Ein Fußballteam aus dem Kreis Unna hat sich nun auf ungewöhnliche Art und Weise fit für die Saison gemacht. © Privat
Fußball

Wie früher im DSF: Fußballerinnen ziehen Lkw, um sich fit zu machen

Viele Fußballmannschaften machen sich gerade für die neue Saison fit. Ein Team aus dem Kreis Unna hat jetzt eine Trainingsmethode gewählt, die viele noch aus längst vergangenen Fernseh-Tagen kennen.

Die Älteren unter uns erinnern sich noch gut: Vor vielen Jahren, als der TV-Sender Sport1 noch unter dem Namen DSF (stand für: Deutsches Sportfernsehen) firmierte, bekamen sportbegeisterte TV-Zuschauer zum Teil recht skurrile Wettbewerbe zu sehen. Ein Klassiker dabei: Lkw-Ziehen. Echte Schwergewichte (gemeint sind damit die Athleten) zogen damals in schöner Regelmäßigkeit mit Hilfe von Körpergurten tonnenschwere Fahrzeuge über die Mattscheibe – unter Geschrei, enormer Kraftanstrengung und mit hochrotem Kopf. Nun scheint der Trend aus längst vergessenen Tagen wieder aufzuleben – mitten im Kreis Unna.

Teil eines dreitägigen Trainingslagers

Bei Instagram war dieser Tage zu bestaunen, wie die Fußballerinnen des Holzwickeder SC sich genau an dieser außergewöhnlichen Disziplin versuchten und eine blaue Lkw-Zugmaschine über eine Straße zogen. Die kuriose Aktion war Teil eines dreitägigen Trainingslagers, das die HSC-Spielerinnen nun absolvierten, um sich gemeinsam für die neue Saison in der Kreisliga A fit zu machen.

Acht Tonnen wog die Lkw-Zugmaschine, die die HSC-Frauen über die Straße zogen. © Privat © Privat

„Das war mega lustig, alle haben das sehr gefeiert. Es war schön, mal etwas anderes zu machen als immer die gleichen Trainings-Übungen“, erklärt Darleen Kramer, zweite Kapitänin des HSC. „Damit hat niemand gerechnet. Plötzlich hieß es: ,Packt eure Sachen und kommt mit auf die Straße‘“, so die 25-Jährige. Am Clara-Schumann-Gymnasium neben dem Holzwickeder Kunstrasenplatz schließlich wartete dann der Lkw auf die verdutzten Spielerinnen.

Torwarttrainer hat Idee – und die nötigen Beziehungen

Die Idee zu der Aktion hatte Torwarttrainer Philipp Riskop. Der ebenfalls 25-Jährige musste nicht nur selbst schonmal im Training mit seinen Handballern des Werler TV einen Lkw durch die Gegend schleifen. Als Mechatroniker bei der Nutzfahrzeugsvertriebs GmbH Beckum/Hamm verfügt er auch über die nötigen Beziehungen, um sich mal eben das nötige Trainingsgerät auszuleihen.

„Mein Chef unterstütz solche Aktionen immer gerne“, freut sich Riskop über die gelungene Überraschung, die er nicht nur aus Fitness-Gründen eingestreut hat. „Solche Aktionen sind vor allem auch gut für das Teamgefüge und den Zusammenhalt. Das gab nochmal richtig Motivation für den Rest des Trainingslagers.“

Auf eine besondere Technik komme es nicht unbedingt an. „Eher auf den Willen. Man darf nicht schon aufgeben, bevor der Lkw sich überhaupt bewegt hat. Und wenn er dann einmal rollt, gibt das einen richtigen Schub“, weiß Riskop.

Besser angestellt als die Handball-Herren

Wie aber haben sich die HSC-Spielerinnen angestellt? „Witzigerweise zum Teil besser als damals die Spieler aus meiner Handballmannschaft“, lacht Riskop. Woran das gelegen habe? „Sagen wir mal: Bei den Mädels war die Fläche etwas gerader, als bei uns Männern“, fügt der Torwarttrainer mit einem Augenzwinkern an.

Darleen Kramer ist die zweite Kapitänin der Damenmannschaft des Holzwickeder SC. © Privat © Privat

Aber im Ernst: Nicht nur als Mannschaft, teilweise sogar zu zweit oder – mit etwas Starthilfe – auch alleine hätten die HSC-Spielerinnen es geschafft, das riesige Gefährt über die 20 Meter lange Strecke zu ziehen. Acht Tonnen habe die Lkw-Zugmaschine gewogen. Plus Riskop hinterm Steuer, um zur Not – oder manchmal auch zum Spaß – auf die Bremse treten zu können. „Mein Körpergewicht hat den Braten dann aber auch nicht mehr fett gemacht“, betont der Coach lachend.

Nicht dauerhaft in den Trainingsplan aufnehmen

Trotz aller Freude: Darleen Kramer hofft, dass die Methode nicht fest in den Trainingsplan des HSC aufgenommen wird. „Ich glaube, das würden unsere Oberschenkel-Muskeln nicht lange mitmachen“, so die Mittelstürmerin, die betont, dass sich ihre Mannschaft jederzeit über neue Spielerinnen freuen würde. Bei Interesse, könne man die HSC-Damen einfach bei Instagram oder Facebook anschreiben.

Bleibt nur zu hoffen, dass potenzielle Bewerberinnen sich dort durch die Bilder der Hardcore-Trainingsmethoden des HSC nicht abgeschreckt fühlen – oder früher gerne DSF geguckt haben.

Weniger auf die richtige Technik, eher auf den Willen kommt es beim Lkw-Ziehen an. © Privat © Privat
Über den Autor
2014 als Praktikant in der Sportredaktion erstmals für Lensing Media aufgelaufen – und als Redaktionsassistent Spielpraxis gesammelt. Im Oktober 2017 ablösefrei ins Volontariat gewechselt und im Anschluss als Stammspieler in die Mantel-Redaktion transferiert. 2021 dann das Comeback im Sport, bespielt hauptsächlich den Kreis Unna.
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Marc-André Landsiedel

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