Highland-Sport statt Fußball auf dem Rasen des Montanhydraulik-Stadions in Holzwickede: Die „Wild Oaks“ schleudern hier den Scottish Hammer. FOTO privat © Wild Oaks
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Highland-Sport: Sehr viel mehr als „ein paar Verrückte im Kilt, die Baumstämme werfen“

Seit etwa drei Jahren hat der Holzwickeder SC eine besondere Abteilung: die Highlander. In fünf Disziplinen geht es um Kraft, Geschicklichkeit und Technik – das Drumherum ist aber genauso wichtig.

Holger Bonowski hat eigentlich Baseball gespielt, das sogar auf Bundesliga-Niveau. Über zwei Jahrzehnte übte er den amerikanischen Traditionssport aus. Heute stößt er sieben Kilogramm schwere Steine durch die Gegend und versucht, Baumstämme per Wurf zum Überschlag zu bringen – Holger Bonowski betreibt Highland-Sport und ist Chef der „Wild Oaks“, dem Clan des Holzwickeder SC.

Bonowski erinnert sich noch gut an die ersten Schritte in der frisch gegründeten Highlander-Abteilung des HSC: „Das hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet, dass da ein paar Verrückte in Kilts Baumstämme durch die Gegend werfen.“ Das war vor etwa drei Jahren, als Bonowski kreativ werden musste: Seine sportliche Highland-Heimat in Kamen-Heeren wurde geschlossen, ein neuer Verein musste her.

Den fand er mit dem Holzwickeder SC, seitdem üben er und seine Clan-Mitglieder sich am Montanhydraulik-Stadion in den fünf traditionellen Disziplinen des Highland-Sports.

Ein höchst technischer Sport

Dazu gehören der Steinstoß, Gewichtsweitwurf, Gewichtshochwurf, der schottische Hammerwurf sowie der spektakuläre Baumüberschlag. „Kraft ist für alle das leidige Übel, das man mitbringen muss“, erklärt Bonowski, worauf es ankommt: „Was man aber genauso braucht, sind Geschicklichkeit, ein gutes Körpergefühl und Technik.“

Denn was auf den ersten Blick grobschlächtig anmutet, ist in Wahrheit ein höchst technischer Sport. Entsprechend viel Sorgfalt investieren die „Wild Oaks“ in eine saubere Ausführung: Von den Trainingseinheiten wird Video-Material erstellt, das im Anschluss analysiert wird.

„Wir sind einfach nicht diese Kraftmeier, sondern versuchen uns über die Technik zu verbessern“, sagt Bonowski. Mit Erfolg: „Wir haben unsere Ergebnisse immer im Blick und sehen, wo wir bessere Leistungen erzielen.“ Neben diesem persönlichen Glücksgefühl bietet der Highland-Sport aber noch sehr viel mehr – zumal keine großen Vorkenntnisse notwendig sind.

„Es ist ein Sport für jeden. Man braucht keinen Leichtathletik-Hintergrund, muss sich aber darauf einlassen: Es ist ein Outdoor-Sport, für den man eine gewisse Affinität mitbringen muss“, erklärt Bonowski. Wie fordernd der Sport ist, lernten beispielsweise die Handballer des TV Halingen, die vor zwei Jahren eine Einheit absolvierten.

Man braucht eine Affinität zur schottischen Kultur

„Klar, der Kilt ist bei Wettkämpfen Pflicht, es gibt keine Teams, sondern Clans und auch Historie spielt eine Rolle. „Man hat sofort eine Art Gesprächsleitfaden, wenn man auf andere Clanmitglieder trifft, bei Wettkämpfen zum Beispiel“, schildert Bonowski: „Man trifft auf Gleichgesinnte und das Drumherum, auch die Verhältnisse zu den anderen Clans sind sehr familiär.“

Anders als in anderen Sportarten sehen sich die verschiedenen Vereine nicht als Konkurrenz – sie sind eine große Gemeinschaft, eine Familie.

„Putting the Stone“ heißt diese Disziplin des Highland-Sports. © Wild Oaks © Wild Oaks

Zu kurz kommen soll der sportliche Aspekt aber nicht, das stellt Bonowski klar. Die „Wild Oaks“ trainieren hart. Zwei, manchmal drei Mal die Woche. Es gibt reines Technik-Training, in dem sich die Clan-Mitglieder auf eine oder zwei Disziplinen beschränken. „Da haben wir die technischen Abläufe im Blick“, so Bonowski.

Im Gegensatz dazu stehen die leistungsbezogenen Einheiten, in denen ein Wettkampf simuliert wird: Die Teilnehmenden wärmen sich auf und haben dann wie bei Turnieren in jeder Disziplin drei Versuche.

Pandemie-bedingt ist die Anzahl der Wettbewerbe in den vergangenen Monaten überschaubar gewesen. Bonowski plant aber, spätestens nächstes Jahr ein Turnier in Holzwickede zu veranstalten: „Das haben wir uns fest vorgenommen!“

Wer es im Vorhinein nicht mitbekommt, wird sich vielleicht die Augen reiben – denn dann werden sich so einige Kilt-Träger rund um das Montanhydraulik-Stadion versammeln.

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Seit 2019 als freier Mitarbeiter für Lensing Media im Einsatz. Hat ein Faible für sämtliche Ballsportarten und interessiert sich für die Menschen, die den Sport betreiben - von der Champions League bis zur Kreisliga.
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