Corona-Fall des SuS Oberaden bekam zwei Tage vor Türkspor-Spiel vom Arzt einen Freibrief

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Er war der erste Corona-Fall beim SuS Oberaden. Eine Infektion, die viele Folgen hatte. Nun spricht der Spieler erstmals darüber und erklärt, wie die vergangenen Tage für ihn waren.

Lünen

, 06.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Während vergangenen Samstag (1.8.) knapp 20.000 Menschen durch Berlin marschierten, ohne Abstand, ohne Masken, dabei in großen Teilen das Coronavirus leugneten, saß Rolf X. (Name geändert) in seinem Zimmer auf seinem Bett.

X. wartete auf das Ergebnis seines Tests, den er hat machen lassen - auf Covid-19, das Coronavirus.

Am Mittwoch geht er zum Hausarzt

Fünf Tage zuvor ging die dramatische Woche, die sich für X. wie eine Odysse angefühlt hat, los. Montags bekam X., der anonym bleiben möchte, Fieber und schmeckte immer weniger.

Am Mittwoch entschloss er sich zum Hausarzt zu gehen. X. fühlte sich zwar schon besser, aber der leichte Geschmacksverlust machte ihm Sorgen. Der Arzt, dessen Name X. nicht nennen möchte, hätte gesagt, es handelt sich um eine leichte Sommererkältung.

„Der Hausarzt hatte mir gesagt, es kann kein Corona sein“, schildert X. es.

Er solle sich ausruhen und sobald er wieder fit ist, könne er wieder ganz normal seinen Hobbys nachgehen.

X. spielt Fußball beim A-Ligisten SuS Oberaden. Das tut er bereits seit mehreren Jahren. Durch die Hygienevorschriften für Fußballteams teilen sich bei dem Verein momentan fünf Spieler eine Kabine.

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X. machte sich weniger Sorgen, er fühlte sich besser, die Probleme mit dem Geschmackssinn schienen verflogen. Donnerstag ging er zum Training seines Klubs, am Freitagabend lief er im Freundschaftsspiel gegen den Landesligisten Türkspor Dortmund auf.

Den Tag darauf war sein erster Arbeitstag bei einer neuen Stelle. Er ging hin, merkte aber erneut die Probleme mit dem Geschmackssinn. Dieser war komplett verschwunden. X. schmeckte nichts mehr. „Ich bin dann nach der Arbeit zum Klinikum Nord nach Dortmund gefahren und habe mich auf das Coronavirus testen lassen“, erzählt er.

Einen Tag später gab es die Nachricht für X., dass er sich mit dem Coronavirus infiziert hatte. Wie das passieren konnte, war für ihn nicht erklärbar. Von da an ging es für ihn darum, alle Kontakte der vergangenen Tage zurückzuverfolgen. Er gab seinem Arbeitgeber, seinem Verein und seiner Familie Bescheid.

Spieler lassen sich alle testen

„Man fühlt sich schuldig“, erzählt X., „obwohl man ja gar nichts dafür kann.“ Sein Fußballverein, der SuS Oberaden, handelt im Anschluss vorbildlich, informiert alle Personen, die mit X. in den vergangenen Tagen hätten Kontakt haben können.

Oberaden lässt alle seine Spieler testen. Zudem ruht beim Klub aus Bergkamen für eine Woche der Trainings- und Spielbetrieb komplett.

Vier Tests auf das Coronavirus waren aber positiv. Alle vier saßen gemeinsam mit X. in einer Kabine. „Die waren nicht gerade erfreut“, sagt X. über die Reaktion seiner Mitspieler. „Es war schon ein Schock, was danach alles passiert ist.“

Denn nicht nur Oberaden lässt sich testen, sondern auch Türkspor Dortmund, der Gegner vom Freitag. Zudem sagt Türkspor Oberligist Westfalia Herne Bescheid, da beide Teams am Samstag ein Testspiel gegeneinander bestritten.

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Außergewöhnlich wird es am Platz von GS Cappenberg am Sonntag. Dort leitet der Schiedsrichter das Spiel, der beim Testspiel am Freitag als Linienrichter fungierte. Auch er könnte Kontakt zu X. gehabt haben.

Doch Oberaden erreicht den Schiedsrichter nicht mehr rechtzeitig, das Spiel startete bereits um 13 Uhr. Stattdessen sagte der Klub dem ersten Vorsitzenden des TuS Westfalia Wethmar Bescheid, der mit seiner dritten Mannschaft dort spielte. Stephan Polplatz hat die Situation erklärt bekommen, eilte von seinem Privathaus mit dem Auto nach Cappenberg und brach das Spiel eigenhändig ab.

X. verfolgte die Folgen seiner Coronainfektion in den Tagen danach in der Presse mit. Er selbst ist seitdem in Quarantäne, verlässt das Zimmer im Hause seiner Eltern nicht. „Die lassen das auch nicht zu“, sagt er. Seine Eltern haben sich auch testen lassen, seine Mutter und seine Schwester sind ebenfalls positiv. Der Vater und sein Bruder nicht.

Freunde bringen ihm Essen und Getränke mit, er vertreibt sich die Zeit mit Netflix, guckt Serien und Filme. Dabei macht er sich Sorgen, denn auch seinen Opa könnte X. angesteckt haben. „Ihm geht es zurzeit nicht gut, er ist krank“, sagt er.

Leichter Husten, aber wieder etwas Geschmackssinn

X. selbst geht es mittlerweile besser. „Mir geht es wieder gut“, erzählt er, fängt dabei aber an zu Husten. Diesen hatte er in den Tagen zuvor leicht bekommen, sein Geschmackssinn ist aber wieder voll da. Ein Symptom, mit dem viele Covid-19-Patienten auch noch lange nach ihrem ersten Test Probleme haben.

Bis kommenden Dienstag befindet sich X. in Quarantäne, dann darf er wieder raus. Verwunderlich dabei: X. müsste sich nicht erneut testen lassen auf das Coronavirus, sondern könnte dann einfach wieder anfangen zu arbeiten und zum Fußball gehen.

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„Ich will mich auf jeden Fall noch mal testen lassen“, sagt er, „ich möchte da kein Risiko eingehen.“

X. hat noch einen Appell. „Mit dem Virus ist nicht zu spaßen“, sagt Rolf X.. Eine Nachricht, die bei den Demonstranten in Berlin am vergangenen Samstag wohl keine Wirkung hätte.

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