TuS Halterns Trainer Timo Ostdorf im Interview: „Das ist ein Privileg“

rnFußball: Regionalliga West

Nach der U19 und der U23 sitzt Timo Ostdorf nun auf der Trainerbank der ersten Mannschaft des TuS Haltern. Im Interview erzählt der neue Coach, was ihn an der Aufgabe besonders reizt.

Haltern

, 04.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit Timo Ostdorf (34) steht in der kommenden Saison ein neuer Mann an der Seitenlinie des TuS Haltern. Für den Trainer ging es in den letzten Jahren steil bergauf. In Teil eins des großen TuS-Interviews erklärt er, warum er dem TuS Haltern nicht sofort zugesagt hatte, was ihn an seiner neuen Aufgabe besonders reizt und wie die Reaktionen auf die Veröffentlichung des Bilbao-Konzepts waren.

Herr Ostdorf, Sie trainierten vor 1,5 Jahren noch die U19 des TuS Haltern. Hätte Ihnen jemand damals gesagt, dass Sie 2020 Trainer der ersten Mannschaft werden, was hätten Sie ihm entgegnet?

Ich hatte da letztens noch drüber nachgedacht. Als ich 2015 beim TuS angefangen habe, war mein Ziel nie, Trainer zu werden. Das war überhaupt nicht geplant, eine Trainerkarriere einzuschlagen. Jetzt sieht man, wie schnell es im Fußball gehen kann. Aber was hätte ich ihm gesagt? Keine Ahnung. Im Fußball ist vieles möglich und es kann sehr schnell gehen. Aber ich hätte ihm wahrscheinlich den Vogel gezeigt. Ich hätte vermutlich gesagt, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das eintritt. Ich hatte das in meiner persönlichen Planung eigentlich nicht vorgesehen. In den Gesprächen mit dem Verein ging es aber immer darum, mir einen Weg aufzuzeigen, um mich als Trainer Schritt für Schritt zu entwickeln.

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Wie viele Nachrichten haben Sie erhalten, nachdem ihre Beförderung zum Trainer der ersten Mannschaft bekannt gegeben wurde?

An dem Tag war ich auf der Arbeit, ich hab so an die 120 Nachrichten bekommen. Wenn du mehr Nachrichten als an deinem Geburtstag bekommst, weißt du, es ist etwas Besonderes passiert.

Waren Sie überrascht, als der Verein mit der Idee, Sie zu befördern, auf Sie zugekommen ist?

Definitiv, meine persönliche Planung war, auch weiterhin die U23 zu trainieren und mit der Elite Jugend-Lizenz den nächsten Schritt in der Trainerausbildung zu machen. Ich musste auch erst mal zwei, drei Nächte darüber schlafen, weil ich aus dem Nichts so überrascht worden bin. Erst mal musste ich für mich überlegen, ob ich für den Schritt bereit bin. Es ging in den letzten Jahren schnell für mich. Erst die U19, dann die U23 und jetzt Cheftrainer der Ersten. Ich musste mir im Klaren sein, ob ich dafür bereit bin. So eine Entscheidung muss wohlüberlegt sein. Ich habe dann auch noch weitere Gespräche mit dem Verein geführt.

Worüber?

Über die Ausrichtung. Ich bin keiner, der sofort zu allem „ja“ sagt. Ich musste mir auch erst mal bewusst werden, was der Schritt für mich bedeuten würde. Kriege ich das beruflich alles unter einen Hut? Ich habe mir dann auch viele Meinungen von Personen, die gewissen Erfahrungen aufweisen, eingeholt. Ich denke, dass ich stellvertretend für meine Jungs spreche: Ich habe Bock auf Fußball, ich will so hoch wie möglich spielen und trainieren, aber das alles muss im Einklang mit unserem Beruf oder Studium stehen. Und bei allem Ehrgeiz und aller Ernsthaftigkeit müssen wir unser Hobby immer mit Spaß betreiben. Diesen Weg zukünftig mit jungen Spielern aus dem eigenen Verein, der Stadt und der Region zu gehen, da stehe ich zu 100 Prozent hinter.

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Kamen die Verantwortlichen des TuS auf Sie zu, als das Bilbao-Konzept bereits ausgearbeitet war oder waren sie an der Erstellung mit beteiligt?

Das Bilbao-Konzept war kommuniziert, aber es war noch eine grobe Idee. Welche Bedeutung das für die Kaderplanung, die Zusammenarbeit zwischen Team A und Team B und die bestmögliche Talentförderung hat, damit beschäftigen wir uns seitdem. Wir wissen, dass wir völlig neue Wege beschreiten werden.

Das Bilbao-Konzept hat dem TuS deutschlandweit viel Aufmerksamkeit geschenkt. Hat Sie vor allem die Herausforderung, einen so großen Umbruch mitzuleiten, gereizt?

Ja, ich finde, das ist ein riesiger Vertrauensvorschuss des Vereins, so einen großen Umbruch mit mir als Trainer zu machen. Das ist ein Privileg. Mit so einem großen Umbruch, bei dem keiner weiß, wie wird es werden. Das ist alles Neuland und eine große Verantwortung, weil der TuS Haltern am See in den letzten Jahren für eine Erfolgsgeschichte im Amateurfussball stand. Es ist eine riesige Herausforderung für uns alle. Egal mit wem ich gesprochen habe im Verein, die haben alle richtig Lust darauf. Das ist das Wichtigste, dass alle Bock darauf haben, sich der Herausforderung zu stellen. Wir wollen weiterhin ein besonderer Verein sein, das muss sich aber zukünftig nicht immer nur über Ergebnisse definieren.

Durch das neue Konzept entstand ein regelrechter Medienhype um den Verein. In allen Teilen Deutschlands wurde darüber berichtet. Wie haben Sie die Zeit nach der Veröffentlichung des Konzepts empfunden?

Es war spannend, weil man sich auch mit vielen Trainern außerhalb von Haltern ausgetauscht hat. Die haben gesagt, es ist schon ein radikaler Schritt, der aber, wenn er funktioniert, sehr nachhaltig sein kann. Ich hab von vielen nur Positives gehört. Viele haben mir auch gesagt, dass es dann auch ein logischer Schritt ist, mit einem jungen Trainer den Weg zu gehen, der die jungen Leute auch kennt. Ich habe nur wenig Negatives gehört. Alle finden es radikal; einige finden es gut, andere sagen, wir sind total verrückt.

Hier gibt es Teil zwei des Interviews mit Timo Ostdorf, in dem er über seine Spielphilosophie und die Neuzugänge des TuS Haltern spricht:

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