FLVW bezieht Stellung nach rassistischen Vorfällen bei BV Brambauer

rnRassismus-Vorwürfe

„Es gibt einen braunen Bodensatz, der immer deutlicher wächst“, sagt FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski. Dafür sei im Fußball kein Platz. Dem BV Brambauer will der FLVW konkrete Hilfsangebote machen.

Brambauer

, 26.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die rassistischen Vorfälle in der Altherren-Mannschaft des BV Brambauer haben auch den Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) auf den Plan gerufen. Der hat erst Anfang des Jahres ein neues Konzept verabschiedet. Auch Präsident Gundolf Walaschewski bezieht klar Stellung.

Doch wie geht der FLVW nun weiter vor? „Mit Etablierung des ‚Konzeptes zur Gewaltprävention‘ im Februar 2020 greift ein standardisiertes Verfahren bei Gewaltvorfällen jeglicher Art im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen. So wurde auch in diesem Fall der Sachverhalt geprüft und Kontakt zu unterschiedlichen Stellen und Mitgliedern des Vereins aufgenommen. Dies geschieht durch die ebenfalls im Februar etablierte Fachkraft für Gewaltprävention“, teilte der Verband auf Anfrage schriftlich mit.

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Konkrete Hilfsangebote für den BV Brambauer

Dabei gehe es darum, dem Verein konkrete Hilfsangebote zu machen, heißt es in dem Schreiben: „Dazu zählt eine individuelle Beratung über die jetzt einzuleitenden Schritte, wie die Aufnahme von Gesprächen, die Prüfung sportrechtlicher Konsequenzen, Vorschläge zu Änderungen der Vereinssatzung bzw. das Angebot von Wertetrainings im Verein.“

Die Position des FLVW ist dabei unumstößlich, betont FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski: „Der Fußball steht für Akzeptanz und Teamgeist. Wir im FLVW dulden keine Diskriminierung oder Beleidigung aufgrund von Herkunft, Nationalität, Religion, Weltanschauung, Alter, Geschlecht, Behinderung oder sexueller Identität. Wir stehen für Integration, Inklusion, Gleichbehandlung und Gemeinschaft. Das ist im Ethik-Codex des FLVW festgeschrieben.“

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Deshalb werde es auch ein Gespräch mit den Vereinsverantwortlichen und dem Präsidenten geben. „Zur Not auch per Videokonferenz, wenn wir wegen der Kontakteinschränkungen nicht zusammenkommen können“, so Walaschewski weiter.

FLVW führt keine Statistik zu rassistischen Vorfällen

Wie häufig es zu solchen Vorfällen in seinem Gebiet kommt, könne der Verband nicht mitteilen. „Eine statische Erhebung zu Vorfällen mit rechtsextremen oder rassistischen Hintergründen gibt es im FLVW aktuell nicht“, heißt es in der schriftlichen Antwort. „Aber auch hier gilt, jeder Fall ist ein Fall zu viel“, sagt Walaschewski. „Es macht mich betroffen und besorgt, dass rechtsextreme Meinungen und antisemitische und rassistische Diskriminierungen zunehmend gesellschaftsfähig werden.“

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Zur Untermauerung dieser Diagnose genüge ein Blick auf die politische und gesellschaftliche Gegenwart, so der FLVW-Präsident: „Es gibt einen braunen Bodensatz, der immer deutlicher aufwächst. Und natürlich ist der Sport nicht frei von diesem völkischen National-Chauvinismus. Immer mal wieder wird in den Fankurven der Stadien und auf Sportplätzen auch unseres Verbandes rechtsextremistisches Gedankengut hör- und sichtbar. Das ist keine ‚Tribünen-Folklore‘, das ist eine gefährliche und Aufmerksamkeit heischende Entwicklung“, unterstreicht Walaschewski.

„Ein menschenverachtendes Verhalten ist nicht zu entschuldigen, nicht zu tolerieren und erst recht nicht zu erklären. Wer dazu schweigt, stimmt zu. Fußballplätze dürfen nicht zu Kloaken unserer Gesellschaft werden.“

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Viele Präventiv-Maßnahmen und konkrete Handlungsempfehlungen

Auch deshalb habe der FLVW sein Konzept zur Gewaltprävention mit einer Vielzahl von Maßnahmen aufgelegt. Hierzu gehören unter anderem „Vereinsberatungsangebote über FLVW-Vereinsberater ‚Vielfalt-Fairness-Soziales‘, Angebot von Informationsveranstaltungen von zwei ausgebildeten Demokratietrainern zum Thema Rassismus und Rechtsextremismus oder Verhaltensregeln für Trainer und die Verleihung des FLVW-Preises für Zivilcourage“, wie es in der schriftlichen Antwort heißt.

Dieser Preis ging in diesem Jahr an Fans und Verantwortliche von Preußen Münster, die sich vehement gegen rassistische Äußerungen eines eigenen Zuschauers gestellt haben.

Auch eine Netzwerkveranstaltung mit 100 Teilnehmenden im Kreis Minden hat in diesem Jahr bereits stattgefunden und soll in Westfalen ausgerollt werden. Dabei soll es darum gehen, Vereinsmitarbeitern konkrete Handlungsempfehlungen im Umgang mit rechtsextremem Gedankengut beziehungsweise konkrete Vorschläge für Vereinsleitbilder, Satzungen oder Hausordnungen zu vermitteln.

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