Lüner Boxer Dariusz Lassotta hofft wegen Coronavirus auf Olympia 2021

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Das Coronavirus stellt eine große Gefahr für den Amateursport da. Für den Lüner Boxer Dariusz Lassotta bietet sich durch das Virus allerdings eine Chance - die hatte er eigentlich schon vertan.

Lünen

, 09.04.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Boxerleben von Dariusz Lassotta hat sich in den zurückliegenden Monaten mehrfach drastisch verändert. Nach einer bitteren Niederlage gehört der junge Lüner Boxer wohl zu den ganz wenigen Sportler, die im Coronavirus eine Chance statt einer Gefahr sehen könnten.

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Im Dezember 2019 ahnte noch niemand, dass das neuartige Coronavirus einige Monate später beinahe in ganz Europa den Sport lahmlegen würde. Das Virus, das erst später den Namen SARS-CoV-2 erhielt, trat da erstmalig im chinesischen Wuhan auf. Eine globale Pandemie konnte da noch niemand vorhersehen.

In jenem Dezember stieg Dariusz Lassotta in den Ring. Ein wichtiger Kampf stand ihm bevor. In der nationalen Olympia-Qualifikation kämpfte er um die Chance, sich bei der internationalen Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio zu qualifizieren. Die sollten zu jenem Zeitpunkt noch im Jahr 2020 stattfinden.

Dariusz Lassotta verpasst zunächst die Olympischen Spiele

Doch der Superschwergewichts-Boxer unterlag seinem Kontrahenten Nelvie Tiafack nach Punkten. Das lag auch daran, dass Lassotta im Jahr 2020 ins Schwergewicht wechseln wollte und bereits im November begann, Gewicht abzunehmen. Von 108 Kilogramm im November waren zum Zeitpunkt des Kampfes gegen Tiafack nur noch 99 Kilogramm übrig. „Durch die Gewichtsabnahme hatte ich viel an Substanz verloren und gleichzeitig war der Gewichtsunterschied relativ groß“, so Lassotta, dessen Gegner rund 20 Kilo mehr wog.

Der Olympia-Traum schien ausgeträumt für den 21-Jährigen. „Dennoch war die Enttäuschung nicht allzu groß“, sagt Lassotta. Längst hatte er sein neues Ziel ins Auge gefasst: die Olympischen Spiele 2024.

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Für Olympia und seine Box-Karriere investiert der Deutsch-Nigerianer viel, trainiert zwei Mal täglich. Morgens in Dortmund, um 18 Uhr dann in Gahmen oder Münster. „Und zwischen meinen Trainingszeiten bin ich auch an der TU Dortmund, um meine Seminare zu besuchen, damit ich mein Lehramt-Studium voranbringe“, so Lassotta.

Weil er nebenbei auch noch für MBR Hamm in der 1. Bundesliga im Superschwergewicht boxt, konnte er sich nicht gänzlich auf das Abnehmen für seine neue Gewichtsklasse konzentrieren. Dabei hilft ihm Ernährungsberater Almir Hodzic und ein Personaltraining im Fitnessstudio „B2B Performance“ in Dortmund-Groppenbruch. Trotz des Gewichtsverlusts habe er an Mobilität und Kraft dazugewonnen, so Lassotta.

Ein straffes Tagesprogramm also. Ein Pensum, das ihn zu einer schwierigen Entscheidung zwang. Im vergangenen Jahr wechselte Lassotta vom Boxclub Gahmen ins Boxzentrum Münster. Die finanziellen Mittel dort sind besser, ermöglichen Lassotta die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen. Zudem gewann er mit Sport Duwe Lünen und der LTN GmBh zwei wichtige Sponsoren hinzu.

„Es ist einfach zu schwer für so einen kleinen Verein wie den Boxclub Gahmen, es finanziell zu tragen. Dennoch hat der Boxclub Gahmen mir alles ermöglicht, was sie hätten tun können. Betreuerin Helga Gutkowski hat alles sehr gut im Griff.“ Die Dankbarkeit gegenüber seines langjährigen Vereins ist Lassotta wichtig. „Mein Herz schlägt für den Boxclub Gahmen, egal für welchen Stützpunkt oder Verein ich boxen werden. Ohne das Boxclub-Team wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin“, sagt er.

Coronavirus könnte Tür zu Olympia doch noch öffnen

Das jahrelange Training, der stressige Alltag, die Selbstdisziplin beim Abnehmen: All das könnte sich jetzt doch noch auszahlen. Lange hatte sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) geweigert, die Olympischen Spiele zu verschieben. Inzwischen ist aber auch das IOC zur Vernunft gekommen. Geboxt wird in Tokio also erst 2021. Die Karten über das Teilnehmerfeld würden eventuell neu gemischt, so Lassotta. „Ob Traum oder Ziel - ich würde dafür alles geben“, sagt er.

Das Coronavirus wirkt sich längst auf Lassottas Box-Alltag aus. Die NRW-Meisterschaften im Juni fallen wohl aus, dort hätte Lassotta um die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft Ende des Jahres geboxt. Auch das Training hat sich natürlich radikal verändert.

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„Ich halte mich fit und trainiere jeden Tag, allerdings nur eine Einheit“, berichtet Lassotta. Kraft und Ausdauer wechseln sich dort ab. „Anfangs habe ich mich gut gefühlt, aber mittlerweile merke ich, dass ich nur noch fit statt topfit bin.“ Ihm fehlt das Boxspezifische: Partnerübungen, Sparring und individuelles Boxtraining. „Aber ich denke, das geht jedem Sportler so“, sagt der Lüner. Stattdessen nutzt er seine Zeit anders. Lassotta hilft seinen Großeltern im Garten, geht einkaufen. „Ich würde am liebsten mehr Zeit mit meiner Familie und Freunden verbringen, dies geht jedoch auch nicht so ganz wegen des Virus. Am wichtigsten ist es, dass wir alle gesund bleiben“, sagt er.

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