Ein ganz besonderer Lauf: Michael Petry schafft die 100 Kilometer - „Hoch emotional“

Laufen

Michael Petry hat es geschafft. Der Ultraläufer schaffte es, die 100 Kilometer rund um den Lippedamm zu laufen. Eine besondere Leistung, ein besonderer Tag. Aus verschiedenen Gründen.

Lünen

, 31.07.2020, 15:29 Uhr / Lesedauer: 3 min
Michael Petry bewältigte 100 Kilometer vergangenen Samstag in Lünen.

Michael Petry bewältigte 100 Kilometer vergangenen Samstag in Lünen. © Döring

Ein Biss in die Bratwurst, die Mundwinkel gehen nach oben. Dazu eine Flasche Wasser. Michael Petry ist gutgelaunt. Der Läufer wirkt tiefenentspannt, guckt sich mit Genügsamkeit das Fußball-Testspiel zwischen BW Alstedde und dem SV Preußen Lünen an.

Nichts an ihm macht den Eindruck von dem, was er einen Tag zuvor körperlich geleistet hat. 100 Kilometer ist er gelaufen. Einhundert Kilometer. Am Stück. Eine Strecke, die viele Menschen nicht einmal in einer Woche, geschweige denn einem Monat laufen.

Michael Petrys persönlicher Ultramarathon

Petry lief sie innerhalb eines Tages und stand am Sportplatz am Heikenberg frisch wie eh und je. „Der Muskelkater wird morgen erst kommen“, sagt er und lacht dabei.

In den vergangenen Wochen und Monaten litt Petry unter den coronabedingten Unterbrechungen. Keine Wettbewerbe. Ergo keine Vorbereitung auf ein konkretes Ziel. Doch Petry lief, hielt sich dauerhaft im Training und setzte sich ein eigenes Ziel: seinen persönlichen Ultramarathon.

100 Kilometer in seiner Heimat, seiner Stadt: Lünen. Den Lippedamm entlang, knappe sieben Kilometer pro Runde, ganze 14 Mal.

„Erlebt habe ich sie bombastisch“, sagt er über die 100 Kilometer. „In heimischer Kulisse war es ganz besonders. Hoch emotional“, beschreibt er die Gefühlslage während des Laufs.

Petry wurde unterstützt von vielen Läufern aus der Umgebung. Einige liefen einen Marathon, also 42 Kilometer, eine Läuferin aus Köln hielt sogar die kompletten 100 Kilometer mit ihm durch. Neun Leute sind mit ihm gestartet.

„Ich war niemals alleine“, erzählt Petry. Und während er davon spricht, ist dieser eigentliche Eindruck, das Läufer lediglich für sich sind und einen Einzelsport betreiben, verschwunden. Petry erzählt mit solch einer Faszination und Leidenschaft von der Lauf-Community, von der Unterstützung, die er erhalten habe, vor, während und nach dem Lauf, dass der Eindruck entsteht, es handle sich dabei um einen Mannschaftssport.

Michael Petry trägt es auf seinem T-Shirt: „Born to run“

„Wir verkörpern irgendwas als Läufer und diesen Gedanken möchte ich verkörpern“, erklärt er. Dieser Gedanke steht auf seinem T-Shirt: „Born to run“. Geboren, um zu laufen. Bei Petry passt es und er trägt es nach außen. „Mir liegt viel dran, dass ich Menschen daran motiviere“, sagt er.

Das Laufen liegt ihm am Herzen. Und die Frage danach, ob es denn für ihn das Laufen oder das Joggen ist, beantwortet er eindeutig: „Wir sind Läufer.“

Dass er dabei nicht nur von sich redet, sondern den Plural nutzt, also vom „Wir“ spricht, macht deutlich, er redet von der Lauf-Community.

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Und dieser Zusammenhalt ist spürbar. Die neun Läufer, die mit ihm starteten, wagten sich bereits um 6 Uhr in der Früh an den Lippedamm und legten gemeinsam mit ihm los. 13 Stunden war Petry circa unterwegs.

Dabei blieb ein kleiner Schock nicht aus: „Nach 30 Kilometern hatte ich einen sehr, sehr strammen Hüftbeuger, den ich kaum gelöst bekommen habe.“ Schlimmste Befürchtungen waren schon in seinen Gedanken, „da hast du ein bisschen Kopfkino“, beschreibt er es. Doch die Mühen und der Ehrgeiz es weiterhin durchzuziehen, haben sich gelohnt, ab Kilometer 50 hatte sich der Hüftbeuger wieder gelöst, die Schmerzen in dem Bereich waren abgeklungen.

Ein emotionaler Lauf für Petry

Und dieser so emotionale Lauf bewegte Petry aus verschiedenen Gründen: Zum einen, „weil die Leute, die da waren, die Laufliebe verkörpern, die ich auch verkörpere.“ Hinzu kommt, dass es sich um Lünen, seine Heimatstadt, handelt. Und der bewegendste Grund ist, dass er mit seinen beiden engsten Vertrauten in das Ziel laufen konnte: seiner Frau Angela und seinem 11-jährigen Sohn.

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„Das hast du sonst nirgendwo, das wird nicht wiedergekommen“, beschreibt er es. Für ihn ist es deshalb auch mit keinem Wettkampf zu vergleichen. 10 Mal hatte er bereits im Voraus die 100 Kilometer bewältigt, das elfte Mal in Lünen vergangenen Samstag, war ein ganz besonderes.

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