Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Pascal Harder klärt Dinge von Mann zu Mann

rnGS Cappenberg

GS Cappenberg hat einen neuen Boss: Pascal Harder. Der 30-jährige Lüner coacht den Fußball-A-Ligisten und hat schon erste Dinge verändert.

Cappenberg

, 24.07.2018 / Lesedauer: 5 min

Pascal Harder grinst, als er zum Interviewtermin erscheint – im sportlichen Cappenberger Dress natürlich. Der 30-Jährige coacht seit dem 1. Juli den Fußball-A-Ligisten GS Cappenberg – seine erste Trainerstation bei den Senioren. Wir haben mit ihm über die Anfangszeit, Taktiken und Simon Erling gesprochen.

Herr Harder, Sie sind seit drei Wochen im Amt, wie fühlt sich das Trainerleben an?

Vertraut, aber trotzdem anders. Ich habe ja mit meinem Bruder René in Wethmar schon die B-Jugend trainiert. Als Alex Lüggert damals nach Hamm gegangen ist, habe ich mit Rolf Nehling die erste Mannschaft übernommen. Dadurch, dass Cappenberg komplett mein eigenes Baby ist, ist es eine interessante und neue Aufgabe. Man ist kein Spieler mehr, daran muss ich mich gewöhnen.

Die ersten Trainingseinheiten sind vorüber. Wie ist Ihr Eindruck?

Vom Verein her sehr positiv. Hier kann man in Ruhe arbeiten. Ich kann machen, was ich möchte. Die Truppe zieht gut mit, alle sind sehr wissbegierig. Man muss sich aber auch erstmal beschnuppern. Bisher läuft das sehr gut.

Sie sind frisch im Trainergeschäft. Mit welchem Profitrainer kann man Sie am ehesten vergleichen?

(lacht) Es gibt viele Trainer, die ich vom Ansatz her interessant finde. Ich würde mich aber nie vergleichen. Ich mag Jürgen Klopp, weil er so ein Malochertrainer ist. Vom Fußballerischen und vom Verstand her finde ich Pep Guardiola gut. Ich mag auch Julian Nagelsmann und – obwohl ich Dortmunder bin – Domenico Tedesco von Schalke 04.

Eine Mischung daraus ist dann Pascal Harder?

(lacht) Um Gottes Willen, das nicht. Aber das sind die Trainerstile, die mir gefallen, von denen ich mir was rauspicken würde, wenn ich mir einen Trainer basteln würde.

Pascal Harder klärt Dinge von Mann zu Mann

© Reith

Sie gelten als Mann klarer Worte. Das hat in Wethmar Ihre Kritik an Simon Erling gezeigt. Wollen Sie in Cappenberg genauso agieren?

Jein. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille. Es ist nicht so, dass es in Wethmar nur eine Sache gegeben hat, wegen der ich an die Decke gegangen bin. Das war ein Prozess, der schon vor der Sommerpause damals losging, als es zu Unstimmigkeiten kam. Irgendwann ist das Fass übergelaufen. Ich habe mit dem Verein und dem Umfeld nie Probleme gehabt. Es gab ein, zwei Sachen mit Simon, die überhaupt nicht gingen. Das habe ich damals ja deutlich gesagt. Vielleicht zu deutlich für einen Zeitungsartikel. Das war nicht die feine englische Art, zumal ich ein Typ bin, der die Dinge von Mann zu Mann regelt.

Gibt es etwas, das Sie in Cappenberg unbedingt sofort verändern wollen?

Ich habe damit angefangen, dass die Jungs mich Trainer oder Coach nennen sollen. Das hat nichts damit zutun, dass ich denke, dass ich etwas Besseres bin, sondern weil ich noch relativ jung bin und die Jungs vom Alter nicht so weit weg sind. Ich denke, dass man dadurch eine gewisse Distanz schafft. Da geht es auch um Respekt, den man sich gegenseitig gibt. Ich habe meine Trainer auch immer so genannt.

Welchen Fußball wollen Sie spielen lassen?

Ich ändere das System. Ich möchte gerne im 3-5-2 spielen. Dann können wir in der Defensive mit einer Fünferkette stehen, die uns hinten guttut. Das ist aber noch ein langer Weg und viel Arbeit, da die meisten Jungs die Formation nicht kennen. Ich habe die Formation in Werne kennengelernt und finde sie überragend.

Es ist auffällig, dass Sie gleich sieben Wethmarer Jungs mit nach Cappenberg gebracht haben. Hätten Sie nicht in einem anderen Verein wildern können?

Hätte ich, aber ich habe gar nicht gewildert. Ich habe zwei, drei Spieler angesprochen, die unzufrieden waren. Keiner hat mir von vornherein gesagt, dass er sofort kommt. Von Januar bis April haben wir Gespräche geführt, erst dann gab es die ersten Zusagen. Ich habe mein Konzept vorgestellt, dass ich zum Beispiel viel Wert auf Gemeinschaft und Teamgeist legen werde. Irgendwann wurde es zum Selbstläufer. Ich bin nicht nach Wethmar gegangen, um denen die Leute wegzuholen, weil ich einen schlechten Abgang hatte.

Pascal Harder klärt Dinge von Mann zu Mann

© Foto: Warnecke

Sie selbst kommen vom Landesligisten Werner SC zu GS Cappenberg. Warum haben Sie dort nur ein halbes Jahr gespielt?

Ich hatte zehn Angebote – von der Westfalenliga bis zur Kreisliga B. Lars Müller (Trainer Werner SC, Anm. d. Red.) hatte mich gefragt und ich hatte sofort zugesagt. Ich bin mit ins Training eingestiegen. Kurz danach hatte mich Marco Logemann (ehemaliger Sportlicher Leiter, GS Cappenberg) angerufen und gefragt, wie es aussieht. Er hat mir das Konzept vorgestellt. Nach einem Tag Bedenkzeit habe ich mir gedacht: Das ist schon geil, weil man hier in Ruhe arbeiten kann. Das habe ich den Wernern dann auch so kundgetan. Die waren natürlich nicht so begeistert, haben mir sogar einen Co-Trainer-Posten angeboten. Ich denke aber, dass ich kein guter Co-Trainer bin, weil ich zu viele eigene Ideen habe. Ich möchte nicht im Schatten von irgendwem stehen.

Was ist eigentlich mit Ihrem Bruder René, hatte er keine Lust auf Cappenberg?

Alle haben gedacht, dass ich ihn hole. René und ich verstehen uns super, aber wir wollten das beide nicht. Wenn ich sein Trainer bin und etwas verlange und er das nicht so sieht, kann er das nicht runterschlucken. Er muss seine Meinung dann äußern. Das kann klappen, muss aber nicht. René will sein Ding machen, bevor er Trainer werden will. Einen Betreuer könnte ich aber immer gebrauchen (lacht).

Pascal Harder klärt Dinge von Mann zu Mann

© Foto: Günther Goldstein

Hand aufs Herz: Was haben Sie mit dem Verein vor?

Wir wollen eine gute Rolle in der Kreisliga A spielen. Realistisch gesehen erwarte ich im ersten Jahr nicht so viel, weil es diesen Umbruch mit neuen Spielern und neuem Trainer gibt. Wir wollen den Abstand zu den Spitzenteams verringern. Wir müssen von Woche zu Woche denken und wollen gut abschneiden.

Kann ein möglicher Aufstieg in Ihrer Amtszeit Ziel der Cappenberger sein – oder ist das utopisch?

Utopisch auf keinen Fall. Mit der Truppe, die wir jetzt haben, kann man sich auch in der Bezirksliga halten. Zwischendurch brauchst du natürlich immer zwei, drei Verstärkungen. Hier im Verein – vor allem auch von unserem Sportlichen Leiter Philipp Wiesmann – wird viel dafür getan, dass der Umbruch stattfindet.

Sie stehen nun an der Seitenlinie. Wird man Sie auch auf dem Platz sehen?

Nachdem ich bei Wethmar aufgehört habe, habe ich gedacht, dass die aktive Karriere vorbei ist, weil ich viele körperliche Probleme habe. Ich kann keinen Pass vernünftig spielen und keinen Sprint vernünftig anziehen. Es ist alles nicht mehr so einfach, spritzig und schnell. Deswegen habe ich gesagt, dass ich nur spiele, wenn Not am Mann ist. Ein Trikot in XXL ist bestellt. Ich werde aber nicht als Leistungsträger vorneweg gehen.

Lesen Sie jetzt