Ex-Trio des Lüner SV beklagt Vorstandsversagen: „Der ganze LSV ist nur eine One-Man-Show“

rnLüner SV

Kadir und Fatih Kaya sowie Murat Büyükdere haben den Lüner SV verlassen. Das Trio nennt neben dem Vorwurf einer rassistischen Äußerung eines Vorstandsmitglieds zwei weitere Abgang-Gründe.

Lünen

, 01.11.2019, 12:56 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kadir Kaya, Fatih Kaya und Murat Büyükdere haben am Mittwoch (29. Oktober) Gründe für ihren Abgang vom Lüner SV genannt. Ein Grund war dabei unter anderem der Vorwurf, dass sich Peter Marx, stellvertretender Vorsitzender des Lüner SV, in einem Facebook-Post rassistisch geäußert haben soll (wir berichteten).

Jetzt lesen

Das ehemalige LSV-Trio nannte am Mittwoch beim persönlichen Gespräch allerdings weitere Gründe für die Trennung. Dazu zählen - nach Aussagen des Trios - „fehlendes Vertrauen vom Vorstand“ und „Versagen des Vorstands“.

Vor allem an der aktuell sportlich heiklen Situation - die Bezirksliga-Reserve des LSV steht auf dem letzten Tabellenplatz - sei der Vorstand (gemeint sind in diesem Fall die Vorstandsmitglieder Imdat Acar, Peter Marx und Arno Franke) Schuld. „Ich bin vom Vorstand des LSV sehr enttäuscht. Der Vorstand hat uns im Stich gelassen. Der Vorstand hat den kompletten Sommer über versagt, keine neuen Spieler geholt“, beklagt zum Beispiel Murat Büyükdere, der die Lüner Reserve zuletzt mit Fatih Kaya trainiert hatte.

Jetzt lesen

Büyükdere meint damit vor allem die fehlende Reaktion des Vorstands auf die vielen Abgänge im Sommer. Allein sieben Spieler waren vom Lüner SV zum A-Ligisten SG Gahmen gewechselt. Die Ablöse, die der LSV kassiert habe, sei laut Aussage des Trios nicht gering gewesen. Viele starke Neuzugänge mit Bezirksliga-Format gab es allerdings nicht. Das ärgert auch die beiden Kaya-Brüder

Fatih Kaya hatte schon im April Befürchtungen

„Die aktuelle sportliche Situation haben wir schon vor sechs Monaten prophezeit. Nach dem VfB-Lünen-Spiel (28. April, Anm. d. Red.) haben wir Gespräche mit dem Vorstand gesucht und auch geführt. Der Vorstand hat aber so gut wie nichts unternommen. Wir hätten uns gewünscht, dass zumindest ein Teil der hohen Ablöse wieder in den Kader der zweiten Mannschaft investiert wird“, sagt Fatih Kaya.

Jetzt lesen

Sein Bruder Kadir, der die Reserve zu Saisonbeginn gecoacht hatte, pflichtet ihm bei: „Trotz mehrmaliger Vorwarnung von uns und trotz des Versprechens des Vorstands ist nichts passiert. Wir haben irgendwann gemerkt, dass es nur leere Versprechungen sind“, so Kadir Kaya, der große Teile der Vorbereitung laut eigener Aussage nur mit einem Mini-Kader von teilweise sechs Spielern bestreiten konnte. Zuletzt waren Büyükdere und Fatih Kaya auf Unterstützung aus der ersten, dritten und vierten Mannschaft angewiesen - mit überschaubarem Erfolg.

„Versagen“ des LSV-Vorstands

Das Trio bezeichnet die Arbeit des Vorstands daher auch als „Versagen“. Büyükdere betont: „Wir wollen dem Lüner SV nicht schaden. Der Verein ist uns eine Herzensangelegenheit. Vielmehr schadet die Arbeit des Vorstands dem Verein“, so der ehemalige Spielertrainer, der „solange dieser Vorstand beim LSV ist, nicht mehr für den Verein aktiv sein wird“ - und das auch noch aus einem weiteren Grund. Denn das Vertrauen von Büyükdere und Fatih Kaya in den Vorstand ist „seit der Bülent-Kara-Geschichte“ (O-Ton Büyükdere) zerstört.

Gespräche mit Bülent Kara

Zur Erklärung: Am 18. September wurde bekannt, dass Büyükdere und Fatih Kaya die LSV-Reserve übernehmen, nachdem Kadir Kaya zum Co-Trainer der Westfalenliga-Truppe aufgestiegen war. Im Hintergrund sollen allerdings - das berichtet das Trio - Peter Marx und Arno Franke Verhandlungen mit Bülent Kara zwecks dieses Trainerpostens geführt haben. Kara, der später für 21 Tage Sportlicher Leiter des LSV wurde, bestätigte, dass Marx und Franke während seiner Zeit beim LSV zumindest über das Traineramt gesprochen haben. Imdat Acar solle von alledem zunächst nichts gewusst haben.

„Das ist katastrophal und unprofessionell. Ich habe kein Vertrauen mehr gespürt und keine Basis mehr gesehen. Mir tut das persönlich auch noch sehr weh. Trotzdem bedanke ich mich bei allen Zuschauern und Mitgliedern beim LSV“, so Büyükdere weiter. Das Trio bezeichnet das Vorstandsvorgehen auch als „Schattenspiele“. Die Aktion von Bülent Kara, den Verein nach 21 Tagen wieder zu verlassen, bezeichnet das Trio als „charakterstark“.

Jetzt lesen

Abschließend ärgerte sich Kadir Kaya noch einmal über den Vorsitzenden der Lüner, Imdat Acar, sagte, dass der Lüner SV sich mittlerweile zu einem Vorstandsverein entwickelt habe und nur von einem Mann abhängig sei: Acar. „Der Verein ist eine One-Man-Show. Das darf aber nicht sein. Alle im Verein müssen darunter leiden. Das ist nicht tragbar. Es kann nicht sein, dass eine Person über den ganzen Verein entscheidet, die so viele falsche Entscheidungen trifft, ohne Konsequenzen zu ziehen“, so Kadir Kaya weiter.

Stellungnahme des Lüner SV

Diese Redaktion konfrontierte den Vorstand des Lüner SV bereits am Mittwoch mit den Vorwürfen. Der Verein schickte diese Stellungnahme, ohne sich weiter und konkret zu allen Vorwürfen zu äußern: „Die Vereinsführung hat monatelang sehr viele und auch sehr intensive Gespräche mit Herrn Büyükdere und Herrn Kadir Kaya geführt. Es ist aber nicht unsere Art und Weise Details, Fakten und Hintergründe in der Öffentlichkeit breit zu treten. Wir verurteilen das Nachtreten auf und neben dem Spielfeld und nach Spielende. Das Trio hat selbst den Schlusspfiff abgegeben und das Miteinander beendet. Deshalb erübrigt sich jedes weitere Wort von unserer Seite zu den Aussagen und Vorwürfen dieser Personen. Selbstverständlich wünschen wir ihnen beruflich, sportlich und privat alles Gute.“

Lesen Sie jetzt