Er ist einer der erfolgreichsten Lüner Fußballer. Mit dem BVB spielte er gegen Real Madrid und holte sich die Deutsche Meisterschaft. Nun feierte er seinen 80. Geburtstag.

von Bernd Janning

Lünen

, 18.02.2020, 14:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Aufeinandertreffen mit Ferenc Puskas blieb ihm für immer in Erinnerung. Durch ein Kreispokalfinale in den 1950er Jahren mag er Schalke 04 nicht und schloss sich deswegen Borussia Dortmund an. Nun wurde dieser Lüner 80 Jahre alt.

Mit Horst „Mete“ Steinkuhl feierte einer der erfolgreichsten Fußballer des Traditionsvereins VfB 08 Lünen am Sonntag seinen 80. Geburtstag.

„Mete“ erzählt: „Eigentlich durfte man erst mit zehn Jahren Mitglied eines Vereins werden. Aber ich war, wie auch immer, 1948 mit acht Jahren schon beim VfB dabei. Mein Vater Walter wollte eigentlich, dass ich Rennradfahrer werden. Aber nach einigen Stürzen auf der einstigen Bahn in der „Geist“ war es damit vorbei.“

Die Geschichte der Fußballer des VfB 08 Lünen ist voller Höhepunkte. Zu Beginn der 50er Jahre spielten die Senioren in der neuen Westfalenliga. 1964 gab es den damals zu Zeiten des „Kalten Krieges“ einmaligen deutsch-sowjetischen Jugend-Austausch zwischen Spartak Moskau und den Südern.

Horst Steinkuhl: „Seit dem kann ich Schalke 04 nicht mehr leiden.“

Die Jugend der Schwarz-Weißen war es, die zwischen diesen Zeiten mit ihren Erfolgen tausende Zuschauer auf den damaligen Platz am Triftenteich lockte. Unter der Führung von Heinrich Konietzka als Jugendleiter feierte sie 1955/56 den Kreispokalsieg. 1957/58 wurde sie Kreismeister. Das Double glückte in der Saison 1956/57. Im Kampf um die Industriemeisterschaft wurde in Hagen Boele-Kabel ausgeschaltet. Die 08er führten schon 4:0, zitterten sich dann mit einem 4:3 zum knappen Sieg.

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Im Kreispokalfinale 1957, vor 63 Jahren, war der ruhmreiche FC Schalke 04 der Gegner. Einer der Süder, der damals im Team dabei war, heißt Horst „Mete“ Steinkuhl. „Wir haben zwar 1:2 verloren. Aber das ist kein Thema. Normal sollte das Spiel bei uns auf dem Triftenteich stattfinden. Auf einmal hatten aber die Schalker Heimrecht. Und dann gab es die Abrechnung. Zwischen 04 und uns wurde das Eintrittsgeld von 2200 Besuchern geteilt. Für uns waren dort aber 6, 7 oder 8000 Zuschauer am Platz. Seit diesem Tag mag ich die Schalker nicht leiden“, so Steinkuhl.

Wie gut die VfBer trotz des 1:2 waren, zeigt, dass aus diesem Team unter Trainer und Betreuer Willi „Vadder“ Heurich sieben Süder Jungs den Sprung in den Profi-Fußball schaffen: Neben Steinkuhl waren dies auch bei Borussia Dortmund Friedhelm „Stina“ Konietzka, der sich später auf Timo umtaufte, und Rolf „Rölle“ Thiemann, der in Holland „Fußballer des Jahres“ wurde, und später auch für den Lüner SV spielte.

Horst Steinkuhl erinnert sich gerne zurück.

Horst Steinkuhl erinnert sich gerne zurück. © Privat

Und was bleibt vom A-Jugend-Finale gegen Schalke für „Mete“ heute noch in Erinnerung? „Das 1:2 haute uns Waldemar Gerhardt in die Maschen. Der Außenstürmer schoss einen Freistoß so scharf, dass unser Schlussmann Max Hillebrandt diesen nicht halten konnte. Gerhardt hatte ich später auch bei Borussia als Gegenspieler, wenn wir gegen Schalke spielten.

Doch warum heißt Horst eigentlich „Mete“? Er klärt auf: „Wir hielten uns damals eine Ziege, eine „Mete“. Mein Vater Walter war der „alte Mete“, mein 13 Jahre älterer Bruder Walter der „große Mete“ und ich der „kleine Mete“.“

Mit Timo Konietzka zur Deutschen Meisterschaft

Sein erstes Seniorenspiel absolvierte Steinkuhl 1958 bei der Eröffnung der Kampfbahn Schwansbell, der heutigen Heimat des Lüner SV, gegen Rot-Weiß Essen. Über die Konietzka-Brüder kam er 1960 zur Dortmunder Borussia – zuerst zum Probetraining, dann ins Stammteam. Ein Jahr später ging noch das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen den 1. FC Nürnberg 0:3 in Hannover verloren. 1963 wurde jedoch der Titel mit einem 3:1 in Stuttgart gegen den 1. FC Köln geholt.

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Ewig in Erinnerung bleibt die Teilnahme mit dem BVB bei einem Turnier in Sevilla mit Spielen gegen den Gastgeber, Bolton Wanderers aus England und Real Madrid. Steinkuhl: „Ich habe gegen den Weltstar, den gebürtigen Ungarn Ferenc Puskas gespielt, hatte ihn, glaube ich, gut unter Kontrolle!“ Was damals selbstverständlich war: Auf dem Rückweg nach Dortmund trat der BVB noch um 24 Uhr in Barcelona an.

Die Mannschaft des VfB Lünen 1956.

Die Mannschaft des VfB Lünen 1956. © Privat

In Dortmund galt der Süder als einer der Lieblingsspieler von Trainer Max Merkel. Merkel. Dieser, von 1958 bis 1961 bei Borussia, hätte ihn auch gerne mit zu seinem neuen Verein, 1860 München, genommen. Unter Hermann Eppendorf als Nachfolger, von 1961 bis 65 beim BVB, hatte Steinkuhl schlechte Karten. Tja, Eppendorf war eben ein Ex-Schalker.

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Als der Mittelfeldspieler Steinkuhl, er bestritt in den drei Jahren 26 Spiele, Differenzen mit dem BVB-Vorstand hatte, ging er zu seinem VfB zurück.

Umworben wurde er damals auch von Beckum. „Ein großer Spediteur hätte mich gern verpflichtet, bot mir Arbeit an. Gleichzeitig dachten auch Teile des damaligen Regionalliga-Aufsteigers Lüner SV und ich, wir kämen zusammen.“ Doch der damalige Trainer Werner Nagerski war so von der Qualität seiner Mannschaft überzeugt, dass er auf jedwede Verstärkung verzichtete. Nagerski stieg mit seinem Team bekanntlich nach einer Saison ab.

Nach der Karriere ließ es „Mete“ ruhiger angehen

Steinkuhl entscheid sich für einen sicheren Arbeitsplatz in Lünen bei der damaligen Westfalia, lief noch für seinen VfB auf, wo er sich in seinem Abschiedsspiel in einer Traditionself noch einen Muskelfaserriss zuzog.

Geblieben sind Haus und Garten, das Angeln am nahe gelegenen Kanal und der Posaunenchor. „Wer ins Blech bläst, weiß, was er noch in den Lungen hat“, lacht er. „Es ist schön, dass sich noch so fit bin. Unterstützung habe ich durch ein Elektromobil. Damit komme ich schnell zum Preußen-Hafen oder zum Forellenteich nach Rünthe. Ich Sommer kann ich so ganz auf das Auto verzichten. Jetzt plane ich mit Kameraden aus dem Schützenverein Lünen-Süd eine Angeltour über zwei bis drei Tage.“

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