Markus Brzenska spricht über seine Rolle bei GSC

Fußball: Interview

Bei Borussia Dortmund begann die Karriere von Markus Brzenska. Im Sommer wurde er Co-Trainer beim Kreisligisten Grün-Schwarz Cappenberg an der Seite von Patrick Osmolski. Im Interview spricht der gebürtige Lüner über die Balance zwischen Regionalliga und Kreisliga, seine Zukunft, schwere Zeiten und seinen Platzverweis beim Bundesliga-Debüt.

LÜNEN

, 11.08.2016, 20:00 Uhr / Lesedauer: 5 min
Markus Brzenska spricht über seine Rolle bei GSC

Schwarz-Weiß Rot? Schwarz-Gelb? Grün-Schwarz? Welche Vereinsfarben gefallen Ihnen am besten?

Eigentlich gefallen sie mir alle. Es ist mein Beruf, bei Viktoria Köln zu spielen. Darum ist es mir natürlich wichtig, dass wir gewinnen. Schwarz-Gelb bin ich sowieso. Mein Sohn ist auch Dortmund-Fan. Und jetzt ist mir durch Cappenberg auch Grün-Schwarz sehr sympathisch geworden.

Gab es auch schon vor Ihrem Engagement als Co-Trainer einen Bezug zu Cappenberg?

Fast gar nicht. Mein Schwager Tobias Schwartz spielt dort seit einigen Jahren. Ich habe mir mal ab und zu seine Spiele angeschaut. Und dann ist mein Sohn von Wethmar zu einigen Freunden in die Cappenberger F-Jugend gewechselt. So bin ich da so reingerutscht.

Mussten Sie überredet werden?

Überhaupt nicht. Die Initiative kam ja mehr von mir. Ich habe mir Gedanken gemacht, was ich nach der Karriere machen möchte.

Und Sie wollen Trainer werden?

Erst einmal möchte ich noch zwei, drei Jahre spielen. Aber dann kann ich mir das sehr gut vorstellen. Fußball ist der Bereich, in dem ich die meiste Erfahrung habe. Als Trainer kann ich viel mehr Einfluss nehmen auf die Mannschaft. Es macht mir Spaß, mit den Jungs zu arbeiten.

In Cappenberg sind Sie erst zum Vorbereitungsstart als Co-Trainer vorgestellt worden. Wie lange arbeiten Sie denn schon inoffiziell mit?

Seit einigen Monaten. Im vergangenen Herbst habe ich das Spiel der Cappenberger in Wethmar gesehen. Danach war mein Schwager zu Besuch bei uns. Da haben wir über das Spiel gesprochen. Er sagte dann: Wieso trainierst du uns denn nicht mal?

Und dann haben Sie Patrick Osmolski angerufen?

Tobias hat mir gesagt, dass der Klub zur neuen Saison sowieso einen neuen Co-Trainer suchte. Und Patrick kenne ich ja auch schon lange von früher. Dann habe ich ihn einfach mal gefragt und die Sache hat sich so entwickelt. Wir wollten es aber nicht gleich offiziell machen.

Sie haben in der Bundesliga gespielt, sind jetzt in der Regionalliga aktiv. Cappenberg ist A-Ligist.

Das ist mir ganz egal. Es geht darum, dass ich Erfahrung sammle als Trainer. Es ist etwas ganz anderes, ob man immer nur zuhört, oder plötzlich vor den Jungs steht und selbst reden muss.

Sie haben in Köln sechs bis sieben Trainingseinheiten pro Woche, spielen samstags. Wie schaffen Sie es zeitlich, Cappenberg zu unterstützen?

In Cappenberg wird ja immer abends trainiert. In Köln hingegen meist morgens und mittags. Daher schaffe ich es eigentlich immer pünktlich zum Training. Nur wenn wir mal ausnahmsweise sonntags spielen, klappt es halt nicht.

Gab es am Anfang Berührungsängste der Spieler mit dem Profi?

Ich wollte ja nicht als Klugscheißer dastehen. Das kenne ich ja selber, wenn Trainer einem von oben herab die Fußballwelt erklären wollen. Das habe ich immer gehasst. Man muss die Jungs verstehen, wissen, wie sie ticken. Ich habe am Anfang versucht, nicht so intensiv einzugreifen. Ich habe aber auch gleich gemerkt, dass die Jungs sich freuen, dass ich dabei bin. Manche haben mich gefragt, ob nichts Besseres zu tun hätte. (lacht) Ich habe geantwortet, dass ich Bock darauf habe.

Erkennen Sie Fortschritte bei den Spielern?

Vor allem sehe ich in jedem Training, dass die Spieler die Hinweise gerne annehmen. Hätte ich in den ersten Wochen gemerkt, dass es ihnen nur um die Geselligkeit geht, dann wäre es nichts für mich gewesen. Es war aber schnell zu spüren, dass sie sich verbessern und jedes Spiel unbedingt gewinnen wollen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Markus Brzenska GS Cappenberg sportlich einordnet, wie es mit der Taktikschulung läuft und ob er beim Training mitkickt.

Und wenn die Jungs nach dem Spiel dann doch einmal gesellig zusammensitzen?

Dann setze ich mich auch mal dazu und trinke ein Radler. Das ist ja nichts Schlimmes. Das ist eine sehr gute Truppe in Cappenberg. Die Jungs achten aufeinander, nehmen jeden gut auf. Ich habe nach der letzten Saison auch die Abschlussfahrt nach Willingen mitgemacht. Das war lustig. Ich habe beim GSC neue Leute kennengelernt, die menschlich voll in Ordnung sind.

Wie schätzen Sie die Mannschaft sportlich ein?

Wir haben eine gute Mannschaft mit guten, jungen Spielern. Einige wissen vielleicht noch gar nicht, was in ihnen steckt. Auch taktisch lässt sich noch viel entwickeln. Die Jungs sind absolut bereit, die Dinge umzusetzen.

Aber ist nicht manchmal auch mehr Geduld gefragt? Zum Beispiel, wenn Ihr den Spielern die Viererkette erklärt?

Ich kann absolut nachvollziehen, dass es schwierig ist, wenn man etwas spielt, was man nie gespielt hat. Ich bin da sehr geduldig. Erkläre ich etwas im Training, und wird das dann umgesetzt, ist das ein Erfolg. Auch für mich. Man erkennt einfach die Fortschritte. Wir haben vor einiger Zeit im Training mit einer Koordinationsleiter angefangen. Das sah zu Beginn schon lustig aus. Jetzt ist es viel besser. Es geht nicht nur darum, Spiele zu gewinnen, sondern sich auch zu verbessern.

Können Sie helfen, in Cappenberg professionellere Strukturen aufzubauen?

Ich glaube, das Training bei der ersten Mannschaft hat sich schon deutlich verändert. Wir bringen mehr Struktur in die Abläufe. Ich kann aber nicht daherkommen und sagen, dass jetzt bis zur F-Jugend mit Viererkette gespielt wird. Cappenberg ist ein kleiner Verein, zu dem die Jungs kommen, um Spaß zu haben. Zum Beispiel bekommen wir jetzt aber neue Trainingssachen für die Erste. Der Verein übernimmt das. Daran erkennt man, dass der Verein die ganze Sache ernst nimmt.

Wie wurde Ihr Engagement in Cappenberg bei Viktoria Köln aufgenommen?

Ich habe das natürlich mit dem Sportvorstand abgesprochen. Es ist ja nichts Anstrengendes und nur ein Hobby.

Es ist also ausgeschlossen, dass Sie beim Cappenberger Training auch mal mitkicken?

Ja. Ich bin ganz froh, wenn ich mal dabeistehen und mir alles anschauen kann.

Sie haben viele Typen von Trainern kennengelernt. Welche Art Trainer ist denn Patrick Osmolski?

Er ist super strukturiert. Das ist total wichtig als Trainer in so einem kleinen Verein. Du bist nicht nur Trainer, du musst tausend Sachen organisieren. Das können Trainer in Ligen, in denen ich unterwegs bin, oft gar nicht nachvollziehen. Da liegen die Sachen schon auf dem Trainingsplatz. Patrick kommt auch als Typ gut an bei den Jungs. Er merkt auch, wenn sie mal schlecht drauf sind. Und er will sich als Trainer weiterentwickeln, ist sehr interessiert an allem.

Ist es in Cappenberg für Sie auch eine Rückkehr zu den Wurzeln des Fußballs?

Das auch. Ich sehe jetzt häufiger mal Leute, die ich noch von früher kenne. Ich muss ja ehrlich sagen, dass ich mich lange gar nicht mit dem Lüner Fußball beschäftigt habe. Jetzt ist es so, dass ich auch in der Zeitung den Lokalsport wieder lese. Ich verfolge alles intensiver.

Lesen Sie auf der dritten Seite, wie intensiv Markus Brzenskas Verbindungen zu seinem Ex-Klub BVB sind, wie er sein Bundesliga-Debüt erlebt hat und was er für seine Zeit nach der aktiven Karriere plant.

Wie intensiv sind noch die Verbindungen nach Dortmund?

Die gibt es im Grunde gar nicht mehr. Das erlebt man im Fußball leider immer wieder. Bei allen Stationen, bei denen ich war. Jeder hat seine Familie, macht sein eigenes Ding. Man verliert sich aus den Augen.

Also waren Sie seit Ihrer Rückkehr aus Cottbus nach Lünen auch gar nicht mehr in Dortmund im Stadion?

Nein. Aber mein Sohn war mal da. (lacht)

Wie war es denn 2009, als Sie nach 16 Jahren den Verein verlassen haben?

Jürgen Klopp hat mir 2008 in der Vorbereitung mitgeteilt, dass er nicht mit mir plant. Ich war ja dann erstmal nach Duisburg ausgeliehen. Dann kam die Anfrage aus Cottbus. Natürlich war ich etwas traurig. Aber ich habe mich mehr auf die neue Aufgabe gefreut.

Ihr Bundesliga-Debüt im November 2003 war nach nur 43 Minuten beendet. Sie sahen die Gelb-Rote Karte im Auswärtsspiel in München. Wie oft werden Sie noch darauf angesprochen?

Sehr oft natürlich. Auch in Cappenberg wussten das die Jungs. Ich rede ja nicht so gerne darüber ...

Aber haben Sie an dem Abend gedacht: Das war es für mich, jetzt darf ich nicht mehr wiederkommen?

Nein, das nicht. Ich war ein junger Spieler im Kader. Es war ein schwieriges Spiel, wir hatten viele Verletzte. Ich musste auf der Sechs spielen. Zusammen im Mittelfeld mit einigen Experten, die nicht die laufstärksten waren. Marcel Reif hat damals gesagt: Das war sein erstes und letztes Bundesliga-Spiel. Aber sowas habe ich nie gedacht.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Markus Brzenska - Stationen seiner Karriere

Seine ersten Schritte machte er beim BV Lünen 05: Markus Brzenska. Später spielte er im Trikot des BV Borussia Dortmund, MSV Duisburg und FC Energie Cottbus - und zudem in der Junioren-Nationalmannschaft. Wir haben seine Karriere in Bildern festgehalten.
31.01.2011
/
Sein Heimatverein ist der BV Lünen 05 - mittlerweile ist Markus Brzenska (*25. Mai 1984) Stammspieler beim Zweitligisten FC Energie Cottbus.© Foto: dpa
Bereits 1993 wechselt Brzenska in die E-Jugend von Borussia Dortmund. In der Saison 2003/04 gab er sein Bundesliga-Debüt bei den Schwarz-Gelben.© Foto: dpa
Unter Trainer Bert van Marwijk (M.) wurde der kopfballstarke Innenverteidiger in der Saison 2005/06 zum Stammspieler. Rechts im Bild Ebi Smolarek.© Foto: dpa
Beim BVB spielte Brzenska (M.) - hier ein Bild von 2006 - unter anderem mit Weltstars wie Tomas Rosicky (l.). Rechts freut sich Matthew Amoah mit dem Lüner.© Foto: dpa
Brzenska absolvierte insgesamt 89 Erstliga-Spiele für den BVB - darunter mehrere Derbys, hier gegen Ebbe Sand.© Foto: dpa
Ab 2006 durfte Markus Brzenska auch den Adler tragen - er wurde in die deutsche U21-Nationalmannschaft berufen.© Foto: dpa
In der U21-Nationalmannschaft spielte Brzenska (o.2.v.r.) unter anderem mit Stefan Kiessling (o.1.v.l., heute Leverkusen) oder Piotr Trochowski (u.2.v.r., heute Hamburger SV).© Foto: dpa
Für Dortmund erzielte er insgesamt 7 Tore - hier jubelt er im April 2007 mit Ebi Smolarek (l.) und Florian Kringe über einen Treffer gegen Hertha BSC Berlin.© Foto: dpa
In der Spielzeit 2007/2008 kam Brzenska seltener in der Bundesliga zum Einsatz und lief vermehrt für die BVB-Amateure auf, für die er in insgesamt 57 Partien 4 Tore schoss.© Foto: dpa
Im März 2008 heiratete Markus Brzenska seine langjährige Lebensgefährtin Jenny Schwartz im Schloss Nordkirchen.© Foto: Archiv
Im Mai 2008 freute sich Markus Brzenska (r.) dann mit seiner Frau Jennifer (24) über Nachwuchs: Morice-Joel wurde im Lüner St. Marienhospital per Kaiserschnitt geboren.© Foto: Frank Bock
Eine neue sportliche Heimat: Der BVB leiht Brzenska im Sommer 2008 an den Zweitligisten MSV Duisburg aus - unter Trainer Rudi Bommer (r.) ist er wieder Stammspieler.© Foto: dpa
In der Saison 2008/09 fehlt Brzenska nur in einem Liga-Spiel und schießt 2 Tore - hier jubelt er gegen St. Pauli.© Foto: dpa
In der Saison 2009/10 geht es in die Lausitz: Brzenska wechselt von Borussia Dortmund zu Energie Cottbus.© Foto: dpa
Kampfstark - Brzenska macht in seiner ersten Saison 32 Spiele für Energie.© Foto: dpa
Zehn gelbe Karten machen es deutlich - Brzenska ist kein Kind von eitel Sonnenschein.© Foto: dpa
Auch in der Saison 2010/11 ist der 1,96 Meter große Brzenska Stammspieler in der Cottbuser Abwehr.© Foto: dpa
Da die deutsche A-Nationalmannschaft kein Thema mehr zu sein scheint, äußert Brzenska - hier gegen Aue - den Wunsch, für die polnische Auswahl auflaufen zu dürfen. Die Verantwortlichen wollen es sich überlegen.© Foto: dpa
Erste Hürde genommen: Im Achtelfinale des DFB-Pokals schmeißt Brzenska mit Cottbus den favorisierten VfL Wolfsburg raus. Hier lernt Edin Dzeko - mittlerweile bei Manchester City - die Zweikampfhärte des Energie-Verteidigers kennen.© Foto: dpa
Dann der nächste Coup: Im Pokal-Viertelfinale ist für Hoffenheim Schluss - hier Isaac Vorsah. Brzenska zieht mit Cottbus in die Runde der letzten vier Teams ein und darf vom Finale in Berlin träumen.© Foto: dpa
Doch dann das Aus im Halbfinale: Markus Brzenska (Mitte) ist nach dem 1:2 (0:1) beim MSV Duisburg enttäuscht - der Traum vom Finale in Berlin und damit vom europäischen Geschäft ist geplatz.© Foto: dpa
Schock am zweiten Spieltag der Zweitliga-Saison 2011/12: Beim Spiel gegen Duisburg (2:1) verletzt sich Brzenska (M.) ohne Fremdeinwirkung schwer und muss vom Platz getragen werden.© Foto: dpa
Schlagworte

In der Folge haben Sie sich einen Stammplatz erkämpft. Gab es mal die Hoffnung, dass noch mehr gehen könnte? Zum Beispiel in Richtung Nationalmannschaft?

Als ich vor der WM 2006 häufiger für Christoph Metzelder gespielt habe, gab es natürlich die Hoffnung. Ich habe ja auch für die U21 gespielt. Mehr Kontakt gab es da aber leider nie.

2011 haben Sie sich die Achillessehne gerissen. Es folgten fünf Operationen, Sie haben auch aufgrund von Knieproblemen zwei Jahre kein Spiel bestritten. Gab es mal den Gedanken des Karriereendes?

Nein, das stand nicht zur Debatte. Natürlich zweifelt man mal. Aber dann habe ich auch die Fortschritte gesehen, die ich gemacht habe.

War der Wechsel in die Regionalliga ein Rückschritt?

Ich habe ihn nicht als Rückschritt gesehen. Das Angebot aus Köln war passend. Viktoria hat gute Rahmenbedingungen. Zudem war meine Familie die ganze Zeit in Lünen, als ich in Cottbus gespielt habe. Ich bin froh, jetzt jeden Abend wieder zu Hause sein zu können.

Ihr Vertrag in Köln endet 2017. Möchten Sie dort bleiben?

Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Ich merke, dass es mir noch Spaß macht. Und es gibt Schlimmeres, als mit Fußball Geld zu verdienen.

Nach der aktiven Karriere wollen Sie Trainer werden. Wo soll es hingegen?

Soweit denke ich noch gar nicht. Erst einmal müsste ich den Einstieg finden. Es ist gut, dass ich bei Viktoria einen Draht zur Vereinsführung habe. Vielleicht ist das da mal möglich.

Lesen Sie jetzt