Ahmet Elikalfa: „Ich mache nicht den Mama-und-Papa-Job, weil die nicht erzogen wurden“

rnFC Brambauer

Der FC Brambauer greift hart durch: Nachdem in der vergangenen Saison über 50 Spieler aus dem Verein geworfen wurden, mussten jetzt vier Weitere gehen – darunter drei Leistungsträger.

Lünen, Brambauer

, 05.11.2019, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ahmet Elikalfa wird deutlich. „Solange ich da bin, wird es auch kein Zurück für diese Spieler geben“, sagt der Präsident des Fußball-B-Ligisten FC Brambauer. „Ich mache nicht den Mama-und-Papa-Job, weil die zu Hause nicht erzogen wurden.“ Namentlich möchte der Verein die hinausgeschmissenen Spieler nicht nennen. Die Gründe für den Rauswurf seien vereinsschädigendes und fehlendes soziales Verhalten innerhalb der Mannschaft und im Trainingsbetrieb gewesen.

Dabei sind drei der vier Akteure sogar Leistungsträger, die laut Elikalfa das Potenzial und das Alter haben, um in höheren Klassen zu spielen. Aber eben nicht die notwendige Disziplin: „Wir haben die goldenen Regeln nicht umsonst aufgestellt“, sagt Elikalfa, der trotz „zusammengewürfelter Mannschaft“ am vergangenen Wochenende, bei seiner harten, radikal durchgreifenden Linie bleiben will.

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Der 37-Jährige stand beim knappen 3:2-Heimsieg gegen den TuS Deusen selbst zwischen den Pfosten. Für ihn steht aber nicht mehr nur „ergebnisorientiertes Handeln“ im Fokus, sondern „das Verhalten muss auch stimmen“. Die vier entlassenen Spieler seien Problemfälle gewesen, die andere Vereine gar nicht mehr aufgenommen hätten. Elikalfa: „Aber ich bin nicht der Erziehungsberechtigte. Da schützt das junge Alter dann auch irgendwann nicht mehr.“

Aktivitäten statt Bezahlung beim FC Brambauer

Dem Präsident sei wichtig, dass beim FC Brambauer keine Gehälter gezahlt werden. Er gleiche das mit integrativen Aktivitäten aus, die er einmal im Monat ehrenamtlich organisiert. „Hier kriegt keiner auch nur einen Cent, auch Akin nicht“, sagt Elikalfa und meint damit den Trainer der ersten Mannschaft, Akin Bayrakli. „Stattdessen fahren wir nach Malle, organisieren Abende oder gehen bowlen.“ Zu sehr würde es schon im Amateur-Bereich um Ergebnisse und Geld gehen. Für ihn der falsche Ansatz: „Wir bauen unsere Jugenden gerade auf und selbst wenn wir bis in die Westfalenliga aufsteigen, würden keine Gehälter gezahlt“, sagt Elikalfa. Etwa 80 Spieler hatten in der vergangenen Saison den Verein verlassen, über 50 habe der Verein entlassen. Elikalfa: „Wer sonst würde auf so viele Beitragszahler verzichten?“

Ahmet Elikalfa fordert härtere Strafen im Amateurbereich

Emotional und besonders gesprächig wird Elikalfa beim Thema Strafen im Amateurfußball. Zu gering und undeutlich würden diese in der Regel ausfallen. „Dann kommt der Verein an, sagt, der Spieler würde Reue zeigen und dann darf der nach zwei bis drei Monaten wieder spielen“, sagt Elikalfa. Er fordert den Verband auf, klare Signale gegen asoziales Verhalten und Gewalt im Fußball zu setzen. Spieler, Schiedsrichter, aber auch die Vereine müssten besser geschützt werden. Denn die Negativschlagzeilen in den Medien, bedingt durch Auseinandersetzungen und Beleidigungen „am Platz“, beeinflussen die Zuschauerzahlen. „Du willst doch mit deiner Frau nicht zum Spiel gehen und dir dann Beleidigungen und Gewaltszenen antun“, sagt Elikalfa. „Man muss einfach härter durchgreifen und wenn die Vereine das stärker zu spüren bekämen, würde sich auch etwas ändern.“

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