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Ersan Kusakci ist neu beim Lüner SV. Ein Saisonspiel hat der 25-Jährige bereits absolviert. Nun will er mehr. Mario Plechaty will dem Defensivmann aber noch Zeit geben. Hinter Kusakci liegt nämlich eine lange Leidenszeit. In der erhielt er Unterstützung eines Ex-Borussen.

Lünen

, 06.09.2018 / Lesedauer: 5 min

Ein bisschen verzweifelt war Ersan Kusakci schon. Vor zwei Jahren. Damals noch in der Türkei. Die Diagnose, die der Fußballer während seines Aufenthalts beim türkischen Zweitligisten Gümüshanespor erhielt, war ernüchternd: Schambeinentzündung. Damit verbunden – eine lange Zwangspause. Ein Horror für den fußballverrückten Kusakci: „Ohne Fußball bin ich durchgedreht“, sagt er heute. Unterstützung erhielt der aktuell in Dortmund lebende Kusakci damals von einem prominenten Fußballer: Pierre-Emerick Aubameyang. Der Ex-Profi von Borussia Dortmund ist bis heute einer der engsten Freunde Kusakcis.

Aus Hamm nach Lünen

Mittlerweile ist Kusakci beim Lüner SV angekommen, hat sich in diesem Sommer dem Westfalenligisten angeschlossen, bei dem auch Ersan Kusakcis Bruder Ersin spielt. Ersan Kusakci kam von der Hammer Spielvereinigung aus der Oberliga in die Lippestadt. In Hamm absolvierte der 25-Jährige allerdings kein Spiel. „Nach meiner doppelten Schambeinentzündung habe ich mir in Hamm dann auch noch einen Schienbeinkopfbruch zugezogen“, sagt Kusakci. Man merkt: Hinter dem Dortmunder liegt eine beachtliche, fußballerische Vita, mit der allerdings auch einige Rückschläge verbunden sind.

Aubameyang-Kumpel spielt beim Lüner SV

Gemeinsam mit Pierre-Emerick Aubameyang (r.) hat Ersan Kusakci schon einige Partys gefeiert.

Begonnen hatte alles beim TSC Eintracht Dortmund in der Jugend. Schnell wurde aber klar, dass Ersan Kusakci ein großes Talent besitzt. Zunächst zog es ihn zum VfL Bochum in die Jugend, später zum SC Paderborn, ehe er bei Westfalia Herne für die Senioren kickte. Das war 2011. Zu Aubameyang hatte Kusakci zu jener Zeit noch keinen Kontakt. Nach der Zeit bei Westfalia Herne kickte Ersan Kusakci gemeinsam mit seinem Bruder Ersin für RW Ahlen und schnupperte für ein Jahr Oberligaluft.

Ab in die Türkei

Danach verließ Kusakci Deutschland. In Richtung Türkei. Seine zweite Heimat, er kickte dort unter anderem in der zweiten türkischen Liga für Adiyamanspor. Später ging es weiter zu Altay und Göztepe. Zwischendurch landete Kusakci dann auch noch in Rumänien, spielte dort für eine Spielzeit beim Erstligisten Universitatea Cluj. „Ich war damals ein Führungsspieler“, erinnert sich der 25-Jährige, der zu der Zeit häufig noch auf der Sechserposition zum Einsatz kam.

Dennoch zog es Kusakci zurück nach Deutschland. Ab Juli 2014 stand er wieder bei Westfalia Herne unter Vertrag. Allerdings nicht lange. Nur ein halbes Jahr später wechselte er zum FC Kray. „Das war eine sehr negative Saison für mich. Da hatte ich auch viele Verletzungen, zum Beispiel einen Muskelbündelriss“, so Kusakci. Während dieser Zeit lernte der LSV-Spieler allerdings Aubameyang kennen. Willy Aubameyang, der Bruder des ehemaligen Torschützenkönigs der Bundesliga, spielte nämlich ebenfalls beim FC Kray. „Willy und ich haben uns schnell angefreundet. Wir haben uns nach dem Training mehrfach privat getroffen, da habe ich dann auch Pierre-Emerick kennengelernt“, sagt Kusakci. Seither gehen die beiden Aubameyangs und Kusakci durch dick und dünn.

Aubameyang-Kumpel spielt beim Lüner SV

Gute Freunde: Ersin Kusakci (2. v.l.) und Ersan Kusakci (r.) sind unter anderem mit Ousmane Dembele (l.) und Pierre-Emerick Aubameyang (M.) gut befreundet.

„Die beiden sind wie Brüder für mich. Aubameyang ist mein bester Freund“, sagt Ersan Kusakci, der auch während seines zweiten Türkeiaufenthalts Kontakt zum Torjäger hielt. In Gümüshanespor zog sich Kusakci dann die schwere Verletzung am Schambein zu.

„Auba hat mich damals immer weitermotiviert und stand mir bei. Er hat mir Beispiele aus seiner Verletzungszeit gegeben und mich jedes Mal daran erinnert, wie schnell sich das Blatt wenden kann“, so Kusakci, der über Aubameyang auch Freundschaften zu Ousmane Dembele oder Emre Mor, beide ehemalige BVB-Profis, führt. Mittlerweile spielen weder Aubameyang, Mor noch Dembele für die Borussia. Das Trio ist ins Ausland gewechselt. Kontakt hält Kusakci trotzdem – vor allem zu Aubameyang, den er auch schon mehrfach in London beim FC Arsenal besucht hat.

Für den LSV-Kicker stand kurz nach der Diagnose Schambeinentzündung eine lange Reha-Zeit an. In Wuppertal traf Kusakci während seiner Rehabilitation auch auf BVB-Profi Marco Reus, der an der gleichen Verletzung laborierte. „Mein Ziel war es, so schnell wie möglich zurückzukommen. Das war mein Fehler. Ich war zu ehrgeizig“, so Kusakci, der sich nach der ersten Schambeinentzündung direkt die zweite zuzog.

Rückkehr nach Deutschland

Angeschlagen kehrte Kusakci 2017 nach Deutschland zurück. Ihm lagen mehrere Angebote vor. Unter anderem vom Lüner SV und von der Hammer Spielvereinigung. Letztendlich entschloss er sich für den Oberligisten. Dort verletzte sich Kusakci aber erneut, sodass er kein Pflichtspiel für die HSV bestritt. Nun beim Lüner SV will er fußballerisch wieder Fuß fassen. Eine Halbzeit kickte Kusakci auch schon. Das war am zweiten Spieltag beim 3:2-Heimsieg gegen den BSV Schüren. Kusakci kam auf der Linksverteidigerposition zum Einsatz. Nicht seine allerliebste Position, wie der Sechser zugibt. „Ich spiele am liebsten auf der Sechs. Dort fühle ich mich wohler, habe mehr Übersicht und kann auch mal das Tempo rausnehmen. Natürlich spiele ich aber auch in der Viererkette“, sagt Kusakci.

Dort sieht ihn sein Trainer Mario Plechaty momentan auch am ehesten. „Ersan bringt eine große fußballerische Qualität mit. Er war aber lange verletzt, deswegen sehe ich ihn eher in der Viererkette als auf der Sechs“, so Plechaty, der Kusakci als „angenehmen, lustigen Typen“ beschreibt, der eine „gewisse Lockerheit und Spaß“ ins Team bringe.

Ambitionierte Ziele

Mit den Lünern hat sich Ersan Kusakci ambitionierte Ziele gesetzt. „Das Ziel ist der Aufstieg. Das Konzept des Vereins hat mich voll überzeugt. Ich bin vor allem auch wegen Mario Plechaty und Imdat Acar nach Lünen gewechselt“, so der 25-Jährige, der die Entwicklung der Lüner bereits seit Jahren verfolge.

Ganz bei 100 Prozent sei Kusakci nach seinen schweren Verletzungen zwar noch nicht, er befinde sich aber auf einem guten Weg. „Ich habe noch Trainingsrückstand. Ich denke, dass ich noch so ein, zwei Wochen brauchen werde, bis ich voll da bin“, sagt der LSV-Neuzugang, der auch über eine Trainer-B-Lizenz verfügt.

Aubameyang-Kumpel spielt beim Lüner SV

Ersan Kusakci (l.) peilt mit dem Lüner SV den Aufstieg an. © Foto: Timo Janisch

Aktuell macht Kusakci sich intensiv Gedanken über ein zweites Standbein im Fußballgeschäft. Der 25-Jährige würde gerne als Scout arbeiten. Am liebsten bei Borussia Dortmund. Seiner neuen Heimat, wie er sagt. „Ich hatte vom BVB schon ein Angebot als U14-Trainer. Das habe ich aus zeitlichen Gründen aber ausgeschlagen“, gibt er zu. Ein Posten als Scout kommt für Kusakci aber definitiv infrage. „Da würde ich gern so schnell wie möglich reinschnuppern“.

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