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Dem Bodybuilding ist Dirk Gebhard schon seit über 30 Jahren verfallen. Seinen bis dato größten Erfolg hat der gebürtige Lüner in diesem Jahr gefeiert - und das ganz ohne Dopingmittel.

Lünen, Selm

, 07.12.2018 / Lesedauer: 5 min

Ab in den Powerraum. Im Sportstudio Liedtke in Lünen. Hier startet der Bodybuilder Dirk Gebhard sein Training, aktuell sechs Mal pro Woche. Der 47-Jährige ist noch immer im Wettkampfmodus. Und das, obwohl sein großer Wettkampf in 2018 schon über einen Monat zurückliegt. In Siegen hat es der mittlerweile in Selm wohnhafte Sportler Ende Oktober bis ins Finale der GNBF-Meisterschaften (German Natural Bodybuilding & Fitness Federation, Anm. d. Red.) geschafft. In der „Masters I“-Klasse der Männer von 40 bis 49 Jahren wurde Gebhard am Ende Vierter. „Damit bin ich auf jeden Fall zufrieden. Ich bin jetzt in Schlagdistanz zu den Top drei“, sagt der Kraftsportler.

Darum sind Anabolika für Bodybuilder Dirk Gebhard (47) keine Option

So sah Dirk Gebhard während seines Wettkampfes aus. © Dirk Gebhard

Gebhard schnappt sich die Langhantel. „Heute steht Rückentraining an“, sagt der 1,84 Meter große Kraftsportler und beginnt mit einer Ruderübung. Der Powerraum im Sportstudio Liedtke, Im Engelbrauck in Lünen, ist für Gebhard mittlerweile zu einem zweiten Wohnzimmer geworden. Die anderen Kraftsportler, die hier trainieren, schätzen und respektieren ihn. Nicht zu Unrecht.

Keine Frau, keine Kinder

Gebhard ist durch und durch Bodybuilder. Schon seit vielen Jahren hat er sich dem Fitnesssport verschrieben. Ehefrau und Kinder hat er auch deswegen nicht. Für ein ausgedehntes Familienleben hätte er momentan ohnehin zu wenig Zeit. Zu viel Zeit nehme beispielsweise eine Wettkampfphase in Anspruch. „Das Leben ist dann 24 Stunden auf das Bodybuilding ausgerichtet. Da geht es nicht nur um das Training und die Ernährung“, sagt Gebhard, der beruflich als Medizinprodukteberater im Außenhandel arbeitet und ergänzt: „Fitness ist für mich das Leben. Gesundheit steht an erster Stelle. Es ist immer wichtig, dass man in seinen Körper hineinhorcht“, so Gebhard, der über kurz oder lang in diesem Arbeitsbereich nebenberuflich tätig sein möchte. „Vielleicht als Gesundheitscoach“, sagt der Selmer.

Darum sind Anabolika für Bodybuilder Dirk Gebhard (47) keine Option

Das Rudern gehört zu Dirk Gebhards Lieblingsübungen. © Günther Goldstein

Aber wann und wie fing diese Leidenschaft für den Fitnesssport überhaupt an? Da müssen wir ein paar Jahre zurückdrehen, in die Zeit, als Gebhard noch ein Teenager war. Über 30 Jahre ist es her, als Dirk Gebhard seine ersten richtigen Erfahrungen mit dem Kraftsport gemacht hat. Damals war er übrigens noch einer anderen Sportart verfallen - dem Fußball.

Vom Fußballer zum Bodybuilder

Bis zur A-Jugend kickte Gebhard für den SuS Oberaden. Dann riet ihm sein damaliger Trainer, als Verteidiger doch ein wenig zuzulegen. Gebhard wog damals nur knapp 70 Kilogramm. Der Bodybuilder zögerte nicht lange, meldete sich mit einem Kumpel im Fitnessstudio an. Das war im Januar 1987. Mehr und mehr geriet nur der Fußball in den Hintergrund. Gebhard hatte eine neue Sportart für sich entdeckt. Fitness und Muskelaufbau. Mittlerweile wiegt er zwischen 91 und 92 Kilogramm. Eines seiner größten Vorbilder war und ist dabei Arnold Schwarzenegger.

Darum sind Anabolika für Bodybuilder Dirk Gebhard (47) keine Option

Dirk Gebhard freute sich über Platz vier. © Dirk Gebhard

1994 bestritt Gebhard seinen ersten Wettkampf überhaupt. Klaus Liedtke vom Sportstudio hatte damals Studiomeisterschaften veranstaltet. Dort sammelte Dirk Gebhard seine ersten Bühnenerfahrungen. „Ich habe dann Blut geleckt und wollte mehr. Ich habe mich informiert, welche Wettkämpfe es auf nationaler Ebene gibt. Diese Sportart hat Suchtcharakter“, erinnert sich der 47-Jährige. Zu der Zeit lernte Gebhard dann auch den Verband IFBB (International Federation of Bodybuilding & Fitness, Anm. d. Red.) kennen.

Erfolg bei den Newcomer-Meisterschaften

Zwei Jahre später meldete sich der Kraftsportler zum ersten Mal für einen größeren Bodybuilding-Wettkampf an. Bei den Newcomer-Meisterschaften erreichte er prompt den zweiten Platz, parallel bei den Landesmeisterschaften wurde er Dritter und qualifizierte sich somit für die Deutschen Meisterschaften. „Damals hatte ich Lampenfieber, so wie ein Schauspieler. Das war ein unbeschreibliches Gefühl, auf der Bühne zu stehen. Das Herz blieb mir fast stehen“, sagt Gebhard heute.

Seinen vorerst letzten Wettkampf bestritt er dann im Jahre 2000, ehe Gebhard eine längere Wettkampfpause einlegte. Bei den internationalen Deutschen Meisterschaften visierte der Selmer einen Platz unter den besten Zehn an. Das glückte. „Ich bin dann am Ende Neunter geworden, habe mein Ziel erreicht“, so der Bodybuilder weiter. Damals stand Gebhard auch mit Bodybuildern wie Dennis Wolf oder Günter Schlierkamp auf der Bühne, die mittlerweile als Profis arbeiten.

Wie geht es weiter?

Es war allerdings eine Phase, in der Gebhard ein wenig ins Zweifeln geriet. Eine Zeit, in der er alles ein wenig hinterfragte. Auch den Sport? „Ich habe mich gefragt, ob das wirklich alles sein kann“, so Gebhard, der bis 2015 eine Wettkampfpause einlegte, aber dennoch regelmäßig trainieren ging. „Ich habe schon gemerkt, dass das Training gut für mein Wohlbefinden ist“, sagt er. Von schlimmeren Verletzungen blieb Gebhard weitgehend verschont. Vor rund drei Jahren zog er sich allerdings einmal einen Quadrizepssehnenanriss

2015 packte ihn dann erneut der Ehrgeiz. „Ohne Frau und Kinder bin ich mit über 40 Jahren wieder auf den Trichter gekommen, an Wettkämpfen teilzunehmen“, berichtet er. Das Feuer hatte ihn wieder gepackt. Dieses Mal aber bei einem anderen Verband, den GNBF-Meisterschaften. Ein Verband, der 2003 in Hamburg gegründet wurde und der sich für das dopingfreie Bodybuilding einsetzt. Das hat Dirk Gebhard imponiert, der früher selbst zu Substanzen wie Anabolika gegriffen hat, mittlerweile aber klarer Gegner des Dopings ist.

Darum sind Anabolika für Bodybuilder Dirk Gebhard (47) keine Option

Dirk Gebhard startet sein Training jedes Mal im Powerraum. © Günther Goldstein

„Ich verstehe die Leute inzwischen nicht mehr. Wer zu Dopingmitteln greift, um sein Ziel zu erreichen, der ist in meinen Augen ein Schwächling. Ich verabscheue Anabolika und Steroide. Mit Willenskraft und Disziplin kann man seine Ziele auch erreichen. Das dauert halt nur etwas länger“, sagt Gebhard, der sich seit 2015 mit Dopingkontrollen konfrontiert sieht. Diese sehen unterschiedlich aus. Von Sichtkontrollen über Urinproben bis hin zu Haarproben reichen die Testungen des Verbandes. Gebhard findet es gut, dass getestet wird.

Drei Mal in Serie

Zum dritten Mal in Serie hat Gebhard seit 2015 an den Wettbewerben des GNBF teilgenommen. In diesem Jahr glückte ihm der Sprung unter die Top sechs. Mit dem vierten Platz in der „Masters I“-Klasse von 40 bis 49 Jahren ist das Sportjahr 2018 für ihn beendet. Wie genau es weitergeht, weiß Gebhard noch nicht. „Ich spiele mit dem Gedanken, noch einmal in der Klasse von 40 bis 49 Jahren zu starten“, hat Gebhard noch keine Entscheidung für das kommende Jahr getroffen. Schon jetzt ist aber klar: Fitness und Bodybuilding werden auch in 2019 wieder eine elementare Rolle im Leben des 47-Jährigen spielen.

Gebhard zieht mit voller Wucht die Langhantel hoch. Mittlerweile hängen mehrere dicke Hantelscheiben daran, 180 Kilogramm insgesamt. „In dieser immer schnelllebigeren Wert, in der auch die beruflichen Anforderungen höher werden, ist es wichtig, dagegen anzugehen. In einem gesunden Körper steckt auch ein gesunder Geist. Ich denke, dass der Lifestyle dazu beitragen kann, dass Leute aus ihren Tiefs geholt werden“, so der Bodybuilder abschließend, der in der Vergangenheit vor allem in Zeiten von Liebeskummer und Stress auf der Arbeit von seiner Leidenschaft profitierte.

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