Lüner Schwimmvereine sollen im Freibad zahlen

Streit um Tarifanpassungen

Die Stimmung ist angespannt bei den Lüner Schwimmvereinen. Vor einigen Wochen haben die Vereinsvorsitzenden Post von der Bädergesellschaft Lünen erhalten: Für das Training der Aktiven im Freibad Cappenberger See sollen sie künftig zahlen. Die ersten Vereine haben reagiert und den Trainingsbetrieb eingestellt.

LÜNEN

, 24.06.2017, 09:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das 50-Meter-Becken im Freibad Cappenberger See ist beliebt bei den Schwimmern der Stadt. Seit dieser Freibad-Saison sollen die Schwimmvereine für das Training ihrer Aktiven im Freibad ein Entgelt an die Bädergesellschaft zahlen.

Das 50-Meter-Becken im Freibad Cappenberger See ist beliebt bei den Schwimmern der Stadt. Seit dieser Freibad-Saison sollen die Schwimmvereine für das Training ihrer Aktiven im Freibad ein Entgelt an die Bädergesellschaft zahlen.

Die Bädergesellschaft bestätigte diesen Schritt am Donnerstagnachmittag in einer Stellungnahme. Darin heißt es: „Seit 1. Januar 2017 gilt für die Bädergesellschaft Lünen mbH ein neues Tarifsystem. Demnach wurde neben anderen Tarifanpassungen der Eintritt für das Freibad Cappenberger See für die Vereine entsprechend der Nutzung durch Schulkinder gleichgestellt. Seit mehr als 14 Jahren zahlt die Stadt Lünen für den Eintritt der Schulkinder 60 Prozent des Einzeleintritts.“

Und weiter: „Diese Regelung wurde auf die Nutzung durch Mitglieder der Sportvereine für deren Trainingszwecke ausgedehnt. Folglich werden den Vereinen für die Nutzung durch jugendliche Mitglieder zu Trainingszwecken 1,50 Euro bzw. 2,70 Euro für Erwachsenentraining berechnet.

Monatliche Abrechnung 

Die Schwimmvereine wurden hierzu unmittelbar vor der Freibadsaison schriftlich informiert. Darüber hinaus hat es dazu ein Gespräch zwischen der Geschäftsführung der Bädergesellschaft und dem Vorsitzenden des Stadtsportverbandes gegeben.“

Heißt: Für jede Trainingseinheit eines Mitglieds zahlen die Schwimmvereine einen Betrag zwischen 1,50 und 2,70 Euro. Die SG Lünen, die Startgemeinschaft aller Lüner Schwimmvereine, hat nach Informationen unserer Zeitung Mehrkosten von 200 Euro wöchentlich errechnet. Summen, die die Vereine in arge Nöten bringen können. In der Praxis sieht die Regelung so aus: Schwimmer lassen am Eingang Namen und Vereinszugehörigkeit erfassen. Den Vereinen wird im Anschluss eine monatliche Abrechnung zugestellt.

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Die Vorsitzenden der Lüner Schwimmvereine stehen zu diesem Thema seit Wochen im Austausch. Öffentlich äußern möchte sich bislang aber kaum jemand. Christian Zapp ist nicht nur Vorsitzender des SSC TUS Lünen-Wethmar, sondern auch Vorsitzender des Stadtsportverbandes, er wird zum Ende der Stellungnahme der Bädergesellschaft erwähnt.

Und Zapp stellt klar: „Das Schreiben ist mit dem Datum 18. Mai versehen, mir wurde es am 24. Mai zugestellt. Wir sind also nicht unmittelbar vor der Freibad-Saison informiert worden.“ Die begann nämlich am 21. Mai. „Die ersten Schwimmer sind mit der Maßnahme konfrontiert worden, ohne dass wir davon wussten“, sagt Zapp.

Keine Abstimmung mit den Vereinen

Was ihn noch mehr ärgert: Den entsprechenden Beschluss hatte der Bäderbeirat bereits am 30. November 2016 gefasst. Das bestätigte am Freitag auch Jasmin Teutenberg, Sprecherin der Bädergesellschaft. „Es wäre genug Zeit da gewesen für die Abstimmung mit den Vereinen“, sagt Zapp.

Wieso die Vereine nicht früher informiert wurden? „Ein anderer Zeitpunkt hätte an der Sachlage nichts geändert. Sollten dadurch etwaige Umstände entstanden sein, so war dies nicht die Absicht der Bädergesellschaft Lünen“, teilte Teutenberg mit.

Gefallen lassen wollen sich die Vereine die neuen Kosten nicht. „Wir werden uns mit allen Mitteln wehren“, sagt ein Vereinsvorsitzender, der noch anonym bleiben möchte. Zumal die Abgaben der Schwimmvereine in den Nutzungsverträgen vom 12. Dezember 2003 klar geregelt seien.

Für die Nutzung der Hallenbäder ist dort ein Entgelt vorgesehen, für die der Freibäder nicht. Einige Mitglieder des Bäderbeirates fühlten sich nach unseren Informationen schlecht informiert, dachten, die reduzierten Eintrittspreise gelten für jeden Freibadbesuch, nicht nur zu Trainingszwecken.

Sondersitzung geplant

„Es gab nicht mal ein Gespräch mit den Vereinen, es wurden einfach Verträge verschickt. Das ist nicht in Ordnung“, sagt Zapp. Sein SSC TUS und auch die SG Lünen haben die Notbremse gezogen, den Trainingsbetrieb im Freibad, der aufgrund der dort vorhandenen 50-Meter-Bahn sehr wichtig ist für die ambitionierten Schwimmer, vorerst eingestellt.

Die Mitglieder des Bäderbeirates haben unterdessen eine Schweigepflicht. Am Mittwoch, 12. Juli, kommen sie nach unseren Informationen zu einer Sondersitzung zusammen.

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