Lockdown mit katastrophalen Folgen für Schwimmvereine: „Es fehlen zwei Generationen“

Schwimmen

Die Lüner Schwimmbäder sind seit Monaten geschlossen und eine zeitnahe Öffnung ist nicht in Sicht. Die Vereine warnen deshalb jetzt vor schwerwiegenden Konsequenzen – vor allem für die Kinder.

Lünen

04.03.2021, 14:44 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Vereine befürchten durch den langen Lockdown große negative Auswirkungen für den Nachwuchs.

Die Vereine befürchten durch den langen Lockdown große negative Auswirkungen für den Nachwuchs. © Günther Goldstein

Die Sorge bei den Lüner Schwimmvereinen ist groß. Während für den Individualsport zumindest schrittweise Lockerungen in Aussicht gestellt werden, bleiben die Schwimmbäder weiterhin geschlossen.

Deutliche Forderungen an die verantwortlichen Stellen

In einer Pressemitteilung, die jetzt von den in Lünen angesiedelten Schwimmvereinen herausgegeben wurde, warnen der SV Brambauer, der SC Cappenberger See, der SCC „TuS“ Lünen-Wethmar, der SV Lünen 08 und die SG Lünen unter anderem vor einer dramatischen „Nichtschwimmerdelle“ und appellieren zeitgleich an die Bädergesellschaft. Hier die ausführliche Mitteilung im Wortlaut:

„Aktuell ist im Schwimmsport leider ein fast vollständiges Ruhen der Vereinsaktivitäten zu verzeichnen. Nur in kleinen Teilbereichen existieren noch Sportangebote wie zum Beispiel ein „Zoom-Trockentraining“ für aktive Wettkampfschwimmerinnen. Auch die Vorstandsarbeit findet fast vollständig „hinter den Kulissen“ statt.

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Sitzungen werden durch Videokonferenzen abgehalten und werden deutlich weniger häufig als gewohnt terminiert. Der Schwimmsport ist nun einmal abhängig davon, dass Badkapazitäten zur Verfügung stehen. Sämtliche Bäder sind aber aktuell geschlossen, natürlich nicht nur in Lünen, sondern überall.

Der Wettkampfbetrieb ruht seit Beginn der Corona-Pandemie Anfang des vergangenen Jahres. Dennoch halten die Mitglieder erfreulicherweise an ihrer Vereinszugehörigkeit fest. Es werden kaum „Corona“-bedingte Kündigung ausgesprochen. Allerdings finden auch so gut wie keine Neuaufnahmen statt.

Üblicherweise treten insbesondere Kinder, zumeist gemeinsam mit ihren Eltern, in einen Schwimmverein ein. Dies erfolgt derzeit so gut wie gar nicht, weswegen per saldo die Mitgliederzahlen im Jahre 2020 deutlich gesunken sind. Es bleibt abzuwarten, wie schnell der Mitgliederstand sich nach Wiedereröffnung der Bäder und Aufnahme des Vereinsbetriebes erholen kann.

Wichtig ist dies auch für die finanzielle Situation der Vereine, laufen doch Kosten für Verbandsabgaben, Versicherungen und – bezogen auf die Vereinsheime – Strom, Wasser, Heizungen und gärtnerische Pflege weiter. Perspektivisch sind die Vereine für den Schwimmbetrieb nach dem Lockdown gut gerüstet und könnten den Ausbildungs- und Trainingsbetrieb sofort wieder aufnehmen.

Natürlich sind Hygienekonzepte schon zum Sommer 2020, dabei sowohl für die Freibad- als auch die Hallenbadsituation, erstellt worden. Im Sommer und im Herbst konnten sie in der Praxis erfolgreich erprobt werden. Freuen würden sich die Vorstände und Übungsleiter der Schwimmvereine darüber, wenn sich die Verantwortlichen der Bädergesellschaft Lünen GmbH, der Stadtwerke Lünen GmbH und der Stadt Lünen nach Wiedereröffnung der Bäder hiervon vor Ort überzeugen.

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Ein Appell sei an die Bädergesellschaft Lünen GmbH gerichtet. Es sollte unbedingt frühestmöglich mit der Auswinterung des Freibades „Cappenberger See“ begonnen werden, dabei völlig unabhängig von der Pandemie-Lage. Sobald halbwegs sportkompatible Außentemperaturen herrschen, sollte das Freibad in jedem Falle startbereit sein, um keinen zeitlichen Versatz nach Ende des Lockdowns zu riskieren.

Im Freibad können natürlich größere Abstände eingehalten werden und der Sportbetrieb erfolgt nicht im geschlossenen Raum. Am wichtigsten wird es allerdings sein, die unterbliebene Nichtschwimmerausbildung wieder auszugleichen. Es fehlen mindestens zwei Generationen ausgebildeter Nachwuchsschwimmer.

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Nicht nur die DLRG, sondern natürlich auch die Schwimmvereine warnen vor den katastrophalen Folgen dieser „Nichtschwimmerdelle“. Es gibt ohnehin schon viel zu viele Schüler in den Grund- und sogar weiterführenden Schulen, die nicht schwimmen können.

Es wird deshalb ein Konzept mit der Bädergesellschaft Lünen GmbH angestrebt, wie hier zusätzliche Anstrengungen gemeinsam unternommen werden können, dieser höchst bedauerlichen Entwicklung entgegenzuwirken. Es wird sicherlich erforderlich sein, zusätzliche Kurse anzubieten und über den bisherigen Übungsleiterstamm hinaus Personal zu akquirieren, das sich um die Schwimmausbildung kümmert.

Die Verantwortlichen der SG Lünen haben bereits verlauten lassen, dass erfahrene und erfolgreiche Athletinnen und Athleten aus der ersten Mannschaft der SG Lünen zur Verfügung gestellt werden, um hier zusätzlich Übungsstunden in der Schwimmausbildung anbieten zu können.

Natürlich geht dies für die Vereine auch mit steigenden Kosten einher, die durch die im Kinder- und Jugendbereich geringeren Mitgliedsbeiträge nicht aufgefangen werden können, zumal für jedes neue Mitglied auch wieder Beiträge geleistet werden müssen.

Wünschenswert wäre an dieser Stelle eine finanzielle Unterstützung durch die Kommune im Rahmen ihrer Fördermöglichkeiten für den Sport. Eine Hilfe wäre es auch, wenn zusätzliche Vereinszeiten für dieses Segment des Sportbetriebes ohne Kostenbelastung für den jeweiligen Verein selbst bleiben könnten.“

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