich viele Partien kommen. „Beide kriegen auch ihre Bonbons“, sagt Thomas Schaffrinna.

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Damit meint er besondere Spiele. Beispielsweise stand Frank Böcker im Kreispokal-Derby gegen den TuS Sythen im Tor, wenige Wochen später beim Aufeinandertreffen in der Kreisliga A kam dann Arentz zum Einsatz.

„Beide gehen da super mit“, erzählt Schaffrinna. „Sie sind beide charakterlich ganz tolle Menschen.“ Böcker spielte auch schon bei der zweiten Mannschaft des ETuS mit, wenn Arentz bei der Ersten im Tor stand. „Da ist er immer sofort dabei“, sagt sein Trainer.

Frank Böcker hilft gerne auch mal in der ETuS-Reserve aus

Etwas, das auch nicht jeder macht, aber für Böcker selbstverständlich ist. „Wenn da der Torwart mal verletzt ist oder keine Zeit hat, helfe ich immer gerne aus“, sagt er. Wenn sowieso beide Teams ein Heimspiel haben, sei das kein Problem für ihn.

Auch damit, dass er sich seit Sebastian Arentz zum ETuS gekommen ist, mit weniger Einsätzen in der ersten Mannschaft begnügen muss, kommt der junge Keeper gut zurecht. „Für mich ist das kein Problem“, erklärt er. Er sei vollkommen zufrieden mit der aktuellen Situation im Halterner Tor.

Frank Böcker (M.) war über einen längeren Zeitraum der einzige Torhüter des ETuS Haltern.

Frank Böcker (M.) war über einen längeren Zeitraum der einzige Torhüter des ETuS Haltern. © Blanka Thieme-Dietel (Archiv)

„Wir verstehen uns auch sehr gut“, sagt er über das Verhältnis zu Arentz. Ein wirkliches Konkurrenzdenken gebe es nicht. „Klar will man gerne spielen“, so Böcker, aber so wie es bislang immer aufgeteilt wurde, sei es gut gelöst.

Dass er nun nicht mehr der einzige Torhüter in der Mannschaft ist, sei wichtig. „Es ist schon besser so, dass da jetzt noch ein zweiter Torwart ist.“ Während sein Trainer ab und an zitterte, wenn sein Keeper in einen Zweikampf ging, hatte Böcker selbst nie derartige Sorgen, als er noch der einzige Torhüter im Kader war. „Im Spiel denkst du da nicht dran“, erklärt er.

„Natürlich wäre es schöner, wenn ich mehr trainieren könnte“

Auch für Sebastian Arentz ist das Jobsharing im Tor des ETuS kein Problem. „Das war von Anfang an so kommuniziert“, bestätigt er. „Ich bin ja viel unterwegs, gerade bin ich auch wieder in Bayern“, sagt der Keeper. Dementsprechend kann er auch nicht an jedem Training teilnehmen.

Meist könne er nur freitags an der Conzeallee trainieren, erzählt er. Große Probleme bereite ihm das in den Spielen dann aber nicht. „Es geht“, sagt er. „Natürlich wäre es schöner, wenn ich mehr trainieren könnte, aber das lässt der Job eben aktuell nicht zu.“

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So wie es jetzt beim ETuS läuft, ist er zufrieden. „Ich schätze mich glücklich“, sagt er, „ich bin nicht unbedingt der Leidtragende“. Für die Mannschaft ist es wahrscheinlich auch gut, wenn beide Torhüter regelmäßig zum Einsatz kommen, glaube er.

Seit fast einem Jahr spielt er nun für den ETuS. Den Wechsel bereut er nicht. „Es ist sehr cool hier“, sagt er, „das ist eine tolle Truppe“. Zu Beginn habe er ein wenig die Befürchtung gehabt, dass es in der größtenteils sehr jungen Mannschaft an der Einstellung hapern könnte, „aber die Jungs haben schnell das Gegenteil bewiesen“.

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