Die U23 des HSC stand hinter ihrem Trainer. © Neumann
Meinung

Marcel Greigs Entlassung kommt zu früh – Sportliche Leitung des HSC muss sich den Schuh anziehen

Aus ergebnistechnischer Sicht ist die Freistellung von Marcel Greig beim Holzwickeder SC wohl berechtigt. Doch die Sportliche Leitung muss sich ebenfalls Fehler ankreiden lassen, meint unser Autor.

Das Eis wurde zuletzt immer dünner für Marcel Greig, den mittlerweile freigestellten Trainer der U23-Fußballmannschaft des Holzwickeder SC. In neun Spielen holte die Truppe nur fünf Punkte, steht auf dem ersten Abstiegsplatz der immer noch jungen Bezirksliga-Saison.

Nach dem 1:3 am Sonntag sah sich die Sportliche Leitung des HSC um Tim Harbott zum Handeln gezwungen. Von den Ergebnissen her ist die Entscheidung, Greig als Trainer freizustellen, wohl berechtigt.

Doch war das tatsächlich jetzt schon nötig? Nein! In Marcel Greig verliert der HSC eine sehr authentische Figur, die immer an die Trendwende geglaubt hat. Er war der Ruhepol innerhalb der Mannschaft. Seine Freistellung bewirkt gerade das genaue Gegenteil und bringt eine Menge Unruhe in den Verein.

Jetzt fehlt ein weiterer Spieler im eh schon dünnen Kader

Laut dem Trainer sei die Entscheidung auch bei seinen Spielern auf Unverständnis gestoßen, denn das Verhältnis zwischen Trainerteam und Mannschaft war wohl intakt – trotz des ausbleibenden Erfolgs.

Die große Verletztenmisere in der U23 ist sicherlich der größte Grund für den schwachen Saisonstart. Das merkte auch Greig immer wieder an. Deshalb schnürte er auch oft selbst noch die Schuhe und drückte dem Spiel der Mannschaft stets seinen Stempel auf. Auch wenn Greig nur in Ausnahmesituationen auflaufen wollte – er machte seine Sache stets mehr als ordentlich.

Durch seine Freistellung fehlt dem HSC jetzt noch ein weiterer Spieler im eh schon dünnen Kader. Der ist vor der Saison einfach zu knapp besetzt worden und zudem nicht so stark, wie es sich die Sportliche Leitung vermutlich erhofft hatte. Hier muss sich freilich auch Tim Harbott den Schuh für anziehen.

Rückstand beträgt nur drei Punkte

Dazu kommt: Der HSC ist noch längst nicht auf verlorenem Posten. Der Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz beträgt gerade mal drei Punkte. Eine U23 ist auch dafür da, Spieler aufzubauen und zu entwickeln. Dafür hatte Greig nach dem Corona-Re-Start im Sommer bislang schlicht zu wenig Zeit. Für viele Spieler in der jungen Mannschaft ist es gerade die erste Saison im Seniorenfußball, die hoffentlich bis zum Ende gespielt werden kann.

In Andy Heiß kehrt zudem gerade ein Stürmer aus einer Verletzung zurück, auf dem beim HSC einige Hoffnungen ruhen. Ist Heiß in Top-Form, kann er Spiele entscheiden. Dass er das nicht mehr unter der Leitung von Marcel Greig tun kann, ist bedauerlich.

Für den HSC bleibt zu hoffen, dass unter dem neuen Trainer Claas Hoffmann eine schnelle Trendwende einkehrt. Bleibt auch unter ihm der baldige Aufwärtstrend aus, dürfte klar sein, dass die Schuld nicht allein bei Greig zu suchen ist.

Über den Autor
Volontär
Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
Zur Autorenseite
Marcel Schürmann