Lukas Große-Puppendahl ist Trainer in den USA: „Die Chance musste ich wahrnehmen“

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Der Halterner Lukas Große-Puppendahl (28) studiert in den USA und arbeitet gleichzeitig als Co-Trainer seines Uni-Teams. Die Strukturen und die Infrastruktur haben schon Profi-Niveau.

Haltern

, 13.11.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Bereits zum zweiten Mal hat der Halterner Lukas Große-Puppendahl (28) den Schritt in die USA gewagt. Nachdem er schon einmal vier Jahre in Tennessee lebte, Fußball spielte und studierte, ist er nun erneut in den Bundesstaat im Westen des Landes gezogen - erneut als Student, aber diesmal nicht als Spieler, sondern als Trainer.

Im ersten von zwei Teilen erzählt der Halterner, warum er noch mal in die USA gegangen ist, welche Rolle sein bisheriger „soccerships“-Job dabei spielte und wie professionell die US-Amerikaner im Uni-Fußball bereits arbeiten.

Seit August ist Große-Puppendahl wieder in den USA. Diesmal lebt er in Knoxville, einer Stadt mit rund 180.000 Einwohnern. Etwa eine halbe Stunde benötigt er, um mit seinem Auto zu seinem Arbeitsplatz, der Carson-Newman University in Jefferson City zu kommen.

Zwar hätte er auch direkt in der Stadt leben können, erzählt er, doch Jefferson City sei mit gerade mal etwa 8.000 Einwohnern „eine typische Uni-Kleinstadt“. Daher entschied er sich für das größere Knoxville. „Das ist auch eine Studentenstadt“, erklärt er. Nur eben größer als Jefferson City.

Lukas Große-Puppendahl arbeitete zuletzt für „soccerships“

Er selbst vergleiche Knoxville gerne mit Recklinghausen, erzählt er. Der Vergleich passe sowohl von der Größe als auch vom Stadtbild ganz gut. „Es gibt eine nette, kleine Innenstadt und man hat drumherum viel Natur, wo man einiges unternehmen kann“, so der 28-Jährige.

Dass es tatsächlich mit dem zweiten Aufenthalt in den USA klappen würde, war derweil lange nicht klar. Kurz vor dem ersten Lockdown im Frühjahr hatte er das Angebot erhalten, an der Carson-Newman University zu studieren und als Co-Trainer zu arbeiten.

Schon länger habe er darüber nachgedacht gehabt, noch mal den Schritt auf den amerikanischen Kontinent zu wagen. Durch seine Arbeit für „soccerships“, einem Unternehmen, das jungen Spielern Stipendien vermittelt, um in den USA Fußball und Studium verbinden zu können, habe er immer viel Kontakt zu Spielern, Trainern und Universitäten gehabt.

Dann kam Stephen Lyons, Trainer der Fußballmannschaft der Carson-Newman University, auf ihn zu. „Er hatte noch eine Position frei“, erzählt Lukas Große-Puppendahl, den die Chance, doch noch einen Masterabschluss zu machen und sich im Trainerbereich auszuprobieren, reizte.

Erst bremste Corona seine Pläne, dann ging es ganz schnell

Im vergangenen Jahr hatte der ehemalige Spieler des TuS Haltern am See und der SpVgg. Erkenschwick bereits in Deutschland seine B-Trainer-Lizenz erhalten. „Ich habe immer schon in die Richtung geschielt“, gesteht er.

Dennoch musste er selbst noch ein wenig überlegen, ob er es wirklich tun sollte. „Das war eine schwierige Entscheidung“, sagt er heute, „aber die Chance musste ich wahrnehmen“. Dann kam die Corona-Pandemie inklusive Lockdowns in vielen Ländern und Reisestopps.

„Bis Ende Juli hatte die USA niemanden reingelassen“, erinnert sich der Halterner. Daher sei er davon ausgegangen, zumindest bis Dezember noch in Deutschland zu bleiben. Dann wurde jedoch kurzfristig entschieden, dass zumindest internationale Studenten in die USA einreisen dürfen.

Danach ging alles ganz schnell. „Das war schon relativ kurzfristig, als man sich eigentlich schon damit abgefunden hatte, noch warten zu müssen“, erzählt Große-Puppendahl.

Und so ging es letztendlich für ihn zurück in die USA. Ganz alleine. Eine Freundin hat der 28-Jährige nicht. „Zum Glück“, sagt er, „das hätte die Entscheidung schwieriger gemacht“.

2016 machte er seinen Bachelor am Davis and Elkins College

Bislang scheint es so, als hätte er alles richtig gemacht. Denn der Halterner ist glücklich - das hört man im Gespräch mit ihm heraus. An der Carson-Newman University hat er nun die Chance, in das Trainergeschäft hineinzuschnuppern. Vergleichbar mit dem im deutschen Amateurfußball ist das jedoch nicht.

Die Strukturen sind deutlich professioneller, obwohl Fußball in den USA längt nicht so einen hohen Stellenwert wie in Europa hat. Dennoch hat das Team von Lukas Große-Puppendahl allein vier Trainer: den Cheftrainer, zwei Co-Trainer und einen Torwart-Trainer. Dazu kommen noch ein Physiotherapeut und ein Fitness- und Konditionstrainer.

„Ich kannte das schon aus meiner Zeit als Spieler, dass das alles hier sehr professionell aufgestellt ist“, sagt er. 2016 machte er seinen Abschluss am Davis and Elkins College.

Als Lukas Große Puppendahl das erste Mal in den USA lebte, spielte er für das Davis and Elkins College.

Als Lukas Große Puppendahl das erste Mal in den USA lebte, spielte er für das Davis and Elkins College. © Privat

Im Vergleich zu den Verhältnissen in seinem alten Team sei es nun aber noch mal ein großer Schritt nach vorne. Auch die gesamte Infrastruktur sei noch mal deutlich besser, von den Fitnessräumen bis hin zu den Sportplätzen.

Dabei spielt die Carson-Newman University nicht mal in der höchsten Liga. Mit seiner Mannschaft tritt Große-Puppendahl in der zweithöchsten Spielklasse, der NCAA Division II, an. „Das ist ein ganz anders System hier“, sagt er.

Es gibt drei Ligen, aber keine Auf- und Absteiger

Auf- und Absteiger gibt es in den einzelnen Ligen nicht, jedes Team spielt jedes Jahr in der gleichen Liga gegen die anderen elf Mannschaften. Wie in Europa gibt es Hin- und Rückspiele. Danach gibt es aber noch Playoffs und ein weiteres Turnier.

Die Ligazugehörigkeit hat jedoch nichts mit der Spielstärke und Qualität der Mannschaften zu tun, sondern mit der Größe der Universität und den finanziellen Mitteln. „In der obersten Liga gibt es auch Teams, die zu Auswärtsspielen fliegen“, erzählt er. „Bei uns ist aber alles etwas regionaler.“

Ein weiteres Beispiel dafür, wie professionell die Strukturen in den Uni-Ligen bereits sind, ist das Verpflichten neuer Spieler. Da er sich im Rekrutieren neuer Spieler dank seiner Arbeit bei „soccerships“ bereits bestens auskennt, ist Lukas Große-Puppendahl auch in Jefferson City dafür teilweise zuständig.

„Deswegen wollte mich der Trainer auch“, sagt er. Um die Suche nach neuen Spielern kümmert er sich, „wenn ich mal eine Stunde Leerlauf habe“. Es gebe verschiedene Agenturen, die Plattformen haben, auf denen nach Spielern geguckt werden könne oder die gezielt Spieler anbieten.

Zwei Engländer haben sich gegen einen USA-Wechsel entschieden

Dabei gehe es zuerst vor allem um Basisinformationen. „Ob es akademisch passt und wo die Jungs bislang unterwegs waren“, erklärt der Co-Trainer, der seinen Bachelor in Management and Marketing gemacht hat und nun einen Master in Business and Administration absolviert.

„Normalerweise gibt es auch ‚showcases‘, wo Spieler sich präsentieren können.“ Da seien die Trainer der Universitäten dann auch immer präsent. „Ich fliege Ende November zurück nach Deutschland, da wäre ich dann auch bei einem unterwegs gewesen.“ Aufgrund der aktuellen Situation mit dem Coronavirus geht Große-Puppendahl aber erst mal nicht davon aus, dass derartige Veranstaltungen stattfinden können.

Trainiert wird an der Carson-Newman University täglich.

Trainiert wird an der Carson-Newman University täglich. © Privat

Diese Art des Scoutings werde generell aber immer beliebter bei den Trainern. Bei einem solchen Event im vergangenen Jahr in München seien etwa 30 Übungsleiter vor Ort gewesen.

Die Corona-Pandemie beeinflusst jedoch nicht nur diese „showcases“, sondern auch allgemein die Kaderplanung. „Wir hatten jetzt auch zwei Jungs, die aufgrund der Situation nicht gekommen sind“, erzählt der Halterner. Zwei Engländer haben sich vorerst gegen einen Aufenthalt in den USA entschieden.

Viele internationale Studenten spielen für die Carson-Newman University

Etwa 15 Spieler stehen im Kader der Carson-Newman University, die ein Stipendium haben. Insgesamt sind etwa 25 Mann im Kader. „Wir haben hier viele internationale Studenten“, sagt Lukas Große-Puppendahl. Viel werde in Europa rekrutiert, aber beispielsweise auch in Südamerika. Aktuell gehören zur Mannschaft auch zwei Brasilianer.

Denen merke man technisch direkt an, dass sie aus Brasilien kommen. Im Vergleich mit dem gesamten Team glaubt er, sind die deutschen Spieler aber trotzdem „technisch vielleicht ein bisschen besser ausgebildet“. Taktisch wiederum seien die Spieler aus Deutschland allerdings deutlich weiter.

Zeit, diesen Umstand zu ändern, hat der Halterner in den kommenden noch fast zwei Jahren genug. Immerhin sind gerade mal wenige Monate seines Studiums in den USA vorbei.

Corona, die US-Wahl und Bier

Im zweiten Teil des großen Berichts über Lukas Große-Puppendahl und sein Leben in den USA geht es vor allem um seinen Alltag, seine Arbeit als Co-Trainer und etwas, auf das er sich bereits freut, wenn er wieder zu Besuch in Deutschland ist (Spoiler: Es ist nicht das deutsche Bier).
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