Lüner SV wird zum ungeliebten Stadtmeister

Hallenfußball: Stadtmeisterschaft

Was Mario Plechaty in mehreren Anläufen als Trainer von Mengede 08/20 nicht gelang, schaffte er ausgerechnet mit dem Lüner SV im ersten Versuch: Mit einem 1:0 (0:0)-Endspielerfolg über den BSV Schüren sicherte sich der Gast aus der Nachbarstadt bei der 33. Dortmunder Hallen-Stadtmeisterschaft am Samstag den Titel.

von Udo Stark

DORTMUND

, 16.01.2017, 14:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Lüner SV am Ziel seiner Träume: Grenzenlose Freude beim Gast aus der Nachbarstadt, nachdem der Endspieltriumph über den BSV Schüren unter Dach und Fach gebracht wurde.

Der Lüner SV am Ziel seiner Träume: Grenzenlose Freude beim Gast aus der Nachbarstadt, nachdem der Endspieltriumph über den BSV Schüren unter Dach und Fach gebracht wurde.

Daniel Mikuljanac erzielte in der 17. Minute das Tor. Es war der Triumph einer Mannschaft, die am zweiten Endrundentag die größten Herausforderungen meisterte, in den entscheidenden Momenten das nötige Quäntchen Glück auf seiner Seite hatte und keineswegs unverdient die stolze Prämie von 2600 Euro und den Siegerpokal mit nach Hause nehmen durfte.

4500 Zuschauer, darunter DFL- und BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball sowie Oberbürgermeister Ullrich Sierau, erlebten in der ausverkauften Helmut-Körnig-Halle ein zunächst taktisch geprägtes, aber dennoch sehenswertes, intensives und bis zuletzt von unglaublicher Spannung lebendes Endspiel, das allerdings sowohl sportlich als auch atmosphärisch von reichlich fadem Beigeschmack begleitet wurde.

Die noch lange nach dem Schlusspfiff hitzig diskutierte Szene ereignete sich fünf Minuten vor Schluss. Schürens Spielertrainer Dimitrios Kalpakidis hatte einen Freistoß direkt aufs Lüner Tor gedroschen – in der Hoffnung, ein Akteur würde den Ball abfälschen. Tatsächlich landete das Leder im langen Eck, und nicht nur die Schürener, sondern auch zahlreiche gut postierte Zuschauer hatten gesehen, wie LSV-Kapitän Lukas Ziegelmeir den Ball tatsächlich vor dem Einschlag leicht berührt hatte. Doch zum allgemeinen Entsetzen erkannte Schiedsrichter Paul Hadrossek den Treffer nicht an.

Für Schüren war es die entscheidende Situation des Spiels – und eine krasse Fehlentscheidung. „Es war klar zu erkennen, dass der Ball berührt worden war“, beteuerte Kalpakidis, „es ist geradezu tragisch, wenn der Ausgang des Endspiels eines so bedeutsamen Turniers dermaßen beeinflusst wird.“ Mit einer Führung im Rücken hätte der BSV, der auch ohne diese höchst umstrittene Szene ein Chancenplus hatte, alle Trümpfe in der Hand gehabt.

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So aber sei passiert, was laut Kalpakidis außer den LSV-Fans niemand in der Halle gewollt hatte. Er selbst hatte sich stets vehement gegen ein Mitwirken auswärtiger Vereine bei der Dortmunder Stadtmeisterschaft ausgesprochen, und das nahezu komplette Publikum war auf Schürener Seite. Das Finale wurde zu einer in dieser Form nie erlebten Sympathiekundgebung. „Wir sind alles Dortmunder Jungs“, skandierten sie von allen Seiten, begleiteten die Offensivaktionen der Lüner mit unüberhörbaren Unmutsbekundungen und pfiffen den Titelträger noch bei der Siegerehrung gnadenlos aus. Doch trotz unbeschreiblicher Enttäuschung zeigte Kalpakidis menschliche Größe: „Ich gratuliere dem LSV zum Titel, das gebietet die sportliche Fairness.“

Dem Lüner SV, dem ungeliebten Stadtmeister, der seinen Triumph dennoch in vollen Zügen genoss. „Ich fand es nicht gut, dass die ganze Halle gegen uns war“, sagte Mario Plechaty später, „aber aus Dortmunder Sicht ist das normal, der Fußball braucht halt solche Emotionen. Meine Jungs haben in dieser Atmosphäre kühlen Kopf bewahrt, dafür gebührt ihnen ein riesiges Kompliment.“

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Im Rückblick blieben Plechaty die Erinnerungen an einen bemerkenswerten zweiten Endrundentag, an dem sich der neue Meister im Viertelfinale gegen Brünninghausen erst im Achtmeterschießen durchsetzte und auch im Halbfinale gegen Wickede eine Verlängerung benötigte. „Mit dem Endspiel“, gestand der Trainer, „hatten wir nach dem schlechten ersten Tag nicht mehr gerechnet. Aber nach dem 0:5 gegen den ASC haben wir Tacheles geredet, die Jungs bei der Ehre gepackt – und dann haben sie ihr wahres Gesicht gezeigt.“

Die Frage, ob sie angesichts der aufgeheizten Stimmung überhaupt Lust darauf hätten, ihren Titel im kommenden Winter zu verteidigen, beantwortete Mario Plechaty in unverblümter Deutlichkeit: „Wir wären liebend gerne wieder dabei.“ Ob es tatsächlich so kommen könnte oder ob es ein einmaliges Gastspiel bleibt, ließ Kreisvorsitzender Jürgen Grondziewski indes offen: „Es war ein Experiment, nach den Schwerter Vereinen auch die Lüner Klubs mitwirken zu lassen. Wir werden in einer Arbeitsgruppe die Erfahrungen aufarbeiten. Und dann werden wir sehen, was für die Zukunft des Turniers die beste Lösung sein wird.“

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