Trotz der Corona-Lockerungen hat bei den meisten Lüner Vereinen das Training noch nicht begonnen. Wo aktuell kontaktlos trainiert wird, mutieren die Trainer zum Putzteufel.

Lünen, Alstedde, Gahmen, Brambauer, Wethmar, Niede

, 22.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Bild, das selbst die ältesten Fußball-Fans in dieser Form wahrscheinlich noch nicht erlebt haben: Maximal zehn Akteure stehen beim Training des B-Kreisligisten BV Lünen auf dem Platz. Die Trainer haben die Aufgabe, vor, nach und während des Trainings Bälle, Trainingsgeräte, Stühle und Klinken zu desinfizieren - streng nach Vorgabe eben.

„Es ist ein ekelhafter Aufwand“, sagt Florian Dellbrügge, Geschäftsführer und Hygiene-Beauftragter beim BV Lünen. „Ich habe das auch schon selbst gemacht, aber das ist es wert, wenn die Leute mit einem breiten Grinsen auf den Platz kommen und nach zwei Monaten wieder vor den Ball treten dürfen.“ Seit fast zwei Wochen gibt es beim BV wieder eine Art Trainingsbetrieb, allerdings vorläufig nur ab der D-Jugend.

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„Es wird sonst zu kompliziert, den Knirpsen das beizubringen“, sagt Dellbrügge. Denn im Falle eine Ansteckung oder sonstigen Verstößen gegen die Hygiene-Verordnungen haften der Verein und der Corona-Beauftragte. „Dann haben wir ein Problem“, sagt Dellbrügge. Im Training selbst passiere bis 30. Mai, außer Passspiel und Torschüssen, ohnehin nicht viel, denn noch ist der Körperkontakt verboten.

Training nach Absprache

Beim Bezirksligisten BV Brambauer trainieren aktuell nur die Minis, die E1 sowie die B-Jugend. „Die haben sich sehr angestrengt und es hat geklappt“, sagt Rainer Manns, Geschäftsführer des Vereins. „Bei den Senioren wissen wir ja noch gar nicht, wann die Saison beginnt.“ Je nach Start der kommenden Saison, würden die Senioren sechs Wochen vorher mit der Vorbereitung beginnen. „Mitte Juli oder Anfang Juli“, sagt Manns.

Da hier das Hygiene-Konzept bereits steht, seien nach Absprache mit dem Vorstand prinzipiell auch schon im Vorfeld Einheiten möglich. Beim VfB Lünen wird noch bis zum 1. Juni abgewartet. „Wir haben alle Trainer eingeführt in das Hygiene-Konzept, die Pläne sind alle fertiggestellt und an alle Mannschaften verteilt worden“, sagt Martin Wanata, Geschäftsführer und Jugendleiter beim A-Ligisten.

Hierbei werden die Jugendmannschaften eine halbe Stunde früher, die Senioren eine halbe Stunde später mit dem Training beginnen, „um die Zulauf-Regelung laut Bestimmung zu befolgen“, so Wanata. Auch hier werden maximal zehn Spieler gleichzeitig auf dem Platz stehen.

Hartes Training am Körper

„Wir haben aufgrund der Auflagen das Training noch nicht begonnen“, sagt Peter Marx, zweiter Vorsitzender beim Westfalenligisten Lüner SV. Ein Konzept gibt es hier noch nicht. „Das macht noch keinen Sinn, da wir erst am 1. Juli mit der Vorbereitung anfangen wollen - Senioren und Jugend.“

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Da ab Juni wieder Sport mit unvermeidbarem Körperkontakt möglich ist, könne es sein, „dass Christian Hampel vielleicht im Juni zum lockeren Ballhochhalten einlädt - das ist aber dann noch keine Vorbereitung“, erklärt Marx. Der LSV wolle vor allem den Fehler der Vorbereitung 2019/2020 vermeiden. Damals habe es knapp fünf Wochen kein richtiges Training gegeben. Marx: „Das wird uns dieses Jahr nicht passieren. Es wird ein Ernährungskonzept und hartes Training am Körper geben.“

Die Corona-Krise und die damit einhergehende Erschwerung, sich sportlich fit zu halten, sind bei seinen Spielern nicht ohne Folgen geblieben. „Es gibt da den einen oder anderen, der zugelegt hat, das habe ich schon gesehen“, sagt Marx. „Die haben lang genug zu Hause herum gehangen.“

Bei den Preußen pausiert der Trainingsbetrieb für die Junioren und Senioren bis zum 15. August. „Das lohnt sich vorher nicht so richtig“, sagt Vorsitzender Peter Serges. Dennoch seien die Hygiene-Maßnahmen umgesetzt worden. Serges: „Man könnte nach Absprache mit dem Vorstand trainieren.“

Hoffnung auf mehr Lockerungen

Auch in Gahmen ist noch kein Konzept erarbeitet worden. „Wir haben uns schon schlau gemacht, aber noch nichts Konkretes entschieden, weil die Auflagen ein bisschen viel sind“, sagt Musa Sagculu, zweiter Geschäftsführer beim A-Ligisten. Er rechnet voraussichtlich „Anfang Juni“ mit der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs. „Wir hoffen auf mehr Lockerungen“, sagt Sagculu.

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In der Bezirksliga sieht das Rolf Nehling, Sportlicher Leiter beim TuS Westfalia Wethmar, ähnlich: „Wir haben noch gar nichts und wollen noch abwarten, weil wir einfach zu viele Kinder haben.“ Fast 400 Kinder verteilen sich in Wethmar auf die Juniorenmannschaften. Auch bei den Senioren findet noch kein Training statt. „Die Auflagen sind noch zu hoch. Wir wollen ja auch den Kindern gerecht werden“, sagt Nehling und ergänzt: „Ich hoffe auf weitere Lockerungen.“

Beim A-Ligisten BW Alstedde wird die weitere Vorgehensweise erst kommenden Donnerstag bei der Vorstandssitzung des Vereins besprochen: „Wir verhandeln aktuell - das Hygiene-Konzept wird erarbeitet“, sagt Hans-Jürgen Kahl aus dem Vorstand. Trainiert wird momentan nicht. „Wir haben auch keine Not“, sagt Kahl.

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