Lüner Schalke-Fans in der Krise: „Tönnies‘ Verhalten ist unter aller Sau“

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Zur sportlichen Misere kommt bei Schalke 04 aktuell abseits des Platzes ein Aufreger nach dem anderen hinzu. Auch bei den Lüner Anhängern wächst der Unmut. Im Zentrum der Aufregung steht Clemens Tönnies.

von Timo Janisch, Carl Brose

Lünen

, 24.06.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der FC Schalke 04 meint es nicht gut mit seinen Fans. Einer sportlich guten Hinrunde folgte eine nie da gewesene Sieglos-Serie. Doch beinahe noch mehr Anlass zur Sorge bietet das Vereinsumfeld. Das Verhalten von Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies, die Härtefall-Regelung bei Rückerstattungen und die angestrebte Ausgliederung der Profi-Abteilung sorgen für Diskussionen und Proteste bei den Fans.

Die zahlreichen Skandale und Aufreger gingen auch an den Lüner Schalke Fans nicht spurlos vorbei. Immer wieder setzte es einen weiteren Stich in das königsblaue Schalke-Herz. Für Peter Witte, Mitglied des Lüner Schalke-Fanclubs, eine noch nicht da gewesene Situation: „Man nimmt das wie betäubt wahr. In meinen 50 Jahren als Schalke-Fan habe ich so etwas noch nie erlebt. Der Graben zwischen Fans und Geschäftsführung ist so groß wie noch nie zuvor.“

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Die Probleme sieht Witte vor allem in der oberen Führungsetage des Vereins. „Dort wird im Moment ein Fehler nach dem anderen gemacht. In der Vereinsführung liegt sehr viel im Argen. Da muss irgendetwas in dem System, das dort herrscht, komplett falsch laufen“, so der Lüner. Inzwischen ist für Witte sogar schon die Höchststrafe eingetreten: „Das Schlimmste ist es natürlich, wenn sogar Dortmund-Fans mit einem Mitleid haben. Dass es schon soweit gekommen ist, bedeutet schon etwas.“

Die zentrale Figur bei der Betrachtung der Schalker Missstände ist dabei Clemens Tönnies. Die Skandale der letzten Tage rund um seine Fleischfabrik, wirkten sich auch auf das Image des Vereins aus. „Er ist als Aufsichtsratsvorsitzender eigentlich nicht mehr haltbar. Wir sind ein Kumpel- und Malocher-Klub und diese Werte müssen gelebt werden. Das macht Tönnies auf keinen Fall. Sein Verhalten gegenüber seinen Arbeitern ist unter aller Sau, das geht einfach gar nicht“, sagt Witte.

Schalke 04 steckt in einem Tönnies-Dilemma

Allerdings sieht er seinen Verein dabei in einem Dilemma: „Wir können ihn auch nicht einfach so rausschmeißen. Der steckt da mit so viel Geld drin. Wenn der weg ist, gehen wir wahrscheinlich sofort pleite.“ Die Person Clemens Tönnies polarisiert bei den Anhängern.

Mark Hilgert, Spieler des TuS Niederaden und langjähriger Schalke-Fan, tut sich bei einer Bewertung ebenfalls schwer: „Der Mann ist Schalker durch und durch und hat viel für den Verein getan. Er hat Einfluss und Geld und sind wir mal ehrlich: Das braucht man dort leider heutzutage. Trotzdem hat er natürlich Fehler gemacht und man muss schauen, ob er noch tragbar ist. Ob er für den Corona-Ausbruch (in seinem Schlachthof, Anm. d. Red.) viel kann, wage ich zu bezweifeln. Da war der Rassismus-Skandal schlimmer.“

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Angesichts der ganzen Geschehnisse abseits des Rasens ist die katastrophale sportliche Situation der Schalker schon fast wieder in Vergessenheit geraten. „Die können froh sein, dass diese Krise während der Corona-Zeit stattfindet. Die Fans hätten sonst wahrscheinlich bei diesen Leistungen das Stadion abgerissen“, sagt Peter Witte. Wobei für ihn die sportliche mit der außersportlichen Krise einhergehen würde und sich gegenseitige bedinge.

Hoffnung bei Lüner Schalke-Fans auf bessere Zeiten

Auch die finanzielle Situation des Vereins macht den Fans zu schaffen. Zuletzt gab es viel Aufregung aufgrund einer Härtefall-Regelung bei der Rückerstattung von Tickets. Für Witte ein Unding: „Es gibt teilweise Fans, die sich die Tickets für den Verein vom Mund absparen. Denen dann mit irgendeinem Härtefall-Antrag zu kommen, ist wirklich eine Sauerei. Wenn keine Leistung erbracht wird, muss das Geld einfach ohne Wenn und Aber zurückgezahlt werden.“

Auch für Hilgert hat sich der Verein hier einen Fehler erlaubt, trotzdem hofft er auf baldige Besserung: „Das war natürlich doof und da sieht der Verein schlecht aus. Dass das natürlich jetzt alles zusammenkommt, mit den finanziellen Problemen aufgrund Corona, macht es natürlich kompliziert und schwierig, aus der Situation rauszukommen. Ich glaube dennoch daran und hoffe auf bessere Zeiten und freue mich, wenn es wieder ins Stadion geht.“

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Für die Schalke-Fans steht jedenfalls fest, dass nur gemeinsam diese Krise überstanden werden kann. „Ich werde auch in schlechten Zeiten immer hinter Schalke stehen und auf bessere Zeiten hoffen“, sagt Hilgert. Ganz ähnlich sieht es da auch bei Witte aus: „Wir müssen jetzt wieder als Schalker zusammenfinden. Die Fans und die Vereinsführung müssen miteinander ins Gespräch kommen. Nur so können wir aus dieser Situation herauskommen.“

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